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Streit über türkische Politik? Familienfehde offenbar eskaliert: Polizei fasst nach tödlichen Schüssen Izzettin Y.

Izzettin Y. soll in Wetzlar einen 39-Jährigen erschossen haben
Izzettin Y. soll in Wetzlar einen 39-Jährigen erschossen haben
© Polizeipräsidium Mittelhessen
Eine Salve von Schüssen schreckt am Sonntagabend die Menschen in einem Wohngebiet von Wetzlar auf. Ein Mann stirbt schwer getroffen. Unter Verdacht hat die Polizei einen 27-Jährigen. Sie bittet bei der Suche nach ihm nun um Hilfe.

Hinweis: Der Gesuchte hat sich am Abend des 3. September der Polizei gestellt.

Die Polizei sucht einen 27 Jahre alten Mann, der nach Überzeugung der Ermittler am Sonntagabend im hessischen Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis) einen Mann in dessen Auto erschossen hat.

Die Beamten sind nach eigenen Angaben gegen 19 Uhr in ein Wohngebiet im Magdalenenhäuser Weg am südwestlichen Rand der Kreisstadt gerufen worden. "Anwohner meldeten über Notruf mehrere Schüsse", teilte ein Sprecher der Polizei mit. Ein 39-Jähriger wurde getroffen, Rettungskräfte brachten ihn schwer verletzt ins Krankenhaus. Die Polizei rückte mit Spezialeinheiten an, konnte den Täter jedoch nicht fassen. Das Opfer erlag später in der Klinik seinen Verletzungen.

Izzettin Y. soll in Wetzlar einen 39-Jährigen erschossen haben
Izzettin Y. soll in Wetzlar einen 39-Jährigen erschossen haben
© Polizeipräsidium Mittelhessen

Nach dem dringend Tatverdächtigen Izzetin Y. wird nun international mit Fotos und einer Personenbeschreibung gefahndet. Y. ist demnach zwischen 1,70 und 1,80 Meter groß, hat eine athletische Figur und trägt kurze schwarze Harre sowie einen dunklen Vollbart.

Die Ermittler halten es für möglich, dass sich Izzetin Y. inzwischen ins Ausland, möglicherweise in seine türkische Heimat, abgesetzt hat. 

Hintergründe der Bluttat von Wetzlar noch unklar

Bei der Suche nach dem 27-Jährigen hofft die Polizei auf Mithilfe der Bevölkerung und hat folgende Fragen:

  • Wer kann Angaben zum derzeitigen Aufenthaltsort des Gesuchten machen?
  • Wo ist Izzettin Y. seit Sonntagabend gesehen worden?

Für die Aufklärung der tödlichen Schüsse hat die hessische Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt. Zeugenhinweise nehmen die Polizei in Wetzlar unter der Telefonnummer (06441) 9180 oder jede andere Polizeidienststelle, auch über den Notruf 110, entgegen. Die Beamten warnen vor einem eigenmächtigen Einschreiten: "Die Polizei schließt derzeit nicht aus, dass er noch mit einer Schusswaffe bewaffnet ist", so der Sprecher.

Indes versucht in der 50.000-Einwohnerstadt eine sogenannte Besondere Aufbauorganisation (BAO) der Polizei das Motiv der Bluttat aufzuklären, offiziell halten sich die Ermittler zu den möglichen Hintergründen bedeckt.

Nach Recherchen des Hessischen Rundfunks kannten sich Izzettin Y. und sein 39 Jahre altes Opfer. Die beiden Männer sollen dem Bericht zufolge ein und derselben kurdischstämmigen Großfamilie aus der Türkei angehören, die aus politischen Gründen zerstritten sei.

Die Familienfehde sei bereits 2017 im Osten der Türkei eskaliert. Drei Familienangehörige, Anhänger der prokurdischen Partei HDP, seien seinerzeit in einem Wahllokal erschossen worden (Bericht bei Euronews). Die mutmaßlichen Täter sollen der türkischen Regierungspartei AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan nahestehen. Einer von ihnen soll der nun in Wetzlar getötete 39-Jährige gewesen sein. Die tödlichen Schüsse vom Sonntagabend sind demnach aus Rache gefallen. Ähnliches berichtet auch die Frankfurt-Ausgabe der "Bild"-Zeitung"

Ein Polizeisprecher bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, dass ein solcher Zusammenhang von der eigens eingesetzten BAO geprüft werde.

Quellen: Polizeipräsidium Mittelhessen I, Polizeipräsidium Mittelhessen IIPolizeipräsidium Mittelhessen III, Hessischer Rundfunk, Euronews, "Bild"-Zeitung, Nachrichtenagentur AFP

+++ Lesen Sie hier im stern: "Europaweite Fahndung – Verdacht auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern: Polizei sucht nach Eric J." +++

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