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Prozess in Köln Wermelskirchener Babysitter nennt eigene Missbrauchstaten "abscheulich"

Der Angeklagte im Missbrauchskomplex Wermelskirchen hält sich im Gerichtssaal eine Mappe vor das Gesicht
"In einer Parallelwelt gelebt": Der Angeklagte im Missbrauchskomplex Wermelskirchen hält sich im Gerichtssaal eine Mappe vor das Gesicht
© Oliver Berg / DPA
Im Missbrauchskomplex Wermelskirchen hat der Angeklagte am zweiten Prozesstag selbst das Wort ergriffen. Dabei richtete der 45 Jahre alte Marcus R. seine Worte auch an die Anwälte der Eltern seiner Opfer.

Der Angeklagte im Missbrauchsprozess Wermelskirchen hat sich vor dem Kölner Landgericht erstmals ausführlich selbst zu den Vorwürfen geäußert. "Die Taten, die mir vorgeworfen werden, habe ich so begangen", räumtet der 45-jährige Marcus R. ein. Was er gemacht habe sei "abscheulich". Klar geworden sei ihm das in der Untersuchungshaft, auch wenn er schon vorher gewusst habe, dass das, was er getan habe, nicht richtig gewesen sei. Aber damals habe er "in einer Parallelwelt gelebt".

Angeklagter lebte mit Ehefrau in Wermelskirchen

Marcus R. werden in dem Prozess insgesamt 122 Taten in der Zeit zwischen 2005 und 2019 zur Last gelegt. Dazu zählen viele schwere Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Das jüngste Opfer soll laut Anklage im Jahr 2012 ein rund ein Monat altes Mädchen gewesen sein. Zudem wird der 45-Jährige der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern sowie des Besitzes von Kinderpornografie beschuldigt. Der Mann hatte der Anklage zufolge als Babysitter gejobbt und so das Vertrauen von Eltern und einigen seiner späteren Opfer erlangt.

In Richtung zahlreicher Anwälte der Nebenklage, die die Opfer und ihre Eltern im Prozess vertreten, gestand R., dass er "das Vertrauen der Familien missbraucht und erschlichen" habe. "Ich werde mit der Schande den Rest meines Lebens leben müssen. Es tut mir von Herzen leid", sagte er. Über eine Erklärung seines Verteidigers hatte der Angeklagte seine Taten bereits zum Prozessauftakt am Dienstag umfassend eingeräumt.

Der Deutsche war im Dezember 2021 in dem Haus in Wermelskirchen, in dem er gemeinsam mit seiner Ehefrau wohnte, von Spezialkräften der Polizei festgenommen worden. Ein Polizeibeamter berichtete am Dienstag im Zeugenstand, dass man R. damals am "offenen Computer" habe verhaften wollen, um so Zugriff auf Videos von den Taten und die Sammlung von weiterer Kinderpornografie zu erlangen. Das habe "gut geklappt", sagte der Beamte. Der Angeklagte habe sich während des Zugriffs gerade in einer Videokonferenz mit Arbeitskollegen befunden.

Die Festnahme und die gefundenen Spuren führten zu einer Vielzahl weiterer Ermittlungsverfahren gegen Beschuldigte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind es mittlerweile mehr als 130 Personen.

mad DPA

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