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Video Schweiz steuert auf umstrittenes Verhüllungsverbot zu

"Stoppt den Extremismus!", fordert ein rotes Plakat in einem ruhigen Dorf außerhalb von Zürich über dem Bild einer Niqab-tragenden Frau. Es ist Teil einer Kampagne der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei SVP, die ein Verhüllungsverbot fordert, also die Verdeckung des Gesichts bis auf die Augen. Über so ein Verbot wird am Sonntag in einer Volksabstimmung abgestimmt. SVP-Politiker Jean-Luc Addor: "Wir finden sowas schockierend. Es steht im fundamentalen Widerspruch zu verschiedenen Werten unserer Zivilisation, einfach weil es für uns freie Menschen normal ist, sein Gesicht draußen zu zeigen." Für viele kommt die Debatte zu einem fragwürdigen Zeitpunkt: Dieser Tage trägt fast die ganze Welt Gesichtsmasken. Zudem kombinieren die Menschen vielerorts dazu Mützen, Schals, manchmal auch Skibrillen, und so bleibt häufig recht wenig vom Gesicht übrig. Die Universität Luzern schätzt, dass nur etwa 30 Frauen in der gesamten Schweiz einen Niqab, einen Gesichtsschleier, tragen. Muslime machen 5,2 Prozent der Bevölkerung aus. Anders als Parteien, Gesellschaft und Medien den Gesetzesvorschlag auslegen, richtet sich das geplante Verbot aber nicht nur gegen Niqabs, sondern auch gegen Gesichtsverdeckungen bei bestimmten gewaltmotivierten Demonstrationen oder die Vermummung von Fußball-Hooligans. Gerade deshalb ist das Plakat vielen ein Dorn im Auge. Auch Grünen-Politiker Nicolas Walder: "Natürlich ist das eine Stigmatisierung der muslimischen Bevölkerung durch die Kleidungsstücke, die manche Frauen tragen, also die Burka oder den Niqab. Ich denke, dass es sehr schädlich ist für das Image der Schweiz." Die Bürger, die am Sonntag abstimmen müssen, sind zwiegespalten: "Ich denke nicht, dass es der richtige Zeitpunkt für so ein Referendum ist. Wir tragen alle Masken. Ich denke, dass es ein Problem ist, das eigentlich kein Problem ist." "Als Frau respektiere ich alle Frauen, die es tragen wollen. Aber ich denke auch, dass es viele gibt, die es gar nicht tragen wollen, sondern dazu gezwungen werden. Deshalb habe ich die zweite Option gewählt. Ich will lieber diese Frauen unterstützen als die, die es tragen wollen." Eine Sichtweise, die die Mitglieder der feministischen und antirassistischen Organisation "The Purple Veils" - Die lila Schleier - nicht verstehen können. Oissem Ben Mustapha-Bennour: "Wir Frauen haben es satt, vor allem muslimische Frauen. Wir werden immer so dargestellt, als wären wir unterwürfige Frauen, unfähig zu denken oder unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Nein, wir haben unsere Wahl getroffen, den Niqab oder den Schleier zu tragen. Auch wenn ich den Niqab nicht trage, stehe ich dafür ein, so wie ich für jede andere Frau einstehe, die sich entscheidet, ein Kleidungsstück zu tragen oder nicht zu tragen." Im Moment sieht es nach einer deutlichen Zustimmung zu einem Verhüllungsverbot aus: Laut der jüngsten Umfrage unterstützen 65 Prozent der Stimmberechtigten die Vorlage.
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Weil das Verbot auf Niqabs, Burkas und vermeintlich unterwürfige Frauen stigmatisiert wird, gehen Musliminnen und Politiker auf die Barrikaden.

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