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Video Paris Fashion Week 2020: Filme statt Laufsteg

Zweimal im Jahr findet die Pariser Fashion Week statt. In diesem Jahr feiert sie ihr digitales Debüt. Die erste Pariser Online-Modewoche hat am Montag begonnen, in der die Labels und Designer aufwendige Video-Produktionen umsetzten. Nicht live am Laufsteg, dafür in höchster Auflösung und beeindruckender Darstellung können Modefans Kollektionen für den bevorstehenden Herbst und Winter begutachten. Der französische Modedesigner Christophe Josse's bezweifelte zunächst die Idee einer digitalen Haute Couture-Woche. Wie seine Kollegen wandte sich Josse dann visuell der Kulisse der Stadt zu. Im Laufe der Produktion hat er dann doch etwas gesehen. "Etwas Zeitloses, für jede Jahreszeit, jeden Monat oder jedes Jahr, etwas, das sich nicht verändert und weiterentwickelt, aber eine gewisse Langlebigkeit aufweist", beschrieb Josse seine Kollektion. Dior ist ganz anders unterwegs - modisch wie finanziell, schreibt der Spiegel. Dior-Kreativdirektorin Maria-Grazia Chiuri hat ihren Landsmann, den italienischen Regisseur und Cannes-Preisträger Matteo Garrone für den Kurzfilm "Le Mythe Dior" - Der Mythos Diors - engagiert. Darin tragen zwei Boten eine Schatulle mit Miniaturkleidern durch einen Märchenwald. Jedes Kleid hatte eine Miniatur- und eine lebensgroße Version. Chiuri: "Meiner Meinung nach kommt Couture der Idee eines Traums auf jeden Fall sehr nahe. Mann kann Jemandem einen Traum schenken, indem man ihn einlädt, an ihm teilzuhaben. Sofort wusste ich, dass ein Film die Lösung ist, weil ich denke, dass nur ein Film dir diese Emotionen übermitteln kann." Dass in dem Video nur weiße Models mitspielen, kam indes bei manchen Betrachtern nicht gut an. Es passte auch nicht zum Grußwort des ehemaligen Topmodels Naomi Campbell - diese hatte zu Beginn der Modewoche eine ausgewogenere, vielfältigere Modeindustrie gefordert. Chiuri und Garrone sagten daraufhin, dass der Einsatz schwarzer Models gezwungen wirken könne. Bei Diversität komme es demnach immer auf den Kontext und Bezugspunkte an. Die Designerin Virginie Viard hat sich für ihre Reihe bei Chanel von einer fiktiven Punk-Prinzessin inspirieren lassen, die in den 80er-Jahren den Pariser Club "Le Palace" verlässt.. Die Looks wurden unter anderem von Viards Vorgänger mitkreiert, dem ehemaligen deutschen Modeschöpfer Karl Lagerfeld, der laut Pressemitteilung des Modelabels auf anspruchsvolle, exzentrische Frauen Wert legte. Die Corona-Pandemie hat die Modewelt verändert. Innerhalb der Branche hat laut Medienberichten eine beispiellose Debatte begonnen, in der normalerweise konfliktscheue Designer eine Revolution fordern, die das rasante Tempo der Modezyklen der vergangenen Jahre bremst, schreibt das Magazin Fashion United. Die Pariser Online-Fashion-Week geht noch bis zum 13. Juli.
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Durch die Pandemie gezwungen, feiert der Laufsteg der französischen Modewoche sein Digital-Debut. Modedesigner wie Josse, Viard und Chiuri ließen eindrucksvolle Filme produzieren.

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