HOME

Getöteter CDU-Politiker Lübcke: Polizei fragt bei "Aktenzeichen XY": Wer hat Fotos aus der Tatnacht?

Im Fall des erschossenen CDU-Politikers Walter Lübcke hat die Polizei bisher keine heiße Spur gemeldet. Jetzt haben sich die Ermittler in der TV-Sendung "Aktenzeichen XY" an die Öffentlichkeit gewandt - mit wichtigen Fragen.

Das Haus von Walter Lübcke in Wolfhagen-Istha

Das Haus von Walter Lübcke in Wolfhagen-Istha: Der Kasseler Regierungspräsident war in der Nacht zu Sonntag auf seiner Terrasse mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden.

DPA

Nach dem tödlichen Schuss auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat die Polizei per Fernsehfahndung einen neuerlichen Zeugenaufruf gestartet. In der ZDF-Sendung  "Aktenzeichen XY... ungelöst" bat sie insbesondere Besucher einer Kirmes, die nicht weit entfernt vom Tatort stattfand, am Abend entstandene Fotos und Videos den Ermittlern zur Verfügung zu stellen. Außerdem sucht die Polizei Zeugen, die im Ort Verdächtiges gesehen oder Knallgeräusche wie Schüsse gehört haben.

Lübcke war in der Nacht zu Sonntag gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha im Kreis Kassel mit einer Schussverletzung am Kopf von einem Angehörigen entdeckt worden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Obduktion ergab, dass der 65 Jahre alte CDU-Politiker mit einem Kopfschuss aus einer Kurzwaffe - dazu zählen beispielsweise Pistolen oder Revolver - aus nächster Nähe getötet worden war.

Konkret fragt die Polizei:

  • Wer hat am Samstagabend oder nach Mitternacht Beobachtungen in Wolfhagen-Istha gemacht, die etwas mit der Tat zu tun haben könnten?
  • Wer hat zu dieser Zeit rund um den Tatort Knall- oder Schussgeräusche gehört?
  • Wer kann Angaben zum Tod von Dr. Walter Lübcke machen oder weiß etwas über den Verbleib der Tatwaffe?
  • Die Polizei macht zudem darauf aufmerksam, dass ehrverletzende Äußerungen im Internet strafrechtlich verfolgt werden können. 

Zuständig für den Fall ist das Landeskriminalamt Hessen, Telefon 0561 – 910 44 44. Hinweise, vor allem Fotos, können auch an die E-Mail-Adresse wolfhagen@polizei-hinweise.de geschickt werden.

Walter Lübcke hatte bereits Morddrohungen erhalten

Die Polizei hat für die Untersuchungen eine Sonderkommission aus 20 Mitarbeitern eingerichtet. Ermittelt wird wegen des "Verdachts der Tötung". Das Landeskriminalamt ist eingeschaltet, weil Lübcke als Person des öffentlichen Lebens gilt. Zum Täter gibt es bisher keine Angaben, auch das Motiv für die Tat ist völlig unklar. Laut LKA gab es keine aktuelle Gefährdungslage für den Regierungspräsidenten.

Lübcke hatte früher bereits Morddrohungen erhalten. Als Leiter des Regierungspräsidiums Kassel, das in der Flüchtlingskrise bei der Unterbringung von Geflüchteten federführend in Nordhessen war, hatte sich der Regierungspräsident gegen Schmährufe gewehrt und auf einer Veranstaltung gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen. Das war 2015. Mutmaßlich auch deshalb hat die Tötung des CDU-Politikers hämische und menschenverachtende Kommentare von Rechten in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Eine konkrete Verbindung zwischen den Ereignissen von 2015 und Lübckes Tötung sehen die Ermittler aber bislang nicht.

Lübcke galt grundsätzlich als beliebt. Er wäre im Herbst in den Ruhestand gegangen. Der 65-Jährige hinterließ eine Frau und zwei erwachsene Söhne.

mad / DPA