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Langwieriger Prozess in Bayern: Fast eine halbe Million Euro Schaden: Student muss fürs Zerkratzen von Hunderten Autos in Haft

Um den Täter zu fassen, hatte die Polizei einst die Soko "Lackkratzer" gebildet. Nach einem langen Prozess fiel nun das Urteil: eine Gefängnisstrafe für das Zerkratzen Hunderter Autos.

Ein Mann steht neben einem Auto und hält einen Schraubenzieher in der Hand. Er trägt schwarze Handschuhe

So wie auf dieser nachgestellten Szene ging der Täter wohl in etwa vor. Im April 2018 wurde der "Lackkratzer" nachts von der Polizei festgenommen.

DPA

Weil er Hunderte Autos durch Zerkratzen beschädigt hat, muss ein junger Mann für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Schweinfurt in Bayern verurteilte den 26-Jährigen wegen Sachbeschädigung, wie ein Gerichtssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse Agentur am Freitag mitteilte.

Die Große Strafkammer sah es nach 24 Verhandlungstagen als erwiesen an, dass der Student insgesamt 406 Autos mit einem spitzen Gegenstand zerkratzt und dabei einen Schaden von rund 440.000 Euro angerichtet hatte. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Welches Motiv der Mann für seine Taten hatte, ist nicht bekannt. Der Prozess förderte seine Beweggründe nicht zutage – der Mann verweigerte die Aussage. Eine verminderte Schuldfähigkeit sah das Gericht nicht – ein psychiatrischer Gutachter hatte keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Täters festgestellt.

Der "Lackkratzer" trieb bis zu seiner Festnahme im April 2018 sein Unwesen

Mit dem Urteil bleibt das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren gefordert hatte. Zunächst hatte sie dem Angeklagten vorgeworfen, 642 Autos demoliert und damit einen Schaden von knapp einer Million Euro verursacht zu haben. Gegen Ende des Prozesses ging die Staatsanwaltschaft von fünf Serien zwischen Februar und April 2018 mit 405 beschädigten Fahrzeugen und knapp 663.000 Euro Schaden aus. 

Eine Sonderkommission namens "Lackkratzer" hatte wochenlang nach dem Täter gesucht. Schließlich konnte der Angeklagte im April 2018 auf frischer Tat gefasst werden. Eine Anwohnerin hatte nachts in Schweinfurt Kratzgeräusche gehört und die Polizei gerufen. Beamte trafen in Tatortnähe auf den heute 26-Jährigen. Er soll eine Schraube dabeigehabt haben.

anb / DPA