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Wegen Quälereien an Rekruten: Ex-Ausbilder stehen erneut vor Gericht

Erneuter Prozessauftakt in Münster: Vor dem Landgericht müssen sich sieben ehemalige Bundeswehr-Ausbilder bereits zum zweiten Mal wegen des Vorwurfs der Rekrutenmisshandlung verantworten. Der Bundesgerichtshof hatte Freisprüche aus einem ersten Verfahren aufgehoben.

Sieben Jahre nach dem Bundeswehr-Skandal von Coesfeld wird der Fall vor Gericht neu aufgerollt. Seit Donnerstagmorgen stehen sieben ehemalige Bundeswehrausbilder in Münster erneut wegen der Misshandlung von Rekruten vor Gericht. In einem ersten Verfahren waren sie mit Freisprüchen oder Geldstrafen davongekommen. Der Bundesgerichtshof hat diese Urteile aber aufgehoben.

Wegen der Vorfälle in der Coesfelder Kaserne waren insgesamt 18 frühere Bundeswehr-Angehörige vor Gericht gestellt worden, elf Urteile sind rechtskräftig. Die nunmehr erneut angeklagten sieben Männer hatten die Rekruten bei vier Geiselnahmeübungen nach einem Nachtmarsch überfallen, gefesselt und zu fingierten Verhören abtransportiert. Dabei wurden die Soldaten von anderen Bundeswehr-Angehörigen dann teils misshandelt. Neben Scheinerschießungen wurde den Rekruten mit einer Kübelspritze Wasser in den gewaltsam geöffneten Mund oder in die Nase gepumpt, so dass sie zum Teil keine Luft mehr bekamen.

Die sieben Beschuldigten waren an diesen Verhören aber nicht beteiligt. Das Landgericht Münster hatte die Beteiligung der heute zwischen 26 und 36 Jahre alten Männer lediglich an den Überfällen auf die Rekruten und an deren Transport als nicht strafbar angesehen. Dagegen befand der BGH, die Geiselnahmeübung müsse als Gesamtheit betrachtet werden. Gegebenenfalls könnten auch die nicht an den Misshandlungen beteiligten Ausbilder für die Übergiffe ihrer Kollegen bei den Verhören zur Verantwortung gezogen werden.

cjf/AFP/DPA / DPA