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Wikileaks-Chef Assange ist frei: "Es ist toll, wieder die frische Luft von London zu riechen"

Nach tagelangem juristischen Gezerre ist Wikileaks-Chef Julian Assange am Donnerstag gegen Kaution aus der britischen Haft entlassen worden. Ein Londoner Gericht hatte zuvor eine Beschwerde Schwedens gegen die Freilassung abgelehnt.

Gut eine Woche nach seiner Festnahme ist der Gründer der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, nach Zahlung einer Kaution wieder auf freiem Fuß. Vor dem High Court in London kündigte Assange am Donnerstag an, weiter für seine Unschuld zu kämpfen. Das Gericht hatte zuvor einen Einspruch Schwedens gegen die vorläufige Haftentlassung zurückgewiesen, weil keine Fluchtgefahr bestehe.

"Ich hoffe, meine Arbeit fortsetzen und meine Unschuld beweisen zu können", sagte Assange vor Journalisten nach seiner Freilassung. "Es ist toll, wieder die frische Luft von London zu riechen." Der High Court hatte die vorläufige Haftentlassung gegen eine Barkaution von 200.000 Pfund (rund 235.000 Euro) sowie Sicherheitszahlungen von weiteren 40.000 Pfund genehmigt und damit eine Entscheidung vom Dienstag bestätigt. Zu den Auflagen gehört, dass Assange eine elektronische Fußfessel tragen muss und sich nur auf dem Landsitz eines mit Wikileaks in Verbindung stehenden Medienclubs im Osten Englands aufhalten darf. Der Australier muss sich dort auch regelmäßig bei der Polizei melden.

Assange befürchtet spätere Auslieferung an die USA

Schweden fordert die Auslieferung Assanges wegen Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfen. Die Anwälte des 39-Jährigen halten die Vorwürfe der schwedischen Justiz gegen ihren Mandanten jedoch für politisch motiviert. Assange befürchtet bei einer Überstellung an Schweden eine spätere Auslieferung an die USA, wo ihm ein Prozess wegen der Veröffentlichung von Geheimdepeschen der US-Diplomatie drohen könnte. Ob Assange an Schweden ausgeliefert wird, dürfte erst in einigen Wochen oder gar Monaten entschieden werden. Die britische Justiz will am 11. Januar einen Termin festsetzen.

Schweden hatte einen internationalen Haftbefehl gegen Assange erwirkt, in der vergangenen Woche stellte sich der Australier den britischen Behörden. Während Assange in einer Einzelzelle im Wandsworth-Gefängnis bei London saß, veröffentlichte Wikileaks täglich neue US-Diplomatendepeschen. Zuvor hatte Wikileaks bereits mit der Veröffentlichung von US-Geheimdokumenten zu den Militäreinsätzen in Afghanistan und dem Irak den Groll der US-Regierung auf sich gezogen.

Assange-Anhänger feiern vor dem Gerichtsgebäude

Eine kleine Gruppe von Assange-Anhängern reagierte vor dem Gerichtsgebäude in London erleichtert auf die Entscheidung zur Haftentlassung. "Die Veröffentlichung von Kriegsverbrechen ist kein Verbrechen", riefen die in strömendem Regen ausharrenden Unterstützer. Auch Assanges Mutter Christine, die die eineinhalbstündige Verhandlung im Gerichtssaal verfolgt hatte, zeigte sich glücklich. "Ich bin dankbar für all die Unterstützung", sagte sie. Nach Angaben von Assanges Anwalt Mark Stephens hatten bekannte Persönlichkeiten wie der US-Filmemacher Michael Moore und die Ex-Frau von Rolling Stone Mick Jagger, Bianca Jagger, zu der Kaution beigetragen.

zen/AFP / AFP