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Video (Wasser-)Spiegel des Klimawandels

Manfred Mannheim ist seit 1972 als Fischer am Seddiner See tätig. Sein Handwerk erlernte er kurz nach dem 2. Weltkrieg. Einst gab es genug Fisch, um den Familienbetrieb direkt aus diesem See zu versorgen. Doch die letzten Jahre hat sich die Situation am Seddiner See, der im Südwesten Berlins liegt, dramatisch verändert, wie Manfred Mannheim bestätigt: "Die letzten drei Jahre waren das. Da wurde es immer negativer. Wenn Petrus nichts runter schickt, dann ist es vorbei, weil immer noch Grundwasser sehr viel entzogen wird, und er hat keinen Zufluss. Da pfeift er dann ab. Wird immer weniger." Die Strände werden durch die Trockenheit größer und das freut Badegäste an heißen Hochsommertagen. Aber es gibt eine Kehrseite der Medaille, die nicht jedem Besucher gleich auffällt. So haben zum Beispiel Fische keinen Platz mehr zum Laichen und die Wasserflora kann sich nicht mehr regenerieren. Einige Veränderungen fallen jedoch selbst den Laien ins Auge, wie diese Besucher kürzlich bestätigen: "Also, in den letzten Jahren, ich komme ungefähr seit sieben Jahren hierher her, da hab ich den entdeckt. Das hat sich insofern sehr verändert, als das Wasser wahnsinnig zurückgegangen ist, der Strand riesengroß geworden ist und einfach das ganze Schilf im Trockenen steht und man sich schon Gedanken machen muss, wie das so weitergeht mit dem See." "Da haben wir nach langer Zeit mal einen Spaziergang um den See gemacht. Und wie wir jetzt hier stehen, sind wir ganz überrascht, weil. Wo ist der See? Da ist ja ganz viel Strand da, den wir überhaupt nicht kannten." Der See erstreckt sich über rund 220 Hektar und ist ein Binnensee, der nur aus Grundwasser gespeist wird und damit von Niederschlägen und der Wassernutzung abhängig ist. Der Geograph Knut Kaiser vom Deutschen Forschungszentrum für Geowissenschaften untersucht seit Jahren die Wasserwege in der Region. Für ihn spiegelt der Seddiner See geradezu den aktuellen Klimawandel wieder. Er beschreibt, welche dramatischen Folgen die anhaltende Trockenheit auf den See hat: "De facto schädigt so ein gefallener Wasserstand und ein völlig frei liegendes Schilf natürlich das gesamte Ökosystem Seeland. Der Schilfgürtel wird durch die Menschen z.B. niedergetrampelt, die sich entlang dieser Strände bewegen, wird aber auch durch Wild, Wildschweine, Rehe et cetera pp. niedergetrampelt. Die Wasserpflanzen, die ehemaligen Wasserpflanzen, unter dem Wasserspiegel, sterben ab." Im Dürresommer 2018 sank der Wasserspiegel des Sees um 70 cm, im Durchschnitt der letzten drei Jahre um rund 60 cm. Die Sommer werden heißer und die Menschen bedienen sich beim Grundwasser. Doch Lösungen, damit der See nicht bald ganz verschwindet, müssen nun vor allem von der Politik kommen. Und das am besten möglichst rasch, sonst könnte es bald zu spät sein.
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Der Seddiner See, südwestlich von Berlin trocknet immer weiter aus.

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