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Fellbach bei Stuttgart: Vermisster Zehnjähriger wieder aufgetaucht – nahm ein Fremder den Jungen mit nach Hause?

Nach dem vorübergehenden Verschwinden eines Zehnjährigen in Baden-Württemberg ermittelt die Kripo. Laut Mutter des Jungen hat er die Zeit bei einem fremden Mann verbracht.

Vermisster

Der zehnjährige Junge wurde wohlbehalten seiner Mutter übergeben

Gegen 16.30 Uhr war das Bangen vorbei: "Breaking: Nils (Name von der Redaktion geändert) wurde gefunden!", postete die Mutter des Zehnjährigen am Donnerstagnachmittag überglücklich bei Facebook und bedankte sich bei allen Helfern.

Rund 20 Stunden lang war ihr Sohn bis dahin verschwunden. Am Mittwochabend gegen 21 Uhr wurde er bei der Polizei als vermisst gemeldet. Seine Mutter gab an, Nils habe nach einem Streit das gemeinsame Zuhause in Fellbach bei Stuttgart verlassen und sei nicht zurückgekehrt. Die Beamten begannen noch am Abend eine großangelegte Suchaktion, unter anderem waren zahlreiche Streifenwagenbesatzungen, ein Hubschrauber und Spürhunde im Einsatz – jedoch ohne Erfolg.

Was passierte in den 20 Stunden?

Am Donnerstagvormittag veröffentlichte die Polizei eine Beschreibung und ein Foto des Kindes. Es sei zu befürchten, dass sich der Junge in einer "hilflosen Lage befindet", teilten die Beamten mit und riefen die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche auf. Rund Viereinhalb Stunden nach Beginn der Öffentlichkeitsfahndung erkannte eine Passantin den Zehnjährigen in seiner Heimatstadt auf der Straße und alarmierte die Polizei. "Er konnte wohlbehalten aufgegriffen und an seine Mutter übergeben werden", so die Beamten anschließend. (Lesen Sie hier mehr zum Wiederauffinden des Kindes.)

Doch was geschah in der Zwischenzeit? Ihr Sohn sei noch am Abend in ein fremdes Auto gestiegen, schilderte seine Mutter jetzt. "Der Fahrer des Autos nahm Nils schließlich mit zu sich nach Hause. Dort hat Nils ein warmes Essen erhalten und durfte auch etwas an einer Konsole spielen."

Worte, die die Polizei hellhörig werden lassen. Die Kripo ermittle jetzt, was sich tatsächlich nach dem Verschwinden des Zehnjährigen zugetragen habe, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen auf stern-Anfrage. Sowohl der Junge als auch der Mann, bei dem er mutmaßlich Zeit verbracht hat, würden befragt. Die Mutter des Kindes erklärte: "Laut Nils wurde er sehr gut behandelt und es gab keinerlei Übergriffe oder dergleichen." Ob tatsächlich keine Straftat vorlag, sei Gegenstand der Ermittlungen, hieß es von der Polizei weiter. Wann sie abgeschlossen sein werden, ist noch unklar.

15.000 vermisste Kinder im Jahr

Im vergangenen Jahr wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) 15.395 Kinder als vermisst gemeldet, 15.072 Fälle davon konnten demnach geklärt werden, oftmals binnen 24 Stunden. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1951 habe es in der Bundesrepublik insgesamt 1869 ungeklärte Fälle vermisster Kinder gegeben. Bei mehr als der Hälfte handele es sich dabei um unbegleitete Flüchtlinge, sogenannte Dauerausreißer oder solche Kinder, die im Zuge von Sorgerechtsstreitigkeiten von einem Elternteil entzogen wurden. "Insgesamt ist festzuhalten, dass tagtäglich zwar viele Kinder als vermisst gemeldet werden, jedoch der Anteil der Kinder, deren Verbleib auch nach längerer Zeit nicht geklärt werden kann, sehr gering ist", so das BKA.

Quellen: Polizeipräsidium Aalen (1), Polizeipräsdium Aalen (2), Bundeskriminalamt, Facebook

wue