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Wenig Aussicht auf Erfolg: Europäischer Haftbefehl gegen mutmaßlichen NS-Verbrecher

Seit 1952 befindet sich Klaas Carel Faber, einer der meistgesuchtesten NS-Verbrecher, unbehelligt in Deutschland. Die deutsche Justiz schützt den niederländischen Kollaborateur, weil er seit 1943 deutscher Staatsbürger ist. Ein Skandal, finden nicht nur die Niederlande.

Die Niederlande hat einen europäischen Haftbefehl gegen den in Deutschland lebenden NS-Kollaborateur Klaas Carel Faber ausgestellt. Ziel der Aktion sei eine Auslieferung Fabers an die Niederlande, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Ob der im Jahr 2002 eingeführte Haftbefehl zur leichteren Überstellung von Verdächtigen und Verurteilten aber im Fall Fabers angewendet werden könne, sei jedoch noch ungewiss, sagte eine Sprecherin. Nun sei es an der deutschen Justiz, darauf reagieren, hieß es. Die zuständige Generalstaatsanwaltschaft in München teilte am Donnerstag mit, dass noch nicht klar sei, wann über den Auslieferungsantrag entscheiden werden könne. Man werde den Antrag zügig bearbeiten, die rechtliche Sachlage sei jedoch komplex, sagte Sprecher Alfons Obermeier der Nachrichtenagentur AP.

Der Leiter des Jerusalemer Büros des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, begrüßte den Vorstoß der Niederlande. "Das sind sehr gute Nachrichten," sagte Efraim Zuroff in einem Telefoninterview. Nun stehe Deutschland unter Zugzwang, da es nun keinen Grund gebe, dass ein Mann, der so viele Morde begangen habe, noch durch das deutsche Gesetz geschützt werde. Faber rangiert auf der Wiesenthal-Liste der meistgesuchten mutmaßlichen NS-Verbrecher auf Platz drei.

Faber wurde laut Angaben der niederländischen Staatsanwaltschaft im Jahr 1947 wegen Mordes an KZ-Gefangenen und seiner Mitgliedschaft in der SS während der deutschen Besatzungszeit zunächst zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde im Jahr 1948 zu einer lebenslangen Haftstrafe umgewandelt. Im Jahr 1952 gelang es Faber, aus dem Gefängnis zu flüchten und sich nach Deutschland abzusetzen. Der inzwischen 88-jährige lebt seit langem in Ingolstadt.

Deutsche Behörden hatten eine Übergabe des gebürtigen Niederländers stets abgelehnt. Hintergrund war unter anderem ein Erlass aus dem Jahr 1943, wonach alle niederländischen Freiwilligen der Waffen-SS automatisch deutsche Staatsbürger sind. Die Münchner Generalstaatsanwaltschaft hatte auf Geheiß von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Fall Faber neu aufgerollt, aber entschieden, dass Faber wegen mangelnder Beweise nicht in Bayern belangt werden könne.

APN / APN