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Held von Knoxville: 15-Jähriger wirft sich im Kugelhagel vor Freunde und stirbt

Der 15-jährige Zaevion Dobson gerät mit seinen Freunden unfreiwillig zwischen die Fronten eines Bandenkrieges. Im Kugelhagel wirft sich Dobson vor drei Mädchen und rettet so ihre Leben - allerdings zahlt er mit seinem eigenen.

Es ist später Abend in Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee. Mehrere junge Männer - einer davon der 15-jährige Zaevion Dobson - sprechen auf einer Veranda mit drei jungen Frauen als sich mindestens zwei Bewaffnete dem Haus nähern. Ohne Vorwarnung eröffnen sie das Feuer. Dobson, so werden es die Überlebenden später zu Protokoll geben, wirft sich auf die drei Frauen, nutzt seinen Körper als Schutzschild - und rettet ihnen das Leben. Allerdings zahlt er dafür mit seinem eigenen. Eine Kugel trifft Dobson am Kopf. Er stirbt in den armen seines älteren Bruders Zack. "Ich hob ihn auf, hielt in in meinem Armen und schüttelte ihn", zitiert "CBS News". Immer wieder habe er ihn angeschrien, dass er aufwachen soll. Auch die "New York Times" und die "Washington Post" berichteten über den Fall, der sich in der Nacht zum Freitag abspielte.

Demnach befand sich Dobson auf dem Weg zurück von einer Basketball-Partie. Polizeiangaben zufolge wollte er mit ein paar Freunden in einem Appartement-Block Video-Spiele spielen. Unterwegs hätten sie dann die Mädchen auf der Veranda gesehen und sich dazugesellt. Ein reines Zufallsopfer also. Schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort. "Warum sollte man ohne Grund auf zufällige Passanten schießen?", fragt der überlebende Bruder bei "CBS News". "Wir saßen da nur herum und haben gechillt."

Den mutmaßlich zwei Schützen soll es um einen Racheakt gegen einen der Bewohner des Hauses gegangen sein. Kurz zuvor war das Haus des einen Angreifers beschossen, seine Mutter verletzt worden. Dieser 23-Jährige wiederum wurde zwei Stunden nach der Tat in seinem Auto angeschossen, krachte in ein Gebäude und starb wenig später. Die Polizei geht davon aus, dass er bei der ersten Attacke bereits das eigentliche Ziel war und die Angreifer ihn später fanden und töteten. Insgesamt kam es also zu mindestens drei zusammenhängenden Schießereien in der Nacht bei der zweiten und dritten starb jeweils ein Mensch.

Präsident Obama twittert ihn zum Helden

Doch mit dieser Gewaltspirale soll der junge Zaevion Dobson der Polizei zufolge nichts zu tun gehabt haben. Präsident Barack Obama würdigte Dobson am Sonntag mit einem Tweet. Darin nannte er ihn einen Helden und prangerte erneut die laschen Waffengesetze in den USA an. "Was ist unsere Ausrede, nicht zu handeln?", fragt er.


Auch die geretteten Mädchen, vor die der Junge sich geworfen hatte, brachten ihre Dankbarkeit zum Ausdruck. "Ohne Zaevion wären ich oder sie (ihre Freundin, Anm. d. Red.) wahrscheinlich erschossen worden", wird sie bei "CBS News" zitiert. 

Dobson wuchs in einer Gegend Knoxvilles mit hoher Kriminalität auf, stand Medienberichten zufolge aber vor einer vielversprechenden Karriere als Football-Spieler. "Ein großartiger Junge und ein Kerl, der allem Anschein nach härter arbeitete als andere und die richtigen Entscheidungen traf", zitiert "CBS News" seinen Football-Coach. Einen Tag nach Weihnachten soll er beerdigt werden. Die Polizei fahndet immer noch nach weiteren Beteiligten der Tat.

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