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Anzeige wegen Mordverdachts: Nahm sich Kampusch-Entführer Priklopil doch nicht das Leben?

Die Entführung von Natascha Kampusch löste weltweites Entsetzen aus. Der Täter, Wolfgang Priklopil, soll sich damals das Leben genommen haben. Ein Bruder des früheren Chefermittlers will das aber nicht glauben und stellte nun Anzeige wegen Mordverdachts.

Natascha Kampusch war 1998 als Zehnjährige entführt und mehr als acht Jahre lang in einem Keller in Wolfgang Priklopils Haus gefangen gehalten worden. 

Natascha Kampusch war 1998 als Zehnjährige entführt und mehr als acht Jahre lang in einem Keller in Wolfgang Priklopils Haus gefangen gehalten worden. 

Am 2. März 1998 soll Wolfgang Priklopil in der Wiener Donaustadt die damals zehnjährige entführt und anschließend mehr als acht Jahre lang in einem Verlies festgehalten haben. Der Fall löste weltweites Entsetzen und ein riesiges Medienecho aus, nachdem es Kampusch im August 2006 gelungen war, aus dem Haus ihres Peinigers zu flüchten.

Die schrieb Priklopil damals umgehend zur Fahndung aus. Noch am selben Abend wurde zunächst das Auto des Entführers, später auch seine Leiche in einem Gleisbett gefunden. Offenbar war Priklopil von einem Zug überrollt worden, die Beamten gingen damals von einem Suizid aus.

Nun jedoch will die Staatsanwaltschaft Wien den Fall und die Suizid-Theorie neu prüfen, wie "Spiegel Online" berichtet. Anlass ist dem Bericht zufolge eine Strafanzeige gegen unbekannt wegen Mordverdachts. Erstattet hat sie Karl Kröll, Bruder des früheren und inzwischen verstorbenen Chefermittlers im Fall Kampusch, Franz Kröll.

Bruder von Ex-Chefermittler glaubt nicht an Suizid

Kröll hegt demnach starke Zweifel daran, dass sich Priklopil tatsächlich das Leben nahm. Gegen eine Selbsttötung sprächen unter anderem die Verletzungen, die im Zuge der Ermittlungen am Leichnam des Entführers festgestellt wurden. Anhänger der Mord-These gehen davon aus, dass er schon tot war. Unterstützung erhält Kröll laut "Spiegel Online" von Johann Rzeszut, Ex-Präsident des Obersten Gerichtshofs in und Mitglied einer damals eingerichteten Evaluierungskommission, die mögliche Ermittlungspannen aufdecken sollte. In den Augen beider Männer wurde beispielsweise die Beschaffenheit der Vorderfront des Zuges nicht ausreichend in den Ermittlungen berücksichtigt. So sei unter anderem nicht der Frage nachgegangen worden, "ob die Verletzungen des toten Priklopil überhaupt durch den Kontakt mit der Triebwagenvorderfront verursacht worden sein konnten", wird Rzeszut zitiert.

Umstände der Kampusch-Entführung weiter umstritten

Ein Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft Wien bestätigte demnach, dass die "inhaltlichen Argumente" der Strafanzeige derzeit geprüft würden. Angesichts des immensen Aktenmaterials sei mit schnellen Ergebnissen jedoch nicht zu rechnen. Auch, weil die "damals Zuständigen mit der entsprechenden Sachkenntnis" inzwischen an anderen Stellen tätig seien, heißt es in dem Bericht.

Schon in früheren Jahren war teilweise massive Kritik an den Ermittlungen der zuständigen Sicherheitsbehörden laut geworden. Noch heute sind die Umstände der umstritten. Insbesondere die Frage, ob es neben Priklopil weitere Mittäter gab, sehen viele nicht abschließend geklärt. Die Polizei hatte in ihrem Endbericht vom April 2013 indes keinen Zweifel daran, dass sich der Entführer selbst das Leben nahm.

mod