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Ermittlungen in Wismar: Neonazis sollen 17 Mal auf Linken-Politiker eingestochen haben

Drei Neonazis sollen den Linken-Politiker Julian Kinzel niedergeschlagen, ihn als "schwule Kommunistensau" beschimpft und 17 Mal mit einem Messer auf ihn eingestochen haben. Doch in dem Fall gibt es Ungereimtheiten.

Einer der Angreifer auf den Linken-Politiker Julian Kinzel soll ein Kleidungsstück von Thor-Steinar getragen haben.

Die Modemarke Thor-Steinar ist unter Neonazi sehr beliebt: Einer der Angreifer auf den Linken-Politiker Julian Kinzel soll ein Kleidungsstück von Thor-Steinar getragen haben.

In Wismar soll es am Montag eine Messerattacke auf den Linken-Politiker Julian Kinzel gegeben haben. Wie es in einer Pressemitteilung der Partei heißt, soll der 18-Jährige in der Nähe des Bahnhofs von drei Männern angegriffen worden sein. "Die drei Täter schlugen ihn nieder und stachen, nach Aussage der behandelnden Ärzte, mit einem Messer etwa 17 mal auf ihr Opfer ein", erklärt der Kreisvorsitzende der Linken Peter Brill in der Mitteilung. Dabei sollen die Angreifer Kinzel als "schwule Kommunistensau" beschimpft haben. 

Außerdem soll einer der mutmaßlichen Täter nach Ausführungen der Linken typische Bekleidung der rechten Szene getragen haben. Dies und die verbalen Äußerungen der Angreifer ließen die Schlussfolgerung zu, dass "es sich um eine rechtsextremistisch motivierte Straftat handelt", so Bill. 

Julian Kinzel sagt Neonazis den Kampf an

Peter Brill, Kreisvorsitzender der Schweriner Linken und der Schweriner Bundestagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Linken im Deutschen Bundestag, Dietmar Bartsch, verurteilten die Tat scharf. "Wir fordern den Staatsschutz auf, die Ermittlungen schnell voranzutreiben und erwarten, dass die Täter schnellstmöglich ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden", lassen sie verlautbaren.

Kinzel, der Mitglied des Schweriner Kreisvorstandes ist, soll das Krankenhaus bereits verlassen haben. Der Nachwuchspolitiker erklärt in der Pressemitteilung: "Wir dürfen auf solche Attacken nicht mit Radikalisierung antworten. Unsere Antwort auf Hass muss Liebe, auf Dummheit Vernunft und auf Gewalt Solidarität sein."

Polizei kann Julian Kinzel nicht erreichen

Auf Anfrage des stern bestätigt das Polizeipräsidium Rostock, dass tatsächlich eine Anzeige von Kinzel eingegangen ist. Doch konnte die Polizei weder den Tatort untersuchen, noch Zeugen vernehmen oder Spuren sichern. Denn die Anzeige wurde erst am Dienstag, einen Tag nach dem vermeintlichen Angriff, über das Internetportal der Polizei erstattet. "Wir wurden auch nicht vom Krankenhaus informiert, wie es die Vorschriften verlangen, wenn jemand mit 17 Stichverletzungen eingeliefert wird", sagt eine Polizeisprecherin dem stern. "Dass Herr Kinzel bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden sein soll, sagt vermutlich auch einiges über den Grad der möglichen Verletzungen aus", so die Sprecherin.

Der lägen außerdem bislang keine Beweisstücke vor, wie etwa die Jacke des mutmaßlichen Opfers. Einen Kontakt zu Kinzel herzustellen, sei den Beamten bislang ebenfalls nicht gelungen. Auch gegenüber dem stern war Julian Kinzel zu einer Stellungnahme nicht bereit.