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Website der Boulevardzeitung "Sun" geknackt: Hacker erklären Murdoch für tot

Unmittelbar vor einer Anhörung im britischen Abhörskandal haben sich Hacker einen makaberen Scherz erlaubt: Auf der Website der Boulevardzeitung "Sun" verkündeten sie den Tod von Rupert Murdoch.

Hacker haben die Webseite des britischen Boulevardblatts "The Sun" geknackt geknackt und auf der Startseite den Tod des Medienmoguls Rupert Murdoch verbreitet. Besucher der Internetseite wurden in der Nacht zum Dienstag zum Twitter-Feed der Hacker-Gruppe Lulz Security umgeleitet. Die Gruppe hatte bereits Internetseiten des Elektronikriesen Sony, des US-Geheimdienstes CIA und des Senders FoxTV gehackt, der wie "The Sun" zum News-Corp-Imperium Murdochs gehört. News International, die britische Mediensparte von News Corp, steht im Zentrum eines Abhörskandals, der derzeit weite Kreise in Wirtschaft und Politik des Landes zieht.

Gemeinsam mit weiteren Schlüsselfiguren des britischen Abhörskandals soll Medienmogul Rupert Murdoch heute vor britischen Parlamentariern aussagen. Die Abgeordneten wollen von dem 80-Jährigen wissen, was er von den illegalen Abhörpraktiken gewusst hat, die Großbritannien seit Wochen in Atem halten. Journalisten seines inzwischen eingestellten Skandalblatts "News of the World" hatten neben Prominenten auch Verbrechensopfer "angezapft".

Ex-Reporter tot aufgefunden

Ebenfalls vorgeladen sind Murdochs Sohn James und die frühere Verlagsmanagerin Rebekah Brooks. Sie war am Sonntag vorübergehend festgenommen worden. In einer weiteren Anhörung müssen die zurückgetretenen Scotland-Yard-Chefs Paul Stephenson und John Yates Rede und Antwort stehen. Sie sehen sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.

Am Montagabend teilte die Polizei mit, dass mit Sean Hoare einer der Belastungszeugen in der Affäre tot in seiner Wohnung gefunden wurde. Es gebe jedoch keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen, hieß es von der Polizei in Hertfordshire.

Von der Affäre ist auch der britische Premierminister David Cameron betroffen. Erste Rücktrittsforderungen werden laut: "Wann tut der zwielichtige Dave endlich das, was sich gehört, und tritt zurück?", sagte der Labour-Parlamentarier Dennis Skinner. Sein Parteifreund Gerald Kaufman fragte: "Sollte der Premierminister nicht seine Position überdenken?"

Geburtstagsparty mit Rebekah Brooks

Cameron geriet am Dienstag weiter unter Druck, als herauskam, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch-Managerin Rebekah Brooks als Gast bei seinem 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Die Geburtstagseinladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden. Brooks war von 2000 bis 2003 Chefredakteurin der "News of the World".

Die Affäre könnte das Ende der Ära Murdoch bedeuten: Einem Zeitungsbericht zufolge denkt der Australier über einen Rücktritt als Chef seines Konzerns News Corp nach. Wie das "Wall Street Journal", das ebenfalls zu dem Medienkonzern gehört, berichtet, erwägt er den Rückzug von seinem Posten seit über einem Jahr. "Bereits, bevor der Skandal in den vergangenen Wochen aufflammte", habe Murdoch einen Rücktritt als Firmenchef zugunsten des für das Tagesgeschäft zuständigen Vorstands Chase Carey erwogen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das "mit der Situation vertraute Umfeld" Murdochs. In dem erwogenen Szenario würde Murdoch dem "WSJ" zufolge aber Verwaltungsratchef bleiben. Ein Wechsel an der Konzernspitze sei erst denkbar, wenn sich die "Aufregung" um den Abhörskandal gelegt habe.

dho/be/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters