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Video Biobauer sieht Gesetzgeber in der Verantwortung

Auf der Weide hinter Heusenstamm steht die Herde von Landwirt Klaus Olmert in idyllischer Ruhe. Olmert hat seinen Hof in den 70er Jahren auf Bio umgestellt und betreibt die sogenannte Mutterkuhhaltung, bei der die Kühe nicht zur Milchproduktion genutzt werden und die Herde größtenteils auf der Weide gehalten wird. In Deutschland macht die Mutterkuhhaltung nur einen kleinen Teil der Rinderwirtschaft aus. "Mit Mutterkuh-Haltung sind keine großen Gewinne einzufahren, das ist aber keine Klage. Es ist so: Wir tun die Tiere bei uns im Hofladen schlachten, verwerten. Dadurch haben wir dann halt einen Mehrwert, den wir erzielen durch dieses System. Und weil das auch unsere Kunden dann zu schätzen wissen, dass die Tiere von uns hier kommen, können hier sehen, wie die gehalten werden, und von daher rechnet sich die Sache wieder." Landwirt Olmert zieht die etwa 200 Angus-Rinder und einige Dutzend Schweine selbst auf, schlachtet sie mit seinen Mitarbeitern vor Ort und verkauft das Fleisch anschließend im eigenen Hofladen oder grillt es am Wochenende im angeschlossenen Biergarten. Der Vorteil: Die Tiere müssen keinen stressigen Transport mitmachen, es vergehen nur ein bis zwei Minuten, bis sie vom Stall ins Schlachthaus kommen. „Die sind heute Morgen geschlachtet worden hier, und wie gesagt, auf dem ganz kurzen Weg ist für die Tiere und natürlich und auch für die Fleischqualität von besonderer Bedeutung." Die Nachfrage nach Fleisch vom Hofgut Patershausen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Durch die Meldungen von Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus in Großschlachtbetrieben wurde dies noch verstärkt. Gerade junge, umweltbewusste Familien oder ältere Menschen, die noch den guten, alten Fleischgeschmack kennen, schätzen die Ware des Landwirts - selbst, wenn sie deutlich teurer als das Discount-Produkt ist. "Weil das ganz hervorragendes Fleisch ist und man hier super Produkte einfach kaufen kann. Ich finde, man muss an dem Fleisch nicht mehr viel würzen, es schmeckt einfach hervorragend." Olmert selbst kritisiert nicht die Massenproduktionen wie etwa bei dem jüngst in Verruf geratenen Fleischbetrieb Tönnies, sondern viel mehr die Gesetzgebung, die diese in der aktuellen Form erlaubt. Erst Anfang Juli wurde die Praxis, Sauen in Kästen zu fixieren, für weitere acht Jahre erlaubt. „Meine Hauptkritik ist einfach an den politisch Verantwortlichen, insbesondere für den Schweinemuttersauen-Kastenstand, der jetzt verlängert wurde über acht Jahre, völlig unverantwortlich, und da sehe ich viel größeren Handlungsbedarf als jetzt beispielsweise bei einem Herr Tönnies." Trotz der teuren Haltung und Ernährung der Tiere rechnet sich Olmerts Geschäftsmodell auch nach fast 50 Jahren noch, auch, weil sich der Bio-Landwirt stets auf die Nachfrage einstellen kann. Meistens schlachtet Olmert pro Woche ein bis zwei seiner Mastrinder und etwa vier Schweine - und jede Woche stehen die Kunden schon lange vor Ladenöffnung Schlange.
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Landwirt Olmert aus Hessen setzt auf Mutterkuh-Haltung und Hofladen. Die Probleme bei der Fleischproduktion sollten seiner Ansicht nach von der Politik geregelt werden.

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