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Zwickauer Nazi-Zelle: Weitere Pannen bei Aufklärung rechter Mordserie

Je länger die Mordserie der rechtsextremen Zwickauer Zelle untersucht wird, umso mehr kommen Versäumnisse der Ermittler ans Licht. Nun gibt es Belege, dass sowohl bayerische als auch sächsische Fahnder Hinweise auf das Mördertrio nicht intensiv genug verfolgt haben.

Bei der Aufklärung der Mordserie der Zwickauer Neonazi-Zelle gab es offenbar noch mehr Pannen als ohnehin schon bekannt. Bayerische Fahnder, die 2006 zeitweise auch die These eines politischen Hintergrunds verfolgten, sollen laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die mutmaßliche Unterstützerin des Trios Mandy S. auf einer Liste von 682 verdächtigen Rechtsextremisten gehabt haben. Der thüringische und sächsische Verfassungsschutz hätten in ihr schon damals eine Kontaktperson des untergetauchten Mördertrios vermutet. Doch die Informationen der verschiedenen Behörden seien nicht zusammengeführt worden, berichtet das Magazin.

Nach Recherchen des ZDF soll zudem Sachsens Verfassungsschutz Ende Juli 2000 ein Treffen der rechtsextremen "Weißen Bruderschaft Erzgebirge" in Johanngeorgenstadt observiert haben, an dem wahrscheinlich der damals bereits per Haftbefehl gesuchte Uwe Mundlos anwesend war. Dies sei bei einer erneuten Auswertung der Observationsfotos Ende 2011 aufgefallen. Der Verfassungsschutz habe aber offenbar weder die Polizei noch andere Verfassungsschutzämter darüber informiert. Mundlos war neben Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe Mitglied der Terror-Zelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Wenige Wochen nach der Observation beging das Trio den ersten von insgesamt zehn Morden.

Der sächsische Verfassungsschutz erklärte gegenüber dem ZDF, man habe Mundlos nach seinem Abtauchen 1998 nicht observiert. Andersartige Erkenntnisse seien dem Amt nicht bekannt.

dho/DPA / DPA