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Flugzeugcrash bei Almaty Medien zitieren Absturz-Überlebende in Kasachstan - "Sind in etwas hineingekracht"


In Kasachstan verliert ein Passagierflugzeug kurz nach dem Start an Höhe und prallt gegen eine Betonmauer. Viele Menschen sterben. Die große Mehrheit der fast 100 Menschen an Bord überlebt jedoch wie durch ein Wunder.

In Kasachstan sind beim Absturz eines Passagierflugzeugs zwölf Menschen ums Leben gekommen. Zwischenzeitlich war von 15 Toten die Rede gewesen, diese Zahl wurde im Laufe des Tages nach unten korrigiert. Das Flugzeug mit 95 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern war kurz nach dem Start vom Flughafen der Millionenstadt Almaty abgestürzt und in ein Wohnhaus gekracht. Wie durch ein Wunder überlebten jedoch die meisten Insassen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden 53 Menschen verletzt, darunter auch neun Kinder.

Auf Videoaufnahmen der kasachischen Behörden war zu sehen, dass die Maschine der Billigfluglinie Bek Air bei dem Unglück in zwei Teile zerbrach. Ihr Bug hatte sich in ein zweistöckiges Wohnhaus gebohrt, das schwer beschädigt wurde. Im Schnee waren Rettungskräfte im Einsatz, um Überlebende aus dem Wrack zu bergen.

In Medien hieß es, auch die Überlebenden würden in Kliniken behandelt. Flughafen-Chef Bolat Jerschanow teilte mit, dass die Maschine am Morgen um 7.21 Uhr Ortszeit gestartet war und dann wenige Minuten später vom Radar verschwand.

Überlebende berichtet, wie sie den Absturz erlebte

Die BBC berichtete von Überlebenden, die den Ort des Absturzes und das Flugzeugwrack durch Schnee und Dunkelheit verlassen hätten. Ein Reuters-Reporter habe gesagt, zum Zeitpunkt des Absturzes habe dichter Nebel geherrscht. Ob dies jedoch im Zusammenhang mit dem Absturz steht, ist bislang völlig unklar.

Die BBC zitierte zudem Informationen einer lokalen News-Website. Eine Überlebende berichtete darin, die Maschine habe beim Start stark geschwankt. Zunächst habe es sich angefühlt, als sei das Flugzeug gelandet, erzählte die Frau. Doch in Wirklichkeit "sind wir in etwas hineingekracht". Chaos sei an Bord nicht ausgebrochen. "Es wurde nicht geschrien", wurde die Frau zitiert. Die Crew habe die Türen geöffnet, so dass die Passagiere hinaus konnten.

Maschine sollte nach Nursultan fliegen

Von den Behörden der Ex-Sowjetrepublik gab es über Stunden widersprüchliche Informationen zur Zahl der Toten und Verletzten. In ersten örtlichen Medienberichten nach dem Unglück war am Morgen noch von neun Toten und neun Verletzten die Rede gewesen, später von 15 Todesopfern. Nach Angaben des kasachischen Verkehrsministeriums hatte die Maschine am Morgen kurz nach dem Start vom Flughafen Almaty rasch an Höhe verloren. Sie prallte dann in eine Betonmauer und in ein zweistöckiges Gebäude in einem bewohnten Gebiet. Das Gebäude soll eine Baustelle und leer gewesen sein, berichteten Medien in der zentralasiatischen Republik. 

Die Maschine sollte von Almaty zur rund 1200 Kilometer entfernten Hauptstadt Nursultan (vormals Astana genannt) fliegen.

Die Lage am Boden war in den ersten Stunden nach dem Absturz zunächst unklar. Auf Bildern waren viele Rettungswagen in der schneereichen Region zu sehen. Sanitäter bemühten sich, die Insassen aus der schwer beschädigten Maschine zu bergen. Viele Passagiere haben demnach schwere Gehirnerschütterungen erlitten. Die Gesundheitsbehörden riefen die Menschen zu Blutspenden auf.

Nach kasachischen Behördenangaben waren auch vier Ausländer an Bord der verunglückten Maschine. Die zwei Bürger der Ukraine sowie je ein Staatsangehöriger aus China und Kirgistan hätten den Absturz überlebt, hieß es.

Pilot kam bei dem Absturz ums Leben

Das kasachische Notfallkomitee veröffentlichte eine Liste mit den Namen der zwölf Todesopfer. Neben dem Piloten kamen demnach auch elf Passagiere ums Leben. Acht Menschen, darunter der Flugkapitän, starben noch an der Absturzstelle. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums schwebten von den 53 Verletzten zunächst noch zehn Erwachsene in Lebensgefahr.

Die Ursache des Unglücks war zunächst unklar. Vize-Regierungschef Roman Skljar sagte, das Heck der Maschine habe beim Start zwei Mal die Start- und Landesbahn berührt. Es müsse aber noch geklärt werden, ob dies auf einen "Pilotenfehler" oder einen technischen Defekt zurückzuführen sei.

Präsident von Kasachstan will Verantwortliche "hart bestrafen"

Der kasachische Präsident Kassim-Schomart Tokajew sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte an, dass die Verantwortlichen des Absturzes "im Einklang mit den Gesetzen hart bestraft" werden sollten. Seine Regierung habe eine Kommission eingesetzt, um die Ursachen des Unglücks zu untersuchen. Den Familien der Todesopfer stellte Tokajew  Entschädigungsleistungen in Aussicht.

Die ölreiche Ex-Sowjetrepublik wird autoritär regiert und steht wegen schwerer Menschenrechtsverstöße international in der Kritik. Russlands Präsident Wladimir Putin schickte nach Kremlangaben ein Beileidstelegramm an Tokajew. An diesem Samstag ist in Kasachstan ein nationaler Trauertag angesetzt.

Der bekannte Geschäftsmann Aslan Nasaralijew, der bei dem Unglück in der Maschine gesessen hatte, veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite ein Foto seines Sitzplatzes in dem Flugzeug - direkt neben der Stelle, an der die Maschine in zwei Teile zerbarst. "Dank Allah bin ich am Leben und wohlauf", schrieb Nasaralijew.

Die Unglücksmaschine war nach Angaben der kasachischen Behörden 23 Jahre alt und hatte erst im Mai eine Sicherheitsüberprüfung bestanden.

Bek Air beschreibt sich auf der eigenen Website als das erste Billigflugunternehmen der ehemaligen Sowjetrepublik. Die Airline verfügt nach eigenen Angaben über eine Flotte von sieben Maschinen des niederländischen Typs Fokker-100. Kasachstans Regierung ordnete an, dass alle Flugzeuge dieses Typs vorerst am Boden bleiben müssen. Für Bek Air erteilte die Regierung für den Zeitraum der Untersuchung ein generelles Flugverbot.

Quellen (außer Agenturen): BBCBek Air

anb AFP DPA

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