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Tugce-Prozess: Anklage fordert mehrjährige Haftstrafe für Sanel M.

Der Prozess um den Tod von Tugce Albayrak geht in die entscheidende Phase. Für den Angeklagten Sanel M. fordert der Staatsanwalt nun eine längere Jugendhaft. Das Plädoyer der Verteidigung steht aus.

Im Tugce-Prozess zeigt eine Besucherin im Gerichtssaal ein Schild mit der Aufschrift Gerechtigkeit

Gerechtigkeit für Tugce: Der Staatsanwalt fordert mehrjährige Jugendhaft für den Angeklagten Sanel M.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Tugce Albayrak hat die Anklage eine Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung für Sanel M. gefordert - wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Man sehe bei dem Angeklagten eine "erhebliche Schuld" und "schädliche Neigungen", betonte Staatsanwältin Birgit Lüter in ihrem Plädoyer am Freitag vor dem Landgericht Darmstadt.

Die Anwälte der Familie Albayrak, die im Prozess als Nebenkläger auftritt, plädierten ebenfalls für eine Jugendstrafe, zweifelten aber daran, ob die von der Staatsanwaltschaft geforderten drei Jahre und drei Monate ausreichen. Ein genaues Strafmaß forderten sie nicht.

Reue, aber auch Wiederholungstäter

Der Prozess gegen den 18-jährigen Sanel M. geht derzeit in die Endphase. M. soll die seinerzeit 22-jährige Lehramtsstudentin Tugce im November 2014 auf dem Parkplatz vor einem Schnellrestaurant in Offenbach nach einem Streit geschlagen haben, woraufhin sie fiel und mit dem Kopf auf den Asphalt schlug. Einige Tage später erlag sie ihren schweren Verletzungen. Der Angeklagte räumte im Prozess ein, ihr eine Ohrfeige gegeben zu haben. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Die Staatsanwaltschaft wertete zu Gunsten des Angeklagten sein Geständnis. Dies sei von Reue getragen gewesen, sagte Lüter. Zudem sei von ihm in der Öffentlichkeit "ein verzerrtes Bild" gezeichnet worden. Zu seinen Lasten führte sie auf, dass er bereits wegen verschiedener Delikte verurteilt worden sei. Die Tat habe "keinesfalls Ausnahmecharakter", sagte Lüter.

Ihr Kollege Alexander Homm mahnte eine objektive Betrachtung des Falls an. "Die Rollen waren sehr schnell verteilt", sagte der Oberstaatsanwalt. Tugce Albayrak sei das "Symbol für Zivilcourage" gewesen, Sanel M. dagegen ein "dumpfer, unbelehrbarer Schläger". Es seien zum Teil "jegliche Grautöne" vermieden worden. Ein Verfahren müsse beiden Seiten gerecht werden.

Anwalt geht von Absicht aus

Der Anwalt der Familie Albayrak, Macit Karaahmetoglu, zeigte sich dagegen überzeugt, dass es sich bei der Tat des Angeklagten um ein abgesprochenes Vorgehen mit einem Freund gehandelt habe, um die jungen Frauen zu bestrafen. Die Gruppe um Tugce Albayrak war bereits im Schnellrestaurant mit den jungen Männern um Sanel M. aneinander geraten. Die Erklärung des Angeklagten zum Prozessbeginn sei auch nicht von Reue getragen, sondern von Prozesstaktik geleitet gewesen, sagte der Anwalt.

"Er ist sich ganz offensichtlich nicht im Klaren darüber", was er der Familie Tugces angetan habe, sagte Karaahmetoglu. Es sei "unerlässlich", mit einer "längeren Gesamterziehung" auf den Angeklagten einzuwirken. Er bezweifle, dass drei Jahre und drei Monate dafür ausreichten.

Im Laufe des Tages soll auch noch die Verteidigung plädieren, am kommenden Dienstag (16. Juni) könnte dann das Urteil fallen. Der Tod der 22-Jährigen hatte bundesweit große Anteilnahme ausgelöst.

dho / DPA / AFP