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Zweiter Prozesstag im Fall Nadja Benaissa Anwalt der Nebenklage hält Bewährung für No-Angel-Sängerin realistisch


Für die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa könnte es am Ende ihres Prozesses nicht so schlimm werden. Die Nebenklage hielt am zweiten Verhandlungstag eine Bewährungsstrafe für möglich.

Die wegen Ansteckung eines Mannes mit dem Aids- Virus angeklagte No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa (28) wird nach Einschätzung des Nebenklägers nicht ins Gefängnis kommen. "Eine Bewährungsstrafe ist realistisch", sagte Anwalt Hans-Dieter Henkel am Donnerstag nach Ende des zweiten Verhandlungstages vor dem Amtsgericht Darmstadt. Der Strafrahmen von bis zu zehn Jahren werde sicher nicht ausgeschöpft, sagte der Jurist.

In dem Prozess werden die anderen Sängerinnen der Castingband aller Wahrscheinlichkeit nach nun doch nicht aussagen müssen. Ein Urteil wird für Donnerstag nächster Woche (26.8.) erwartet. Insgesamt sind fünf Prozesstage terminiert.

Benaissa hatte zum Prozessauftakt zugegeben, trotz einer ihr bekannten HIV-Infektion mit mehreren Männern ungeschützten Sex gehabt zu haben. "Es tut mir von Herzen leid. Ich wollte das nicht. Ich hatte die Kontrolle verloren", sagte sie am Montag in ihrem Geständnis. Anwalt Henkel vertritt den 34 Jahre alten Mann, den die Sängerin infiziert haben soll.

Benaissa soll zwischen 2000 und 2004 in fünf Fällen Sex ohne Kondom mit drei Männern gehabt haben. Einen der Männer soll sie angesteckt haben. Die Sängerin muss sich wegen gefährlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie steht vor einem Jugendschöffengericht, da sie beim ältesten Tatvorwurf aus dem Jahr 2000 erst 17 Jahre alt war.

Ein Fall von versuchter Ansteckung wurde eingestellt. "Der Prozess verschlankt sich ein wenig", sagte Verteidiger Oliver Wallasch. "Nadja Benaissa ist etwas gelöster geworden. Nach dem ersten Prozesstag fällt die Anspannung etwas ab", beschrieb er die Stimmung des Popstars.

Benaissa war auch am Donnerstag überpünktlich im Gerichtssaal erschienen. Sie trug eine weiße Tunika-Bluse und Jeans. Ihre langen Locken hatte sie wieder zu einem Zopf zusammengebunden.

Staatsanwalt Peter Liesenfeld ging ebenso wie Verteidiger Wallasch und Nebenkläger Henkel davon aus, dass die drei No-Angels-Sängerinnen Sandy Mölling, Jessica Wahls und Lucy Diakovska nicht vor Gericht zu erscheinen brauchen. "Ich gehe davon aus, dass wir sie nicht benötigen müssen", sagte Liesenfeld. "Ich glaube Benaissa in vielen Punkten." Die Anklage setze auf ein Gutachten, das eine Ansteckung des 34 Jahre alten Mannes durch Benaissa untermauern soll.

Am zweiten Prozesstag waren weitere frühere Liebhaber des Popstars geladen. Das Amtsgericht schloss die Öffentlichkeit zeitweise aus - etwa bei der Aussage eines Mannes, den Benaissa kennengelernt haben soll, als sie noch die Abendschule besuchte. Es gehe um die Schilderung intimer Details, begründete Richter Dennis Wacker den Beschluss.

Die Aussage eines anderen Ex-Partners wurde verlesen. Der Musikproduzent - er will nur Sex mit Kondom gehabt haben - gab zu Protokoll, Benaissa habe ihre HIV-Infizierung anfangs abgestritten. Später habe sie ihm dann gebeichtet, wegen ungeschützten Sex' mit anderen Männern "Angst vor dem Knast" zu haben.

DPA DPA

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