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Absturz vor bald fünf Jahren: Germanwings: Witwe des ausgesperrten Piloten über ihr Leben nach der Katastrophe

Im März 2015 führte der Copilot einer Germanwings-Maschine absichtlich einen Absturz herbei und tötete dabei alle Insassen. Vergeblich versuchte der Flugkapitän, wieder ins Cockpit zu gelangen. Seine Witwe spricht nun über die Trauer nach dem Unglück.

Die Gedenkstätte am Fuß des Bergmassivs Les Trois Évêches in den französischen Alpen, erinnert an die Toten.

Die Gedenkstätte am Fuß des Bergmassivs Les Trois Évêches in den französischen Alpen, erinnert an die Toten.

Picture Alliance

Am 24. März 2015 ist der Germanwings-Flug 9525 auf seinem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, bis er über den französischen Alpen an Höhe verliert und gegen einen Berg prallt. Es gibt keine Überlebenden, die Maschine zerschellt an den Felsen.

Die Republik steht unter Schock. In den ersten Tagen ist die Ursache des Unglücks vollkommen unklar, auch ein Terroranschlag wird in Erwägung gezogen. Heute wissen wir, der Copilot Andreas Lubitz führte den Absturz absichtlich herbei. Um alleinige Kontrolle über die Maschine zu erlangen, sperrte er den Flugkapitän Patrick Sondenheimer zuvor aus dem Cockpit aus.

Die Ermittlungen zeigten, dass Sondenheimer noch versuchte, mit Gewalt die Tür zum Cockpit aufzubrechen, um die Maschine und seine Passagiere zu retten. Er soll dabei mit einer Axt auf die Tür eingeschlagen haben. Das wird aus den aufgezeichneten Geräuschen geschlossen. Vergebens, denn aus Angst vor Terroranschlägen waren die Türen verstärkt. Kollegen nannten ihn damals "einen unserer besten Piloten".

Erstes Interview der Witwe

Nun spricht seine Witwe Annika Sondenheimer, die im Düsseldorfer Landtag arbeitet, erstmals mit der "Rheinischen Post" über die Zeit nach dem Unglück. Als Ministerpräsidentin Hannelore Kraft damals den Landtag informierte, dass eine Maschine von Germanwings vermisst werden, musste Annika Sondenheimer sofort an ihren Mann denken. "Ich dachte, das könnte das Flugzeug meines Mannes sein", sagt sie heute. Doch ihr Sitznachbar habe sie zunächst beruhigt.

Mechanisches Funktionieren

Dann folgten quälende Stunden, bis gewiss war, dass das Flugzeug von Patrick Sondenheimer abgestürzt ist. Für Trauer sei zuerst keine Zeit geblieben, sie habe "eigentlich nur noch funktioniert". Weil ihr Haus von Kamerateams und Journalisten belagert worden sei, habe sie sich verstecken müssen.

Erst als herauskam, dass der Copilot den Absturz herbeigeführt hatte, habe dies aufgehört. Für sie ist heute wichtig, dass die Absturzursache ermittelt wurde. Und damit bewiesen wurde, dass ihr Mann keine Schuld an dem Unglück hatte. An den Spekulationen über den Zustand des Copiloten beteiligt sie sich nicht. "Ich habe mich nie zum Copiloten geäußert, und ich werde es auch jetzt und in Zukunft nicht tun", sagte Annika Sondenheimer im Gespräch mit der Zeitung.

Ihr Leben sei danach nicht mehr wie zuvor gewesen, sie hatte ihren Mann verloren, die kleinen Kinder den Vater.

Animation des Germanwings-Absturzes

Hilfe durch Trauerarbeit

Doch von ihrem Umfeld und den Kollegen ihres Mannes sei Annika Sondenheimer gestützt worden. Und sie erkannte, wie wichtig professionelle Trauerbegleitung ist. Nach dem Unglück habe sie ein Jahr normal weitergearbeitet, wie mechanisch. Dann sei ihre Kraft verbraucht gewesen. Sie habe sich eine Auszeit von 1,5 Jahren genommen und sich zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen. "Wir haben inzwischen einen stabilen Alltag, und Verlustängste gehören ebenso dazu wie die Erinnerungen."

Später gründete sie den Patrick Sondenheimer Stiftungsfonds. Er soll Hilfe für trauernde Kinder und Jugendliche ermöglichen. "In schwerwiegenden Lebenskrisen brauchen gerade trauernde junge Menschen qualifizierte Beratung", so Annika Sondenheimer. "Sie sollen zu einem Leben zurückfinden, in dem wieder Raum für Normalität, Zuversicht und Unbeschwertheit ist."

Quelle: Rheinische Post

Kra