Walfänger Havarie Keine Hilfe von Greenpeace


Das in der Antarktis havarierte japanische Walfangschiff "Nisshin Maru" ist nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace offenbar stärker beschädigt als angegeben. Eine Schlepphilfe vom Greenpeaceschiff "Esperanza" soll vom Fischereiministerium untersagt worden sein.

Es sei der Besatzung bisher nicht gelungen, die Maschine zu starten, teilte Greenpeace am Samstag mit. Die Japaner hätten Hilfsangebote bisher nicht angenommen. Unterdessen ist auf der "Nisshin Maru" die Leiche des vermissten Seemannes gefunden worden. Medienberichten zufolge wurde der 27-Jährige in dem Bereich des Fabrikschiffes entdeckt, in dem am Donnerstag der Brand ausgebrochen war.

Das Walfangschiff hat laut Greenpeace noch immer leichte Schlagseite. Zur Versorgung des Schiffes mit Elektrizität seien Leitungen von einem längsseits liegenden Walfänger und einem Versorger zur "Nisshin Maru" gelegt worden. Ein direkter Funkkontakt mit dem Havaristen sei nicht möglich.

Keine Hilfe erwünscht

Nachdem der vermisste japanische Seemann tot gefunden worden war, hatte das Greenpeace-Schiff "Esperanza" das Hilfsangebot an die japanische Walfangflotte erneuert. Die japanischen Seeleute dürfen nach Angaben der Umweltorganisation derzeit aber keine Schlepphilfe von der "Esperanza" annehmen, da ihnen dies von ihrem Fischereiministerium untersagt werde. Gleichzeitig verschlechtere sich zunehmend die Wetterlage im Unglücksgebiet. Der nächste sichere Stützpunkt sei rund 250 Seemeilen entfernt.

"Wir bedauern den Tod des jungen Japaners sehr", sagt Regine Frerichs, Greenpeace-Bootfahrerin an Bord der "Esperanza". "Jetzt muss alles getan werden, um die Überlebenden des Feuers so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Jede Sekunde, die die "Nisshin Maru" unnötig in diesem Seegebiet bleibt, gefährdet weitere Menschenleben."

Der Antarktis droht nach dem Brand auf der schwer mit Walfleisch beladenen "Nisshin Maru" möglicherweise eine Umweltkatastrophe. In der Nähe der Unglücksstelle lebt eine der größten Adelie-Pinguin- Kolonien der Welt. Greenpeace hat nach eigenen Angaben kurz nach dem Eintreffen der "Esperanza" am Unglücksort mit einem Helikopter rund um die "Nisshin Maru" das Meer auf Ölverschmutzungen überprüft. Bislang sei jedoch kein Öl ausgelaufen.

Das Feuer an Bord des Walfängers war am frühen Donnerstagmorgen unter Deck ausgebrochen. Die Ursache ist unbekannt. Der Großteil der mehr als 120 Mann starken Besatzung war von Nachbarbooten aufgenommen worden. Insgesamt bestehe die japanische Flotte aus sechs Schiffen - zwei Spähern, drei Fang- und ein Fabrikschiff, hieß es.

Walfang zu "wissenschaftlichen Zwecken"

Nachdem das Feuer gelöscht sei, werde nun geprüft, ob die Schäden an den Geräten für die Walverarbeitung repariert werden können, berichtete Radio Neuseeland. Sollte die "Nisshin Maru" zu größeren Reparaturen abgeschleppt werden müssen, wäre der Walfang zu "wissenschaftlichen Zwecken" für 2007 beendet, hieß es.

Das Fabrikschiff trieb nach Angaben der Regierung Neuseelands am Freitag antriebslos in dem Naturschutzgebiet. Die Gefahr eines schweren Umweltschadens sei nicht gebannt. An Bord der "Nisshin Maru" sind rund 1000 Tonnen Benzin, Öl und Chemikalien. "Die Situation könnte sehr gefährlich werden, wenn das Wetter sich ändert und die See aufgewühlt wird", sagte Neuseelands Umweltminister Chris Carter. Er forderte die japanischen Eigner auf, das 6000-Tonnen- Mutterschiff der Flotte so schnell wie möglich aus den Küstengewässern nordwestlich des US-Stützpunktes McMurdo wegzuziehen.

DPA


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