Zöllner-Albtraum Angriff der "Ameisen"

Die Sitten an der Ostgrenze der EU sind rauer geworden. Zunehmend machen den Zöllnern Kriminelle, Touristen und Schmuggler, von den Beamten "Ameisen" genannt, zu schaffen.

Ein Schmuggler, so denkt der gesetzestreue Laie, will vor allem nicht auffallen. Diskret und ohne den Argwohn der Zöllner zu erregen, ist die illegale Ware über die Grenze zu bringen. Nicht so an der polnischen Ostgrenze - im wilden Osten des neuen EU-Landes bedrohen Schmuggler die Zöllner, zunehmend agieren kriminelle Banden. Seit Tagen häufen sich Berichte über eingeschüchterte Beamte, die aus Sorge um ihre Gesundheit kaum noch ihre Arbeit machen wollen.

"Mit Messern und sogar Pistolen sind unsere Kollegen bedroht worden", machte ein aufgebrachter Zöllner im Radiosender "Radio RMF" seinem Herzen Luft. An seinem Posten an der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad seien außer den "Ameisen", wie die Kleinschmuggler genannt werden, die oft nur auf Grund der bitteren Armut in der Region auf die schiefe Bahn geraten, zunehmend "gewerbsmäßige kriminelle Banden" im Einsatz. "Ich bringe Dich und Deine Familie um, wenn Du mich nicht durchlässt" sei ein Satz, den viele seiner Kollegen schon gehört hätten.

Berüchtigte Grenzposten

Dabei waren auch die Zöllner an der polnischen Grenze zu Kaliningrad in der Vergangenheit häufig berüchtigt - wenn auch nicht wegen ihres energischen Durchgreifens gegen Schmuggler. Im Gegenteil, Zollposten mussten komplett ersetzt werden, weil die Zöllner gegen ein saftiges Schmiergeld mit den Schmugglern gemeinsame Sache machten.

Im Zusammenhang mit dem polnischen EU-Beitritt wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Zöllner von der polnischen Westgrenze in den rauen Osten versetzt. Die zunehmend rabiaten Schmuggler lassen so manchen am seiner Berufswahl zweifeln. Auch von der polnisch-ukrainischen Grenze wird wenig Gutes berichtet. In ostpolnischen Zeitungen werden eingeschüchterte Zöllner und Grenzbeamte zitiert, die von betrunkenen Schmugglern angepöbelt, beleidigt und bedroht werden. An der polnisch-weißrussischen Grenze versuchte ein Schmuggler, einen Zöllner zu erwürgen, als dieser ihn kontrollieren wollte.

Der Übermacht der längst nicht mehr friedlichen "Ameisen" stehen die Beamten hilflos gegenüber. Wer versucht, sich der illegalen Einfuhr von Wodka und Zigaretten entgegenzustellen, riskiert, mit Flaschen beworfen zu werden. Am Grenzübergang Medyka in Südostpolen ist das Problem mit gewaltbereiten illegalen Grenzgängern nicht neu: Vor knapp zwei Jahren wurde der Zollposten von mehr als hundert Kleinschmugglern buchstäblich über den Haufen gerannt.

Alkohol-Tourimus: Zum Saufen in die Ukraine

Als hätten sie nicht genug mit den Illegalen zu tun, bereiten den Beamten in Medyka nun auch noch polnische Touristen vor allem an den Wochenenden arge Probleme. "Seit der Übergang für Fußgänger rund um die Uhr geöffnet ist, gehen immer mehr junge Polen schon Mittags über die Grenze, um sich in der Ukraine zu betrinken", klagte Bogdan Slazyk, der Leiter des Grenzschutzpostens. "Eine Flasche Wodka kostet dort schließlich nur fünf Zloty (1,25 Euro)." Bei der Rückkehr in die Heimat sorgten aggressive Betrunkene für reichlich Ärger: "Einer versuchte, einem Grenzer eine Flasche Wodka an den Kopf zu werfen, ein anderer schlug Fensterscheiben ein, andere schlugen auf die Zöllner ein."

Eva Krafczyk/DPA DPA

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