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Orlando Zehn Geschichten über die Opfer des Massakers

Orlando: Eric Ivan Ortiz-Rivera, Amanda Alvear und Luis Vielma
Im "Pulse"-Club in Orlando aus dem Leben gerissen: Eric Ivan Ortiz-Rivera, Amanda Alvear und Luis Vielma 
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Kimberly war noch neu im "Pulse"-Club. Edward kam gerade zurück aus Kuba. Eddie hatte sich eine Eigentumswohnung gekauft. Ihre Leben endeten, wie 47 andere, im Kugelhagel von Orlando.
Von Sophie Albers Ben Chamo

Mindestens 49 Menschen sind tot und mindestens 58 verletzt, nachdem ein 29-jähriger Mann seine Weltsicht über die der anderen gestellt und in einem LGBT-Club in Orlando (die Abkürzung LGBT steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) in Florida um sich geschossen und Geiseln genommen hat, die in den Sonntagmorgenstunden in einer heftigen Polizeiaktion befreit werden mussten.

Der erste Reflex nach Gräueltaten wie diesen ist es, alle Aufmerksamkeit auf den Täter zu richten. Dabei gehen die Opfer oft unter in der Berichterstattung über Motive, den Tathergang und die gesellschaftlichen und politischen Folgen. Dabei sind es doch gerade sie, die uns am meisten angehen.

Die Opfer von Orlando

Die Behörden in Orlando haben damit begonnen, die Namen der identifizierten Toten zu veröffentlichen. In den sozialen Netzwerken trauern Freunde und Familienangehörige. Noch immer gibt es Eltern und Freunde, die auf positive Nachrichten hoffen. 

Diese kurzen Geschichten von zehn Menschen sollen stellvertretend stehen für 49 sinnlos und brutal beendete Leben.

Eric Ivan Ortiz-Rivera
Eric Ivan Ortiz-Rivera
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Amanda Alvear
Amanda Alvear wurde 25 Jahre alt
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  • Luis Vielma war 22 Jahre alt und hat im Freizeitpark Universal Orlando an einer "Harry Potter"-Attraktion gearbeitet. Freunde beschreiben Vielma als gutherzigen, gut gelaunten, vertrauenswürdigen jungen Mann, der es liebte, Menschen zum Lachen zu bringen. Sonntagmittag hatte er auf Facebook noch ein Foto aus Disneyland gepostet, auf dem er mit Freunden posiert. Sein Ziel war es, Physiotherapeut zu werden, heißt es im "Orlando Sentinel". "Harry Potter"- Autorin JK Rowling hat sein Bild getwittert mit den Worten "Ich kann nicht aufhören zu weinen." 
  • Kimberly KJ Morris wurde nur 37 Jahre alt. Sie arbeitete als DJ und hatte im "Pulse"-Club gerade als Türsteherin angefangen. Sie war vor zwei Monaten von Hawaii nach Orlando gezogen, um ihre Mutter und Großmutter zu unterstützen. Sie war berühmt für ihr ansteckendes Lächeln, sagen Freunde. Sie sei sehr begeistert gewesen über den Neuanfang und froh, sich mehr in der LGBT-Community engagieren zu können. Morris war Basketball- und Martial-Arts-Fan.
  • Peter O. Gonzalez-Cruz war 22 Jahre alt, als er aus dem Leben gerissen wurde. Auf seiner Facebook-Seite hat er angeben, aus Benoni in Südafrika zu stammen. 2013 beendete er die Colonia High School in New Jersey. In Orlando hat er für UPS gearbeitet. Seine Freunde beschreiben ihn als wunderbaren Menschen, der gern gefeiert hat.
  • Edward Sotomayor Jr.: Der 34-Jährige arbeitete als Produktmanager für ein Reiseunternehmen in Sarasota. Sein Chef nennt ihn im "Orlando Sentinel" einen "extrem schlauen" Menschen, der mit Anfang 30 schon viel erreicht habe. Sotomayor Jr. war gerade aus Kuba zurückgekehrt. Er liebte das Reisen und hatte sein Hobby zum Beruf gemacht. Er war Spezialist für Reisen für Homosexuelle. Außerdem erinnert sein Chef sich an Sotomayor Jr.s Entschiedenheit, sich nicht einschüchtern zu lassen: "Wir dürfen keine Angst haben", habe er nach den Anschlägen von Paris im November 2015 gesagt. Sotomayor Jr. war mit seinem Freund im "Pulse".
  • Stanley Almodovar III. habe sich Samstagnacht lachend und singend auf den Weg ins "Pulse" gemacht, berichtet ein Freund. Der 23-jährige Pharmazie-Ingenieur sei ein "großartiger Mensch mit einer guten Seele" gewesen, zitiert der "Orlando Sentinel" seine Tante Yoly. Und er habe eine vielversprechende Zukunft gehabt. Er wurde tödlich getroffen, als er andere Menschen aus der Schusslinie schupste. Er sei sehr selbstbewusst mit seiner Homosexualität umgegangen, zitiert die "Washington Post" eine Freundin. Und er habe andere dabei unterstützt, ihren Platz in der Community zu finden. "Er war stolz darauf, wer er war."
  •  Eric Ivan Ortiz-Rivera hat für das Spielzeugunternehmen Toy"'R"Us gearbeitet. Er wurde 36 Jahre alt. Er sei aus Puerto Rico nach Florida gezogen, um Karriere zu machen, berichtet der "Orlando Sentinel". Ortiz-Rivera war als besonders hilfsbereit bekannt. "Er hat für seine Familie sehr viel aufgeben", wird sein Mitbewohner zitiert. Und er sei immer sehr großzügig gewesen.
  • Juan Ramon Guerrero war 22 und mit seinem Freund im "Pulse", der noch als vermisst gilt. Ihr Sohn habe sich bereits in der Highschool für ein vorurteilsfreies Miteinander von Homo- und Heterosexuellen stark gemacht, zitiert der "Orlando Sentinel" Guerreros Mutter. "Ich war deshalb so stolz auf ihn. Bitte, können wir nicht alle miteinander auskommen. Unsere Zeit auf der Erde ist so kurz, versuchen wir, von Hass und Gewalt abzulassen."
  • Luis Omar Ocasio-Capo war an diesem Sonntag 20 Jahre alt und sei für Menschen, die ihn kannten, ein "Sonnenschein" gewesen, wie "Metro.co.uk" berichtet. Er hat nach eigenen Angaben als Tänzer gearbeitet
  • Eddie Jamoldroy Justice war unter den Club-Besuchern, die von Marteen als Geiseln genommen wurden. Aus dem Toilettenraum heraus versuchte er, Hilfe zu holen, indem er seiner Mutter Textnachrichten schickte. Justice sei ein häuslicher Mensch gewesen, der als Buchhalter arbeitete und sich in Orlando eine Eigentumswohnung gekauft hatte, heißt es auf "Heavy.com".
  •  Amanda Alvear wurde nur 25 Jahre alt. Sie war mit einer Freundin im Club und gehörte wie Justice zu den Geiseln im Toilettenbereich. Von ihr ist nun ein kurzes Snapchat-Video aufgetaucht, in dem Schüsse zu hören sind. Die junge Frau aus Davenport machte gerade ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin. Sie mochte die Musik des Rappers Lil'Wayne und hat es genossen, mit ihrem Vater Actionfilme zu sehen.
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