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Video Libanons Regierung tritt zurück

Dieser Rücktritt kommt kaum überraschend: Knapp eine Woche nach der Explosionskatastrophe in Beirut ist die libanesische Regierung zurückgetreten. "Heute folgen wir dem Willen des Volkes", sagte Ministerpräsident Hassan Diab am Montag in einer live im Fernsehen übertragenen Ansprache. Das Volk verlange, dass die Verantwortlichen für die Katastrophe zur Rechenschaft gezogen werden, und habe den "Wunsch nach echtem Wandel". Zuvor waren bereits mehrere Minister zurückgetreten. Am Wochenende war es zu gewalttätigen Protesten im Zentrum von Beirut gekommen. Dabei wurde immer wieder ein Rücktritt der Regierung gefordert. Präsident Michel Aoun bat die bisherige Regierung, bis zur Bildung eines neuen Kabinetts weiter die Amtsgeschäfte zu führen. Sie war im Januar mit der Unterstützung der mit dem Iran verbündeten radikal-islamischen Hisbollah-Miliz gebildet worden. Aoun muss nun mit den verschiedenen Blöcken im Parlament über den nächsten Premier beraten. Nach dem Rücktritt von Saad Hariri im Oktober hatte es mehr zwei Monate gedauert, um eine neue Regierung zu bilden. Regierungschef Diab selbst hatte am Samstag Neuwahlen gefordert. Auch am Montagabend kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten in der Hauptstadt. Dabei flogen Steine auf Beamte, die den Zugang zum Parlamentsgebäude absicherten. Die Polizei setzte Tränengas ein. Die neuen Demonstrationen sind die größten seit Oktober, als die Menschen auf den Straßen der Hauptstadt Korruption und Misswirtschaft anprangerten. Die schwere Explosion im Hafen von Beirut am vergangenen Dienstag hat die Wut in der Bevölkerung wieder angefacht. Viele Libanesen machen die Regierung und Behörden für das Unglück verantwortlich. Bei der Katastrophe waren mindestens 163 Menschen getötet und mehr als 6000 verletzt worden. Nach bisherigen Erkenntnissen war hochexplosives Material jahrelang unsicher gelagert worden.
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Präsident Michel Aoun bat die bisherige Regierung, bis zur Bildung eines neuen Kabinetts weiter die Amtsgeschäfte zu führen.

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