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TV-Erfolgsserie "Victoria": Drehbuchautorin Daisy Goodwin: "Ich wurde von einem Regierungsbeamten begrapscht"

Die Autorin des Erfolgsdramas "Victoria", Daisy Goodwin, hat nun bekannt gegeben, dass ein Regierungsbeamter sie während eines Besuchs in der Downing Street sexuell belästigt habe. Der Fall geschah demnach vor einigen Jahren.

Daisy Goodwin - Serie Victoria

"Victoria"-Produzentin Daisy Goodwin hat bekannt gegeben, sexuell belästigt worden zu sein. Ein Regierungsbeamter habe sie während eines Besuchs im "10 Downing Street" an die Brust gefasst.

Die britische Drehbuchautorin und Schriftstellerin Daisy Goodwin hat gegenüber dem UK-Magazin "Radio Times" berichtet, dass ein "10 Downing Street"-Beamter sie vor einigen Jahren schamlos "begrapscht" hätte. Bei einem Meeting sollten neue Drehkonzepte für eine TV-Sendung besprochen werden. Der Regierungsbeamte habe sie währenddessen "an die Brust gefasst". Sie brachte den Fall vor lauter "Erstaunen" bis dato nicht zur Anzeige. 

Goodwin ist spätestens durch die britische TV-Serie "Victoria" bekannt geworden. "10 Downing Street" bezeichnet die offizielle Residenz des jeweiligen Premierministers des Vereinigten Königreichs. Das war zu dem Zeitpunkt noch David Cameron (2010-2016). Ein "jüngerer" Beamter des Hauses, dessen Namen sie nicht nannte, habe Goodwin zunächst Komplimente machen wollen und verglich sie mit einem Bond-Girl. Darauf ging Goodwin nicht ein, sondern lenkte das Gespräch zurück auf die geplante TV-Sendung. 

Goodwin ärgerte sich, zeigte ihn aber nicht an

Nachdem das Meeting beendet wurde, standen beide auf, um sich zu verabschieden. "Dabei fasste er an meinen Busen", sagte Goodwin in dem Interview. "Ich schaute verwundert auf seine Hand und fragte ihn: 'Fassen Sie gerade wirklich meine Brust an?' Er zog sein Hand weg und lachte nervös." Aufgebracht verließ die heute 55-Jährige das Gebäude. Sie hatte nie vorgehabt ihn anzuzeigen, sagte sie. "Ich war nicht traumatisiert, ich war einfach sauer. Am Tag darauf war es für mich bereits eine Anekdote. Es gehörte der Vergangenheit an, ich hatte gelernt, damit umzugehen." Und weiter: "Ich lebte nach dem Motto: 'Keep calm and carry on."

"Von Hollywood bis Westminster"

Ihre schweigsame Reaktion habe Goodwin nun im Lichte der jüngsten Enthüllungen über unangemessenes Verhalten "von Hollywood bis Westminster" überdacht. Deshalb rückte die Produzentin jetzt mit der Sprache heraus. "Ich denke, den Beamten zu demütigen, ist wahrscheinlich die angemessene Strafe - aber angenommen, er hat es auch bei jemandem versucht, der sich weniger verteidigen kann, was dann?" 

Der Skandal um Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und Missbrauch in Hollywood zieht immer größere Kreise. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles will zur Aufklärung der möglichen Fälle nun ein Sonderermittlerteam einsetzen. Die jüngsten Fälle betreffen Produzent Harvey Weinstein, Schauspieler Kevin Spacey, Regisseur Brett Ratner und Komiker Louis C.K.

Hunderte Menschen haben in den vergangenen Tagen gegen sexuelle Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz protestiert. Viele Teilnehmer, die sich als Opfer sexueller Übergriffe bezeichneten, liefen mit "#MeToo"-T-Shirts über den Hollywood Boulevard. Wie mit dem Fall Goodwin nun im UK-Regierungshaus umgegangen wird, ist bislang unklar. Cameron sagte, er sei "alarmiert und geschockt". 

dm

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