VG-Wort Pixel

Zeuge über No Angel Nadja Benaissa "Du hast mir so viel Leid zugetragen!"


Er sprach die Angeklagte direkt an: Im Prozess gegen Nadja Benaissa hat ein mutmaßlich von ihr mit HIV Infizierter der No-Angels-Sängerin Vorwürfe gemacht. Auch ihr Management griff der 34-Jährige an.

Die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa hat gestanden, trotz einer HIV-Infektion ungeschützten Geschlechtsverkehr mit unwissenden Partnern gehabt zu haben. "Es tut mir von Herzen leid", sagte die 28-Jährige am Montag zum Prozessauftakt in Darmstadt. "Ich habe keineswegs gewollt, dass mein Partner infiziert wird." Der Betroffene machte ihr bei seiner Zeugenaussage dennoch schwere Vorwürfe.

Benaissa muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung sowie wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die Sängerin soll in insgesamt fünf Fällen mit drei Männern ungeschützten Sex gehabt haben, einer von ihnen wurde 2004 mutmaßlich von ihr mit der Immunschwächekrankheit infiziert. Er erstattete im Jahr 2008 Strafanzeige und nimmt als Nebenkläger am Prozess teil.

"Es geht mir nicht ums Geld"

Der Künstlerbetreuer aus Frankfurt am Main wandte sich als Zeuge direkt an die Angeklagte: "Du hast mir so viel Leid zugetragen!", warf er ihr vor. Die beiden hatten nach seinen Angaben 2004 eine etwa drei Monate dauernde Beziehung, nachdem sie sich bei Studioaufnahmen in Frankfurt-Höchst kennengelernt hatten. Er sagte, sie hätten fünf bis sieben Mal miteinander geschlafen, davon zwei oder drei Mal ohne Kondom. Danach habe Nadja bei der MTV-Sendung "Dismissed" in der Dominikanischen Republik einen neuen Mann kennengelernt und mit ihm mehrmals ungeschützt am Strand Sex gehabt.

Die Tante der Sängerin habe ihn im Februar 2007 gefragt, ob er nicht gewusst habe, dass Nadja HIV-positiv sei, berichtete der 34-Jährige. Daraufhin habe er einen Test gemacht. Er habe ein Jahr gebraucht, um mit der Diagnose HIV-positiv klarzukommen. Sein Arzt habe ihm gesagt, Aids könne jederzeit ausbrechen. "Ich bin in meiner Lebensqualität komplett eingeschränkt", sagte der Zeuge. So könne er nicht in ferne Länder reisen. Sein Einkommen habe sich halbiert.

"Es geht mir nicht ums Geld", betonte der Nebenkläger. Das Management der No Angels habe versucht, ihn zum Schweigen zu bringen. Er habe Benaissa angeboten, sie solle sich öffentlich zur HIV-Infektion bekennen und der Aids-Hilfe 100.000 Euro spenden. Dann hätte er sie nicht angezeigt. Kurz zuvor hatte die Sängerin aber eine Eidesstattliche Versicherung über ihre Zahlungsunfähigkeit abgegeben.

Kritik an den Behörden

Benaissa hatte zuvor eingeräumt, dass sie seit 1999 von ihrer HIV-Infektion wusste. Ihr Verteidiger verlas kurz nach Eröffnung des Prozesses eine Erklärung der Angeklagten. Das Verfahren habe ihr vor Augen geführt, dass ihr Umgang mit der Krankheit falsch gewesen sei, bekannte die Sängerin. Sie könne sich nicht an alle Einzelheiten ihres Intimlebens in den vergangenen zehn Jahren erinnern. Es sei aber möglich, dass die Anklagevorwürfe zuträfen.

Die Angeklagte war am 11. April 2009 vor einem Auftritt in einer Frankfurter Diskothek festgenommen worden und saß danach zehn Tage lang in Untersuchungshaft. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft und Polizei stieß auf Kritik. Ihnen wurde vorgeworfen, die prominente Künstlerin an den Pranger zu stellen. Die Deutsche Aids-Hilfe kritisierte, dass die Verantwortung für ungeschützten Verkehr allein Benaissa zugeschoben werde.

Weil die Angeklagte zu Anfang der Tatzeit noch Jugendliche war, findet der Prozess vor dem Jugendschöffengericht statt. Die Kammer hat fünf Verhandlungstermine angesetzt, an denen auch die drei anderen No-Angels-Sängerinnen als Zeuginnen aussagen sollen. Demnach wäre am 26. August mit dem Urteil zu rechnen.

mad/DPA/AFP/APN DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker