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Video Anklage: Wirecard wurde von krimineller Bande geführt

STORY: Es ist der erste öffentliche Auftritt für Markus Braun seit mehr als zwei Jahren. Der Ex-Chef des Finanzkonzerns Wirecard kam 2020 nach der spektakulären Pleite seiner Firma in U-Haft. Nun muss er sich vor dem Landgericht München verantworten. Mit ihm sind auch zwei weitere frühere Manager des einstigen Dax-Konzerns angeklagt: der frühere Statthalter von Wirecard in Dubai, Oliver Bellenhaus sowie Chefbuchhalter Stephan von Erffa. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Bilanzfälschung, Marktmanipulation, Untreue und gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Anne Leiding, Staatsanwältin: "Alle drei Angeschuldigten haben gemeinsam darauf hingearbeitet, dass die Wirecard als äußerst erfolgreiches Fintech Unternehmen erscheinen sollte. Tatsächlich, so jedenfalls die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, waren seit 2015 eigentlich nur noch Verluste vorhanden." Erfundene Einnahmen von externen Geschäftspartnern sollten die Bilanz und den Umsatz von Wirecard aufblähen, so die Staatsanwaltschaft. Die getäuschten Anleger und Investoren verloren eine zweistellige Milliardensumme. Braun hat die Vorwürfe zurückgewiesen, von Erffa schwieg bislang. Bellenhaus hat angekündigt, er werde Verantwortung übernehmen. Sein Verteidiger sagte dazu vor Prozessbeginn am Donnerstag: Florian Eder, Anwalt von Oliver Bellenhaus "Wir haben den Kronzeugen, den wir vertreten, und der Kronzeuge ist natürlich daran interessiert, dass er seine Stellung noch einmal deutlich macht, seine Schuld selber eingesteht. Das hat er beim Bundestag, beim Untersuchungsausschuss gemacht, das wird er hier vor Gericht machen. Das ist ihm auch wichtig. Das ist ein intrinsische Motiv bei ihm. Und darüber hinaus aus Sicht der Verteidigung natürlich möchten wir auch deutlich machen, wenn wir einen Kronzeugen haben, der derartige Aufklärungshilfe leistet, muss es im Ergebnis auch einen sehr, sehr deutlichen Strafnachlass geben." Braun wiederum sieht sich als Opfer einer Bande, die hinter seinem Rücken Milliardensummen veruntreut habe und zielt damit offenbar auf seinen ehemaligen Vorstandskollegen Jan Marsalek. Er war nach dem Auffliegen des Finanzskandals untergetaucht und wird nun in Russland vermutet. Laurent Lafleur, Gerichtssprecher "Ich denke, alle Beteiligten würden gerne hören, was der bisher noch flüchtige Beschuldigte zu den Tatvorwürfen zu sagen hat. Die Staatsanwaltschaft ist zu dem Schluss gekommen, dass ein Tatnachweis auch ohne diesen Beschuldigten zu führen ist." Das dürfte allerdings etwas dauern. Die Anklageschrift zu einem der größten Finanzskandale der deutschen Geschichte ist fast 500 Seiten stark. Mit einem Urteil der Strafkammer wird frühestens im Jahr 2024 gerechnet. Im Falle eines Schuldspruches drohen den Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft.
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Zweieinhalb Jahre nach der Pleite des Finanzdienstleisters hat in München der Prozess gegen Ex-Chef Braun und zwei weitere frühere Manager begonnen. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie über Jahre hinweg Bilanzen gefälscht haben. Zehntausende Wirecard-Aktionäre verloren bei der Pleite insgesamt Milliarden.

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