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Kokain-Schmuggel Wie eine Ibiza-Kellnerin zum Drogenkurier wurde und in einem Rattenloch in Peru landete

Michaella Mccollum (l) und Melissa Reid bei ihrer Verhaftung.
Michaella Mccollum (l) und Melissa Reid bei ihrer Verhaftung.
© Police Handout / Commons
Michaella McCollum war hübsch, jung und sehr dumm. Die naive Kellnerin ließ sich als Maultier für den Drogenschmuggel anwerben und wurde prompt gefasst. Nun veröffentlicht sie ein Buch mit ihren Erlebnissen.

Michaella Mccollum erlangte 2013 kurzzeitig Weltruhm. Die naive Britin wurde mit ihrer Freundin Melissa Reid erwischt, als sie elf Kilogramm Kokain aus Peru schmuggeln wollte. Nun fragt sie sich in ihrem Buch "You'll Never See Daylight Again": "Wie konnte ich, eine 20-jährige Frau aus einer Marktgemeinde in Nordirland, in einer schmutzigen Zelle in den Bergen bei Lima landen?"

Michaella Mccollum gibt niemand anders die Schuld als sich selbst. Sie gibt unumwunden zu, Kokain im Wert von etwa 1,5 Millionen Pfund geschmuggelt zu haben. Ihre Geschichte begann im Sommer 2013. Die junge Frau wollte unbedingt ihre Heimatgemeinde in Nordirland verlassen. Weg aus dem Regen, weg von einer Familie ohne Vater, weg von einem Ex-Freund, der sie missbraucht hatte, und überhaupt weg von der Atmosphäre der Gewalt, die immer noch über Nordirland lag.

Partys und Drogen

Sie wollte dorthin, wo alles ganz anders war als daheim: Sie wollte auf die sonnige Party-Insel Ibiza. Sie war hübsch und jung und fand sofort einen Job als Kellnerin. In der Partyszene waren Drogen ganz normal, schreibt sie. Die Gäste bestellten nicht nur Drinks bei ihr, sondern auch Kokain oder Ecstasy. Die Männer an der Bar lieferten beides, "als wäre es das Normalste auf der Welt." Genauso selbstverständlich wurden die Drogen in den Umsatz und die Provisionen der Kellnerinnen einbezogen. "Je mehr Pulver und Pillen wir verkauften, desto höher waren unsere Löhne." Innerhalb kurzer Zeit nahm sie die Drogen auch selbst.

Keine zufällige Begegnung

Das naive Mädchen war das ideale Opfer. Es dauert nicht lange, und ein strahlender Typ auf einem Motorrad suchte ihre Nähe. Er nannte sich Davey und obwohl ihre einheimischen Freunde sie warnten, ließ sie sich mit ihm ein. Davey fragte sie schnell, ob sie Lust hätte, einen "Run" zu machen - auf das Festland zu gehen und Drogen mitzubringen. Zuerst lehnte sie ab, aber dann war die Party-Saison zu Ende und Michaella wollte alles, aber nur nicht nach Nordirland zurückkehren. Also war sie doch bereit, für Davey ein Paket in Barcelona abzuholen. "Ich dachte nicht lange über meine Antwort nach. Das muss seltsam erscheinen, dass ich so etwas überhaupt in Betracht gezogen habe, aber Drogen waren ein normaler Teil des täglichen Lebens, und ich hielt sie kaum für illegal."

Kokain-Schmuggel: Wie eine Ibiza-Kellnerin zum Drogenkurier wurde und in einem Rattenloch in Peru landete

Was ihr wie damals eine spontane Begegnung vorkam, war in Wirklichkeit komplett durchgeplant. Sie war nur eines von vielen Mädchen, die sich einwickeln ließen, um als "Mule" – Maultier – Drogen aus Südamerika zu holen. Ständig mussten neue Mädchen rekrutiert werden, denn in dem Geschäft ist der Verlust von Maultieren einkalkuliert. Kurz bevor sie nach Barcelona wollte, wurde sie Kolumbianer namens Mateo vorgestellt. "Du gehst nicht mehr nach Barcelona. Du fährst nach Peru", sagte er ihr. Michaella Mccollum interessierte das nicht, schreibt sie heute, denn sie habe gar nicht gewusst, wo Peru war. "Keine Ahnung. Ich dachte, es wäre eine andere spanische Stadt."

Waffenlager im Schlafzimmer

Auf Mallorca sollte sie ein weiteres Mädchen treffen, Melissa Reid. Angeblich sollte das Ganze ohne jedes Risiko sein, denn die Beamten beim Zoll seien bestochen, sagte Mateo. Dafür sollte sie 5000 Pfund bekommen, für sie eine ungeheure Summe. Die Tage vor dem Abflug verbrachten die beiden Mädchen in der Wohnung eines Bekannten von Mateo, der auf sie aufpassen sollte. Als sie dort Waffen im Kleiderschrank fanden, bekam Michaella Mccollum zum ersten Mal eine Ahnung davon, worauf sie sich eingelassen hatte. "In unseren kühnsten Träumen hätte sich keiner von uns vorstellen können, hier zu landen, in einem Haus, in dem die Menschen Waffen in ihren Kleiderschränken aufbewahrten. Es war schrecklich, aber ich sah keinen Ausweg. Ich musste mit dem Plan weitermachen."

Nach fünf oder sechs Stunden im Flugzeug wurde sie nervös, allmählich wurde ihr klar, dass sie nicht in eine Stadt nach Spanien fliegen würde. In Peru mussten die beiden ein komplettes Touristenprogramm absolvieren und per Kamera dokumentieren. Im Hotel bekamen sie das Kokain. Es war viel mehr, als beide dachten, und auch mehr, als in ihre kleinen Taschen passte.

"Jetzt, als ich den Umfang der Sache sehen konnte, war ich überzeugt, dass wir im Begriff waren, gefickt zu werden. Daveys kolumbianischer Freund mochte ein paar Wachen dafür bezahlt haben, ein Auge zuzumachen, aber man müsste den ganzen Flughafen bestechen, um diesen Haufen durchzubringen."

Polizei wartete schon

Trotzdem machten sie weiter. Als die Koffer bei der Abfertigung ohne Beanstandung auf dem Laufband verschwanden, dachte Michaella, sie hätten es geschafft. Nicht einmal der Drogenhund am Laufband schlug an. "Irgendwie, auf wundersame Weise, waren wir durchgekommen", dachte sie. Aber da war Melissa Reid schon nicht mehr neben ihr. Sechs schwer bewaffnete Beamte verhafteten die Mädchen.

Das war am 6. August 2013 – der ganze Ausflug von Michaella McCollum raus aus der Enge und dem Nebel von Nordirland hatte keine zwei Monate gedauert. Im Dezember 2013 wurde sie zu sechs Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Im März 2016 wurde sie entlassen, kurz darauf durfte sie nach Großbritannien ausreisen.

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