VG-Wort Pixel

Wettermoderator vor Gericht, Tag 30 Schmusekurs im Kachelmann-Prozess


Im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann hat ein IT-Experte Indizien für und gegen den Wettermoderator vorgebracht. Und die Verfahrensbeteiligten hatten ein paar warme Worte füreinander übrig.
Von Malte Arnsperger, Mannheim

Es sind Kleinigkeiten, die am Ende über Schuld oder Unschuld von Jörg Kachelmann entscheiden werden. Auf winzige Details müssen die Richter am Landgericht Mannheim achten, wenn sie demnächst ihr Urteil in dem Vergewaltigungsprozess gegen den Wettermoderator sprechen: Es geht nicht nur darum, ob und von wem sich Hautspuren an einem angeblichen Tatmesser befinden oder nicht. Oder ob Kachelmann nun einen erstaunten Gesichtsausdruck bei seiner Festnahme hatte oder nicht. Das Gericht muss sich auch mit der Frage auseinandersetzen, seit wann die angeblich vergewaltigte Silvia May (Name von der Redaktion geändert) von ihren Nebenbuhlerinnen um die Gunst Kachelmanns wusste und was genau ihr Ex-Geliebter unmittelbar nach der angeklagten Tat am 9. Februar getan hat. Denn beide Umstände könnten Aufschluss über die Wahrheitsliebe der Beteiligten geben.

Um dies herauszufinden, war am 30. Verhandlungstag ein Polizeinformatiker geladen. Stefan Lorch hatte die Laptop Mays und Kachelmanns umfassend untersucht. Ein wichtiges Resultat seiner Recherchen: Silvia May hat bereits ein Jahr vor der angeblichen Vergewaltigung im Internet den Namen einer weiteren Freundin Kachelmanns gesucht. Dies steht im krassen Widerspruch zu dem, was May lange Zeit den Ermittlern erzählt hatte: Sie habe erst durch einen Brief, den sie am 8. Februar 2010 bekommen habe, einen Hinweis auf die Existenz dieser Frau bekommen. May hatte lange auf dieser Version beharrt und erst in weiteren Vernehmungen ihre Lüge eingeräumt. Ein Punkt für Kachelmann.

Der Polizeinformatiker sprach ein weiteres Detail an, welches als Indiz für Kachelmann gelten könnte. Denn Lorchs Recherchen ergaben: Bereits um 2.25 Uhr am 9. Februar 2010 hatte sich Kachelmann an seinen Laptop gesetzt und eine Stunde im Internet verbracht. Gegen 3.30 Uhr soll Kachelmann dann ein Hotel in Frankfurt aufgesucht haben. Bislang war unklar, was Kachelmann nach seinem Abschied von Silvia May in deren Schwetzinger Wohnung gegen 1 Uhr gemacht hat und warum er über zweieinhalb Stunden für die Strecke zwischen Schwetzingen und Frankfurt gebraucht hatte.

Bilder von Blutergüssen auf dem Rechner

Allerdings ergab die weitere Befragung des IT-Experten keine Anhaltspunkte für die Annahme der Verteidigung, dass sich Silvia May systematisch auf eine Selbstverletzung vorbereitet hat. Denn die Untersuchungen ihres Computers nach Worten wie "Verletzung", "Hämatom" oder "Vergewaltigt" habe keine Treffer ergeben, sagte Lorch.

Auch berichtete der Informatiker von zwei Fotos, die er auf dem Computer gefunden hat und auf denen Hämatome an den Beinen von Silvia May abgebildet sind. Die Fotos seien wahrscheinlich ebenfalls rund ein Jahr vor der angeklagten Tat geschossen worden. Allerdings nur wenige Sekunden hintereinander, so Lorch. May kam es also offenbar nicht darauf an, die Entwicklung der Wunde zu beobachten. "Es war zumindest keine Verlaufsstudie", sagte Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge. Trotzdem heißt es von Kachelmanns Verteidigung, könne man immer noch daran denken, dass es ein Selbstverletzungstest Mays gewesen war.

Prozessende im Mai?

Es gibt also immer noch viel Aufklärungsbedarf im Fall Kachelmann. Die Verfahrensbeteiligten haben sich deshalb in einem zuweilen skurril anmutenden Wortgeplänkel über die weitere Prozessplanung unterhalten. Kachelmann-Anwalt Johann Schwenn kritisierte in seiner gewohnt ruppigen Art die Sinnhaftigkeit der bisherigen Beweisaufnahme – "man will mit Hängen und Würgen noch etwas Belastendes zusammenbekommen" - und der Staatsanwaltschaft schlug er vor, sie möge doch "das weiße Handtuch" als Zeichen der Aufgabe werfen.

Das Gericht wehrte sich gegen die Anschuldigungen, ging aber auch auf die Verteidigung zu und stellte ein Ende des Verfahrens im Mai in Aussicht: Schwenn bot daraufhin an, dass sich sein Mandant möglichweise noch zu seiner Person äußern wird, nachdem er bisher in dem Verfahren stumm geblieben war. Einer der Richter sagte: "Herr Schwenn, ich finde das Gespräch mit ihnen nicht unangenehm und mir können ganz gut miteinander klarkommen."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker