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Wirbelsturm: Amerikaner fliehen vor "Sandy"

Die Lage an der Ostküste der USA spitzt sich zu. Hunderte Flüge wurden abgesagt, in New York wird der Nahverkehr eingestellt. Amerikaner fliehen in Notunterkünfte.

Wegen des nahenden Hurrikans "Sandy" sind in New York vorsorglich hunderte Flüge abgesagt worden. Die Behörden der US-Metropole ordneten am Sonntag zudem an, dass ab dem Abend vorerst keine U-Bahnen, Busse und Regionalzüge mehr fahren dürfen. "Sandy" soll voraussichtlich in der Nacht zum Montag auf die US-Ostküste treffen. Der Hurrikan hat in den vergangenen Tagen auf seinem Weg durch die Karibik fast 60 Menschen getötet.

Das Fahrverbot für den öffentlichen Nahverkehr in New York gelte ab 19.00 Uhr Ortszeit (24.00 Uhr MEZ), verfügte Gouverneur Andrew Cuomo. Der Sturm dürfe "nicht auf die leichte Schulter genommen werden".

Auch im Flugverkehr müssen sich Reisende auf erhebliche Behinderungen einstellen. Vor allem für Montag wurden in New York und auch für Washington hunderte Flüge abgesagt. Darunter sind auch Transatlantik-Verbindungen. Am Sonntag sollte der Flughafen von New York nach Angaben der Behörden vorerst geöffnet bleiben. Allerdings müsse mit kurzfristigen Einschränkungen gerechnet werden.

Ein historisch eingestufter Wirbelsturm

Der von den Amerikanern als "Monstersturm" gefürchtete Hurrikan "Sandy" bedroht nicht nur die Bevölkerung, er wirbelt auch den Wahlkampf von Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney durcheinander. Obama verzichtet auf Kundgebungen in Virginia und Colorado und kündigte an, sich in der Hauptstadt dem Krisenmanagement zu widmen. Auch Romney sagte zehn Tage vor der Wahl einen Auftritt in dem von "Sandy" bedrohten Virginia ab. Ab Montagabend könnte der Sturm dem gesamten östlichen Drittel der USA Starkregen und Schnee bringen sowie Überschwemmungen und Stromausfälle auslösen.

Der schon jetzt wegen seiner enormen Ausbreitung als historisch eingestufte Wirbelsturm nahm nach seinem desaströsen Zug durch die Karibik Kurs auf die Ostküste - einer der am dichtesten besiedelten Regionen der USA. Die Behörden forderten die Bevölkerung auf, sich mit Lebensmittelvorräten, Trinkwasser und Batterien einzudecken. Mehrere Bundesstaaten riefen den Notstand aus.

Hochbetrieb in den Wahllokalen

"Der Präsident wird regelmäßig über den Sturm und die Vorbereitungen informiert", teilte das Präsidialamt mit. Obama sagte eine für Montag geplante Kundgebung in Virginia ab, zu der auch sein Vor-Vorgänger und populärer Parteifreund Bill Clinton erwartet wurde. In den USA wird am 6. November abgestimmt, doch viele Wähler nutzen die Möglichkeit zur vorzeitigen Stimmabgabe. In Maryland und Virginia herrschte in den Wahllokalen Hochbetrieb, weil die Bürger noch vor drohenden Stromausfällen für ihren Kandidaten votieren wollten.

Mit den Absagen in Virginia und Colorado Anfang der Woche muss Obama auf Kundgebungen in zwei Bundesstaaten verzichten, die wegen ihrer hohen Anzahl an Wechselwählern als besonders wichtig für das knappe Rennen ums Weiße Haus gelten. Allerdings versucht er damit auch Kritik zu vermeiden, dass er seiner Wiederwahl eine höhere Bedeutung zumesse als dem Schutz der Bevölkerung vor dem Sturm. Dem ehemaligen republikanischen US-Präsidenten George W. Bush hatte 2005 dessen von vielen Amerikanern als unzureichend empfundene Krisenmanagement beim Wirbelsturm "Katrina" heftige Kritik eingebracht.

"Sandy" noch gefährlicher als "Irene"

Obamas republikanischer Herausforderer Romney sagte eine für Sonntag geplante Wahlkampfveranstaltung in Virginia ab, wo dann erste Auswirkungen von "Sandy" erwartet wurden. Im Verlauf des Tages befand sich der gefürchtete Sturm rund 420 Kilometer süd-südöstlich von Cape Hatteras in North Carolina und erreichte Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde. Die Wetterdienste sagten voraus, dass "Sandy" sich zunächst parallel zur US-Küste nordwärts bewegen und dann scharf nach Westen in Richtung Festland abdrehen werde. Montagnacht dürfte "Sandy" zwischen Delaware und New York die US-Küste erreichen, doch die Meteorologen sind sich über den genauen Ort nicht einig.

Viele Experten warnen jedoch einmütig, dass "Sandy" deutlich größere Schäden anrichten könnte als "Irene" im vergangenen Jahr. Dieser Sturm hatte im Nordosten der USA bereits für Milliardenschäden gesorgt. "Sandy" fielen in der Karibik mindestens 66 Menschen zum Opfer. Der Sturm ist nicht so sehr wegen seiner Windgeschwindigkeit gefürchtet, sondern wegen seiner enormen Fläche und seines besonderen Charakters: Er ist eine Mischung aus Wintersturm mit arktischer Kaltluft und einem typischen Tropensturm. Aus dieser Kombination, so fürchten Experten, könnte ein besonders schwerer Sturm mit katastrophalen Folgen entstehen. Wegen dieses Ausmaßes und der zeitlichen Nähe zu Halloween am Mittwoch wird "Sandy" in den USA auch "Monstersturm" genannt.

Auch der Flugverkehr beeinträchtigt

In New York erwogen die Behörden, den öffentlichen Nahverkehr einzustellen. Sie fürchten wegen starker Winde und Überschwemmungen zu hohe Risiken für den Bus- und U-Bahnbetrieb. Die New Yorker Börsen feilten an Notfallplänen, um den Handel aufrechterhalten zu können. Auch der Flugverkehr dürfte durch "Sandy" beeinträchtigt werden. Am Sonntag hielt zudem eine Tsunami-Warnung für den Bundessstaat Hawaii die USA in Atem, die nach einem schweren Beben vor der Pazifikküste Kanadas ausgegeben wurde.

ins/AFP/Reuters / Reuters