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Via Sprachnachricht "Sie haben auf das Camp geschossen": Deutsche Ex-IS-Anhängerin berichtet aus Gefangenenlager







Im Rahmen der türkischen Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien ist es offenbar zur Flucht zahlreicher Angehöriger von IS-Kämpfern gekommen. Laut Angaben der kurdischen Autonomieverwaltung seien 785 Frauen und Kinder aus dem Lager Ain Issa in Nordsyrien geflohen. Nach Informationen des stern befinden sich zunächst noch zahlreiche der Angehörigen vor Ort in dem Lager. Darunter auch die ehemalige IS-Anhängerin Elina Frizler mit ihren Söhnen Bilal und Hamza.


Sprachnachricht: "Ich bin Elina Frizler aus Hamburg und ich habe zwei Söhne. Und ich wurde von den Kurden ungefähr am 2. Februar 2018 festgenommen."


In Sprachnachrichten schildert die 29-Jährige aus Hamburg die Situation im Lager.


Sprachnachricht: "Jetzt sagen die Syrer hier zu uns, wir sind ja immer noch im Camp Ain Issa, und die sagen zu uns: 'Ihr geht raus, es kommt die Freie Syrische Armee (...) geht ihr nach da, geht ihr wieder zu den Kurden. Also seid ihr gerade umzingelt. Wenn ihr zu der Freien syrischen Armee geht, wird man euch festnehmen, ins Gefängnis stecken.‘"
        
Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verlässt ein Teil der Wachen das Lager, als es in der Nähe zu türkischen Luftangriffen und Gefechten kommt.


Sprachnachricht: "Heute Morgen um 12 Uhr ist ein Flugzeug hierher gekommen. Es ist einmal richtig heftig runtergekommen. Wir dachten, dass wir bombardiert werden. Aber es ist dann wieder weggeflogen. Wir haben alles von dem Flugzeug gesehen. Die Rückseite. Die Vorderseite. Und die Kurden haben sich auch erschrocken. Und dann um 13 Uhr haben die Kurden gesagt: ‘So, ihr seid frei.‘ Nach dem Flugzeug wurde ganz hinten in Ain Issa drei bis fünf Mal bombardiert. Und um 14 Uhr waren wir frei."


Elina Frizler gibt an, zunächst in einem benachbarten Flüchtlingscamp untergekommen zu sein.


Später berichtet die 29-Jährige davon, dass kurdische Kämpfer das Gefangenenlager für IS-Familienangehörige niederbrennen – auch Schüsse sollen gefallen sein.


Sprachnachricht: "Die Kurden sind heute Nachmittag gegen 15/16 Uhr zurückgekommen, haben auf das Camp geschossen und haben die Zelte angezündet. Die haben Benzin darauf gegossen und unsere Zelte verbrannt."


Letztlich entschließt sich Elina Frizler aus Angst vor der syrischen Armee dazu, das Flüchtlingscamp zu verlassen und in Richtung Türkei aufzubrechen.


Sprachnachricht: "Ich versuche jetzt so weit wie möglich – eine Tasche jetzt zu nehmen, meiner Kinder fertigzumachen. Damit wir rauskommen hier, weil es langsam gefährlich wird. Alle verlassen das Lager, auch die Syrer, die packen ihre Sachen. Sie verlassen das Lager. Warum? Weil Baschar al-Assad (Anmerkung der Redaktion: Beziehungsweise die Syrische Armee) kommen will."
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Während der türkischen Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien ist es offenbar zur Flucht zahlreicher Angehöriger von IS-Kämpfern gekommen. Auch die Hamburgerin Elina Frizler floh mit ihren Söhnen aus dem Lager in Ain Issa – aus Angst vor der syrischen Armee. 

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