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Zwölf Verdachtsfälle auf Sylt: Missbrauch oder Doktorspiele?

Hat die Urlaubsinsel Sylt ihren Fall Ameland? In einer Kurklinik sollen bis zu zwölf Kinder zwischen neun und 13 Jahren von Gleichaltrigen missbraucht worden sein. Der Klinikbetreiber dementiert - und spricht von "erweiterten Doktorspielen".

Ermittler gehen dem Vorwurf sexuellen Missbrauchs unter Kindern in einer Kurklinik auf Sylt nach. "Die Anzeige ist erstattet worden von der Mutter eines Kindes, das dort gewesen ist. Und derzeit wird eben überprüft, ob es strafrechtlich relevante Vorwürfe gibt", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Flensburg. Sie fügte einschränkend hinzu: "Da sind wir noch ganz am Anfang."

Der Bielefelder Anwalt Carsten Ernst hatte zuvor erklärt, es habe mehrfachen Missbrauch unter Kindern in der Kurklinik auf der Nordseeinsel gegeben. Die Taten haben sich nach Angaben der "Bild" innerhalb einer Wohngruppe mit 16 Mitgliedern abgespielt. In diesem Sommer seien dort bis zu zwölf Kinder missbraucht worden, sagte Ernst. Eltern der mutmaßlichen Opfer hatten den Anwalt eingeschaltet. Alle Beteiligten seien unter 14 Jahre alt, auch die vier bisher ermittelten potenziellen Täter, sagte Ernst.

"Erweiterte Doktorspiele" auf freiwillgier Basis

Der Klinikbetreiber DAK dementierte die Vorwürfe. Es habe keinesfalls Serienvergewaltigungen unter Kindern gegeben, sagte ein Sprecher der Krankenkasse. Er sprach von "erweiterten Doktorspielen" auf freiwilliger Basis. Daran hätten sich in einer Wohngruppe 14 von 16 Jungen im Alter von 9 bis 13 Jahren beteiligt.

"Jeder war Täter und Opfer zugleich", sagte der Sprecher weiter. "Sexuelle Gewalt hat es nach unserer Kenntnis nicht gegeben." Als Anstifter hätten sich drei Jungen im Alter von 9, 11 und 12 Jahren erwiesen. Sie wurden den Angaben zufolge nach Bekanntwerden der Vorfälle von der Gruppe getrennt.

Erst im Juli waren schwere sexuelle Übergriffe unter deutschen Kindern in einem Feriencamp auf der Nordseeinsel Ameland bekannt geworden. Im Jungen-Schlafsaal des Ferienlagers waren sechs bis acht 13-jährige Jungen mit Gegenständen, unter anderem Colaflaschen und Besenstielen, sexuell missbraucht worden. Bei den mutmaßlichen Tätern handelte es sich um Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren.

DPA / DPA