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Wende im Fall Kachelmann: Aussagen der Ex-Freundin erscheinen zweifelhaft

Hat das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer die Wahrheit gesagt? Einer Gutachterin erscheinen die Aussagen der ehemaligen Lebensgefährtin von Wettermoderator Jörg Kachelmann "vage und oberflächlich". Auch andere Hinweise auf die Tat sind offenbar nicht so belastend, wie anfangs angenommen.

Der Fall des unter Vergewaltigungsverdacht stehenden Wettermoderators Jörg Kachelmann steht möglicherweise vor einer Wende: Die Aussagen des mutmaßlichen Opfers erschienen einer Gutachterin zweifelhaft, berichtete "Spiegel Online". In einem von der Staatsanwaltschaft Mannheim in Auftrag gegebenen Glaubhaftigkeits-Gutachten komme die Bremer Psychologin Luise Greuel zu dem Schluss, dass die Schilderung der Vergewaltigung "nicht die Mindestanforderungen an die logische Konsistenz, Detaillierung und Konstanz" erfülle.

In dem Gutachten, dass laut "Spiegel Online" am vergangenen Mittwoch bei der Staatsanwaltschaft einging, heißt es, das mutmaßliche Opfer könne die Tat selbst bei eingehender Befragung nur vage und oberflächlich wiedergeben. Es würden auch Sachverhalte dargestellt, die handlungstechnisch unwahrscheinlich bis unmöglich seien. Zwar ist damit nach Angaben der Gutachterin Greuel keineswegs eine Falschaussage erwiesen. Die im gerichtlichen Kontext gebotene Zuverlässigkeit der Aussagen sei aber nicht gegeben.

Zweifelhafte Blutspuren

Zweifel gibt es dem Bericht zufolge auch an der Belastbarkeit von Blutspuren der Frau an einem Messer, das Kachelmann ihr bei der Tat an den Hals gehalten haben soll. Laut einem Bericht des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg war die Spur so winzig, dass sich nicht feststellen ließ, ob es sich um Blut der Frau handelte oder um Tierblut, das möglicherweise mit Hautpartikeln von ihr behaftet war. Bei DNA-Spuren am Messer konnte das LKA zudem nicht ausschließen, dass Kachelmann es in der Hand gehalten hatte. Ein unzweifelhafter Nachweis sei aber nicht möglich gewesen.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte Mitte Mai Anklage gegen Kachelmann erhoben wegen des Verdachts der besonders schweren Vergewaltigung und gefährlichen Körperverletzung. Laut Anklage soll der 51-jährige Schweizer im Februar seine 36-jährige langjährige Freundin in deren Schwetzinger Wohnung vergewaltigt haben. Kachelmann war Mitte März nach der Rückkehr von den Olympischen Winterspielen in Kanada auf dem Flughafen Frankfurt am Main verhaftet worden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Der TV-Moderator beteuert seine Unschuld.

AFP / AFP