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Vermögendes Unternehmerpaar: Wollten sie ihm den Geldhahn zudrehen? Enkel erdrosselte seine Großeltern - jetzt erging das Urteil

Sie verwöhnten ihn - und wurden doch seine Opfer: In Wuppertal ist ein 26-Jähriger für den gewaltsamen Tod seiner eigenen Großeltern verurteilt worden. Während der Enkel eine lebenslange Haftstrafe erhielt, wurde ein Mitangeklagter freigesprochen.

Wupprtal - Prozess - Totschlag - Großeltern - Springmann

Der Angeklagte Enkel der Mordopfer (M.) steht vor Beginn des Prozesses zwischen seinen Anwälten im Landgericht Wuppertal

DPA

Als ihm sein Großvater drohte, den Geldhahn zuzudrehen, schlug er zu: Das Wuppertaler Landgericht hat einen 26-Jährigen für den gewaltsamen Tod seiner vermögenden Großeltern schuldig gesprochen und ihn  zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Demnach werteten die Richter den Tod der Großmutter als Mord, den des Großvaters als Totschlag. Zudem stellten sie die besondere Schwere der Schuld des Enkels fest. Ein mitangeklagter Geschäftspartner des Mannes wurde dagegen überraschend freigesprochen. Beide nahmen das Urteil regungslos hin, während die Mutter des 26-Jährigen in Tränen ausbrach und rief: "Das können sie nicht machen." Die Verteidiger hatten Freisprüche für beide Angeklagte beantragt.

Der Enkel hatte Enno, 91, und Christa, 88, Springmann demnach am 19. März 2017 in ihrer Wuppertaler Villa niedergeschlagen und erdrosselt. Die hochbetagten und angesehenen Kunstmäzene hatten es mit einem Maschinenbau-Unternehmen zu einem Vermögen in zweistelliger Millionenhöhe gebracht. Der Täter sei ein Mensch, dem die Opfer "eigentlich nur Gutes getan haben", sagte der Vorsitzende Richter Robert Bertling am Dienstag. Ein solches Verfahren habe er in seinen 40 Richterjahren noch nicht erlebt.

Täter verprasste 600.000 Euro in nur einem Jahr

Der 26-Jährige hatte den Großeltern demnach vorgegaukelt, fleißig zu studieren, stattdessen aber ihre großzügigen Zuwendungen verprasst, vorzugsweise für teure Autos. Zuletzt waren es 600.000 Euro in einem Jahr, die der Enkel auf den Kopf gehauen hatte. Er "prahlte gern, glaubte etwas besonderes zu sein, definierte sich über Markenklamotten und später über sehr teure Autos", schilderte der Richter. Der 26-Jährige "hinterging seine Großeltern über Jahre".

Doch dann war der Großvater ihm auf die Schliche gekommen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass der 91-Jährige dem 26-Jährigen Konsequenzen angekündigt habe - nämlich den Geldhahn zuzudrehen. Aus Wut und Kränkung habe der Enkel in diesem Moment dem betagten Mann einen schweren Gegenstand auf den Kopf geschlagen - in Tötungsabsicht - und ihn erdrosselt. "Wir nehmen Totschlag an, weil er direkt töten wollte. Es war kein geplanter Mord", sagte der Richter.

Die Großmutter habe sterben müssen, damit sie ihren Enkel nicht wegen der Tötung des Großvaters belastet. Der Enkel "schlug ihr ein Mal wuchtig gegen die Stirn. Als er merkte, dass sie noch lebte, erdrosselte er auch sie."

Enkel täuschte Raubüberfall in Wuppertaler Villa vor

Um einen Raubüberfall vorzutäuschen, habe der Enkel nach dem Verbrechen die Villa verwüstet. Doch die wochenlange Spurensuche trug Früchte: Am Tatort im Schlafzimmer des Großvaters wurden DNA-Spuren des mitangeklagten Geschäftspartners an einem Kissen entdeckt - und im Auto des Enkels Blutspuren der Großmutter.

Der Geschäftspartner des Enkels habe zwar Spuren am Tatort hinterlassen, möglicherweise aber nur beim Beseitigen der Tatwaffe geholfen, als die Eheleute bereits tot waren, sagte Bertling. Es ist die günstigste Version für den 45-Jährigen, der damit, wenn das Urteil rechtskräftig wird, sogar Anspruch auf Entschädigung hat.

mod / DPA
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