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Winnenden-Prozess: Opfer fordern "klare Entschuldigung" von Tims Vater

Vor anderthalb Jahren erschoss Tim K. 15 Menschen an der Albertville-Realschule in Winnenden. Am Donnerstag beginnt der Prozess gegen seinen Vater. Die Angehörigen der Opfer wollen kein Geld, sie wollen wissen, "was in der Familie los war". Und eine Entschuldigung des Vaters.

Die Hinterbliebenen der Opfer von Winnenden erwarten vom Vater des Amokläufers Tim K. "eine klare Entschuldigung". Das sagte Rechtsanwalt Jens Rabe, der die Familien von fünf getöteten Schülerinnen vertritt, im Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern. An dem Tag beginnt am Landgericht in Stuttgarter der Prozess gegen den Vater des 17-jährigen Täters. Jörg K., 51, wird beschuldigt, die spätere Tatwaffe, eine Beretta, unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt zu haben.

Die Angehörigen der Opfer hofften zusätzlich auf eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung, um damit die Dimension des väterlichen Versagens zu unterstreichen, sagte Rabe dem stern. Es komme ihnen ausdrücklich nicht auf eine bestimmte Höhe der Strafe an, betont Rabe, sie hegten keine Rachegefühle. "Sie erwarten jedoch ein klares Bekenntnis zu seinem Fehler", ebenso Erkenntnisse, "was in dieser Familie los war". Es gebe eine Reihe von offenen Fragen, "zum Beispiel, in welchem psychischen Zustand sich der Amokschütze in den Monaten davor befand und ob der Vater davon wusste", so Rabe.

Schmerzensgeld spiele für die Eltern der Todesopfer, die er vertritt, keine Rolle, sagte der Anwalt. "Sie sagten mir klipp und klar: Wir wollen kein Geld von denen, es macht unsere Kinder nicht lebendig."

Im stern kommt erstmals auch Gabriele Z. zu Wort, die Tim K. viereinhalb Jahre lang Nachhilfe gab. "Wir sollten nicht nur über Waffengesetze reden, sondern auch darüber, wie wir miteinander umgehen", sagt die 56 Jahre alte Pädagogin. Tim habe sich im Gespräch mit ihr mehrmals explizit über Mitschülerinnen beklagt, die ihn wegen seiner Kleidung hänseln würden, zuletzt Ende 2007. Er habe sich sichtlich darüber geärgert. Die Lehrerin schlug vor, dass er mit seiner Mutter darüber spricht. Tim K. habe das aber kategorisch abgelehnt. Ebenso, seinen Kleidungsstil zu ändern. "Er sagte: 'Ich bin, wie ich bin.'"

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