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Rätselhafte Wuhan-Grippe: Große Sorge vor dem Frühlingsfest: In China ist eine unbekannte Krankheit ausgebrochen

In China haben sich Hunderte Menschen mit einem rätselhaften Virus infiziert. Sorgen bereitet den Behörden, dass demnächst Millionen von Menschen während des Frühlingsfests durchs Land reisen.

Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden untersuchen Reisende am Hongkonger Bahnhof West Kowloon Station auf ihren Gesundheitszustand

Angst vor der Wuhan-Grippe: Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden untersuchen Reisende am Hongkonger Bahnhof West Kowloon Station auf ihren Gesundheitszustand

DPA

Wer am internationalen Flughafen in Shanghai anreist, muss seit Jahren eine Schleuse passieren, die die Temperatur misst. So sollen infizierte Einreisende sofort identifiziert und der Ausbruch von Seuchen verhindert werden. Die Kontrollen könnten sich bald verschärfen.

Seit Wochen beschäftigt die mysteriöse Wuhan-Grippe die chinesischen Behörden. 59 Menschen wurden seit dem 12. Dezember infiziert. Sieben von ihnen befinden sich in einem kritischen Zustand. Weitere 163 Menschen, die mit Infizierten in Kontakt waren, stehen unter medizinischer Beobachtung. Wuhan ist eine Elf-Millionen-Stadt in Zentralchina, und Hauptstadt der Provinz Hubei.

Ein Fischmarkt gilt als Ausgangspunkt

Der Virus konnte bisher noch nicht identifiziert werden. Bisher bekannt ist nur: Bei dem Erreger handelt es sich weder um die Vogelgrippe, noch um Sars oder eine andere bekannte Krankheit. Die Fälle häuften sich besonders unter Arbeitern eines Fisch-Marktes in Wuhan. Dort werden zudem auch immer wieder verschiedene Vogeltiere in Käfigen zusammen gehalten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass das Virus von Tieren auf Menschen übergesprungen ist. Die Behörden in Wuhan haben den Markt mittlerweile geschlossen. 

Noch beschränken sich die gemeldeten Fälle auf das Festland. Auch in Hongkong ist man alarmiert. Die Stadt gilt als eine der am dichtesten besiedelten der Welt. Dort wurde am vergangenen Sonntag eine Frau mit Symptomen eingeliefert, aber bald wieder entlassen. Kurz darauf wurde bekannt, dass in Hongkong bereits 14 Personen mit ähnlichen Beschwerden in Krankenhäuser eingeliefert worden waren, die in Wuhan bereist hatten. Wuhan ist durch das neue Hochgeschwindigkeits-Zugnetz nur noch vier Stunden von Hongkong entfernt. Seit Montag nun müssen alle Reisenden aus Wuhan ein Formular ausfüllen.

Besonders alarmiert sind die Behörden in China, weil das Frühlingsfest vor der Tür steht. Am 25. Januar beginnt nach dem chinesischen Kalender das neue Jahr. 1,3 Milliarden Menschen machen dann gleichzeitig Urlaub, was zur größten Migrations-Bewegung der Erde führt. Hunderte Millionen von Wanderarbeitern verlassen die Städte, um ihre Familien auf dem Land zu besuchen. Schon jetzt wurden über 300 Millionen Zugtickets verkauft.

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Keine Panik, weil Regierung das Internet kontrolliert

Im chinesischen Internet dagegen ist der Ausbruch der Krankheit so gut wie kein Thema. Auf Weibo, der größten chinesischen Micro-Blogging-Plattform, ist die Stimmung geradezu gut: "Dank gebührt der Regierung für die detaillierten Informationen. Hoffentlich wird die Ursache bald identifiziert, damit die Panik komplett endet“, schreibt der User "Gongkao Smart". Ein anderer zeigt sich glücklich darüber, dass es sich nicht um Sars handelt.

Die entspannte Reaktion vieler Internet-User aber dürfte eher daran liegen, dass die Regierung massiv gegen das "Verbreiten von Gerüchten" vorgeht. Am 1. Januar wurden acht Leute deswegen verhaftet.

Seuchen sind einer der Angstgegner der chinesischen Regierung. Im Herbst waren es einige Fälle der Beulenpest in der Inneren Mongolei, die die Beamten beschäftigte. Traumatisch aber war vor allem die Sars-Pandemie im Jahr 2003. Die Atemwegserkrankung breitete sich im November 2002 von Südchina aus. Rund 1000 Menschen starben. Eine Ausbreitung konnte durch internationale Koordination verhindert werden. Im Sommer 2003 galt Sars als besiegt.

Der wirtschaftliche Schaden aber war enorm, da der Tourismus in der Region um rund 70 Prozent einbrach. Als Ursprung vermutete man auch hier das enge Zusammenleben zwischen Mensch und Tier in Südchina. 

tis