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Video Brasilianer nutzen die Lockerungen - und ernten viel Kritik

Ein ganz normaler Mittwoch in Rio de Janeiro - auch in Zeiten von Corona. Was hierzulande dieser Tage so üblich ist, scheint in Deutschland nur hinter verschlossenen Türen möglich zu sein. Nach den Lockerungen der Maßnahmen gehen vor allem jüngere Menschen wieder vermehrt aus, gehen etwas essen oder trinken, geraten mit mehr Menschen in Kontakt und vergrößern somit das Infektionsrisiko. Für den Forscher Diego Xavier ist das eine eindeutige Sache: "Die sozialen Interaktionen am Ende des Jahres werden dazu führen, dass sich das Virus noch weiter ausbreitet und Krankenhausaufenthalte verursacht. Die Regierung muss handeln." Währen die Zahlen weiter ansteigen, sind es Menschen wie Vanderson Conceicao, die vor den Krankenhäusern in Rio stehen, und um die Leben ihrer Angehörigen bangen. Sie haben genug von dem gleichgültigen und in ihren Augen "rücksichtslosen Verhalten der Menschen. "Wer bringt das Virus denn dann abends nach Hause? Wer verursacht den Tod der Eltern? Die Menschen müssen sich mal reflektieren. Wir werden schon irgendwann wieder an den Strand dürfen und Partys haben. Aber jetzt nicht." Präsident Jair Bolsonaro ist da anderer Meinung. Er ist für die Lockerungen der Maßnahmen verantwortlich. Am Donnerstag sagte er: "Ich werde mich wiederholen und auf Hydroxychloroquine hinweisen. Wir lagen richtig: Wir sehen in Brasilien, dass die Zahlen der Infektionen und Todesfälle zurückgehen. Warum? Weil es wirkt." Die Zahl der bekannten Infektionen binnen 24 Stunden ist nach Angaben der Gesundheitsämter um fast 50.000 auf insgesamt 6,5 Millionen gestiegen. Das Gesundheitsministerium gab zudem 698 weitere Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus oder der Lungenkrankheit Covid-19 bekannt - damit stieg die Zahl auf insgesamt über 175.000 an. Tag für Tag forscht und lehrt der Epidemiologe Roberto Medronho an der Uni. Für ihn stellt sich die Sachlage ganz deutlich dar: Die Regierung agiere unwissenschaftlich und lehne einen Lockdown grundsätzlich ab. Junge Erwachsene haben die größten psychischen Auswirkungen der anhaltenden sozialen Isolation zu spüren bekommen. 54% geben an, depressiv und 70% ängstlich oder oft nervös zu sein, so eine Untersuchung von Fiocruz in Zusammenarbeit mit verschiedenen Universitäten. Rio de Janeiro hat seine berühmte Karnevalsfeier indessen auf Juni verschoben, die Vorbereitungen für die Silvesterfeier, die jedes Jahr große Menschenmengen anzieht, hingegen nicht. Für Partys auf dem ikonischen Zuckerhut werden bereits Eintrittskarten verkauft.
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In Rio gehen die Menschen wieder aus und feiern. Der Umgang mit der Pandemie spaltet die Gesellschaft.

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