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Westernlegende "Billy the Kid“: Begnadigung nach 129 Jahren?

Er war ein Gesetzloser und wurde zum Mythos: "Billy the Kid“. 129 Jahre nach seinem Tod soll er jetzt eventuell begnadigt werden. Doch nicht überall stößt der Gouverneur von New Mexico mit seiner Idee auf Begeisterung.

Viele Mythen ranken sich um "Billy the Kid“, der 1859 in New York auf die Welt gekommen sein soll – selbst sein richtiger Name ist nicht eindeutig überliefert. Mehr als ein Dutzend Kinofilme und unzählige Legenden haben ihn für Western-Fans dennoch zum Helden gemacht. Sein Leben war aufregend und gilt als Sinnbild für den Wilden Westen. Doch seine kriminelle Karriere endete schon früh: Mit 21 Jahren soll "Billy the Kid“ von Sheriff Pat Garrett erschossen worden sein.

Der Gesetzeshüter hatte ihn im Juli 1881 gejagt, nachdem Billy aus dem Gefängnis ausgebrochen war, wo er auf seine Hinrichtung gewartet hatte. Doch wie fast alles rund um "The Kid" bleibt auch das nur eine von vielen vagen Überlieferungen. Ein hartnäckiges Gerücht sagt, Garrett habe den Falschen erschossen, und Billy starb erst 1950 im Alter von 91 Jahren in Texas.

2003 wollte der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, endlich Licht ins Dunkel bringen. Vor allem der Tod der Legende sollte kriminalistisch erforscht werden - auch, ob die verhängte Todesstrafe rechtens war. Denn der damalige Gouverneur von New Mexico, Lew Wallace, soll "Billy the Kid" versprochen haben, ihn zu begnadigen, wenn er in einem anderen Mordfall als Kronzeuge fungiert. Billy tat dies, doch Wallace hielt sich nicht an die Abmachung. Deshalb flüchtete der nun verurteilte Mörder und wurde daraufhin in Fort Summer erschossen. Hier soll die Westernlegende auch begraben sein. Ein einträgliches Geschäft für die Region: Viele Touristen kommen nur wegen "Billy the Kid“ nach Fort Summer.

Begnadigung soll Touristen anlocken

Jetzt rumort es in den US-Medien wieder. Steht die Rehabilitation des Westernhelden bevor? "Wenn es Beweise gibt, werde ich die Begnadigung von "Billy the Kid" prüfen", sagte Gouverneur Richardson dem Fernsehsender ABC. Er wolle auch das gebrochene Versprechen von Wallace wiedergutmachen, ergänzte seine Sprecherin Alarie Ray-Garcia.

Historiker Drew Gomber hält das Ganze allerdings für einen "Reklame-Stunt", um Touristen anzulocken. "Es macht keinen Sinn, die Zivilrechte eines Toten wiederherzustellen", sagte er der Zeitung "El Paso Times".

Richardson hat mit seiner Ankündigung auch den Zorn der Nachfahren von Sheriff Pat Garrett auf sich gezogen. "Seit Anfang an haben wir das Gefühl, dass der Gouverneur seine eigene Version der Fakten geschaffen hat, die nichts mit der wahren Geschichte New Mexicos zu tun hat", erklärte die Enkelin des Sheriffs, Susan Floyd Garrett, der Zeitung "Las Cruces Sun News". Die Familie Garrett befürchtet, dass eine Begnadigung das Ansehen ihres Großvaters beschädigen würde. Es könnte der Eindruck entstehen, der Sheriff habe einen Unschuldigen getötet.

"Falscher Held"

Doch unschuldig war "Billy the Kid" sicher nicht. Die Legenden schreiben ihm 21 Morde zu, davon sind vier geschichtlich überliefert. Die vermeintliche Begnadigung sei deshalb nur Show, vermutet auch Bernie Sargent, der Vorsitzende der historischen Kommission in El Paso. "Er hat schlimme Dinge getan. Also ist er ein falscher Held."

Gouverneur Richardson hat sich nicht mehr weiter zu dem Vorgang geäußert. Seine Sprecherin Alarie Ray-Garcia erklärte aber, dass viele Gespräche geführt würden. So muss der Showdown noch ein wenig warten. Würde "Billy the Kid" heutzutage leben, hätte Richardson ihm übrigens schon einen lebensrettenden Gefallen getan. Vergangenes Jahr hat er in New Mexico die Todesstrafe abgeschafft.

Peter Astashenko, DPA / DPA