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Orthodoxe Juden Jüdischer Rabbi soll christlicher Undercover-Missionar aus den USA gewesen sein

Rabbi mit Tora-Schriftrollen
Der Rabbi soll das Vertrauen der Gläubigen erworben haben, um sie vom Christentum zu überzeugen (Symbolbild)
© photovs / Getty Images
Ein US-Amerikaner soll sich in Jerusalem als Rabbi ausgegeben haben, um orthodoxe Juden zum Christentum zu bekehren. Er selbst streitet die Vorwürfe ab.

Fünf Jahre lang galt Michael Elkohen unter den orthodoxen Juden im Jerusalemer Stadtteil French Hill als absolute Respektsperson. Als Rabbi kannte er sich hervorragend in der Tora aus und führte religiöse Zeremonien wie Beschneidungen von kleinen Jungen oder Hochzeiten durch. Doch all das soll Elkohen nur vorgespielt haben. In Wirklichkeit soll er Michael Elk heißen, US-Amerikaner sein und als Undercover-Missionar die Glaubensgemeinschaft unterwandert haben.

Diese Vorwürfe erheben zwei Organisationen, die in Israel die Mission unter orthodoxen Juden bekämpfen, gegen Elkohen. Der 42-Jährige soll das Vertrauen der Gläubigen erworben haben, um sie zum Christentum zu bekehren, berichtet die "Jerusalem Post". Elkohen soll zuvor sogar schon in einer anderen jüdischen Glaubensgemeinschaft als Missionar tätig gewesen und dort aufgeflogen sein. Seit insgesamt 15 Jahren soll er sich in Israel aufhalten, ursprünglich sollen Elkohen und seine Familie allerdings aus New Jersey stammen.

Rabbi soll ein Doppelleben geführt haben

Der Rabbi behauptet weiterhin, von Geburt an Jude zu sein. Zwar gibt er zu, der messianischen Bewegung angehört zu haben, die überzeugt ist, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Orthodoxe Juden lehnen dies ab. Elkohen beteuert, sich längst von den messianischen Juden abgewandt zu haben. Er habe "das Judentum gewählt", zitiert die "Jerusalem Post". Die Vorwürfe gegen ihn seien "eine Lüge".

Nach Überzeugung der Anti-Missions-Organisation Beyneynu soll Elkohen allerdings ein Doppelleben geführt haben. So habe er zwei Facebook-Profile gehabt: eines, auf dem er als Jude auftrat, und eines, auf dem er sich als Missionar präsentierte. Elkohen habe versucht, Einfluss in der jüdischen Community zu gewinnen, um die Gläubigen dann vom christlichen Glauben zu überzeugen.

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Christliche Großkirchen lehnen Judenmission ab

Angeblich sollen Elkohen und seine Frau 2006 mit gefälschten Papieren und Unterstützung einer evangelikalen Missionsgesellschaft aus den Vereinigten Staaten nach Israel eingewandert sein. Elkohens Frau starb im Februar nach längerer Krankheit, das Paar hatte fünf Kinder. Die mutmaßliche Undercover-Tätigkeit flog auf, als die 13-jährige Tochter in der Schule mit einer Mitschülerin über den christlichen Glauben sprach. Nach eigenen Angaben hatten die Organisationen, die christliche Missionare unter Juden aufspüren, schon länger Verdacht geschöpft.

Im Heiligen Land sorgt der Fall für Aufruhr: Die Gläubigen fühlen sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt, Abschriften der Tora, die Elkohen angefertigt hat, sollen verbrannt werden. Elkohen selbst drohen rechtliche Konsequenzen. Zwar ist es nicht grundsätzlich verboten, in Israel zu missionieren. Es existieren jedoch Grenzen. So ist die Missionierung von Minderjährigen ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten untersagt. Ob diese Vorwürfe auf Elkohen zutreffen, muss noch geklärt werden. Der angebliche Rabbi könnte aber unter anderem wegen Identitätsbetrugs und illegaler Einwanderung angeklagt werden.

Die Judenmission ist unter Christen höchst umstritten. In Deutschland wird das Thema spätestens seit dem Holocaust kontrovers diskutiert. Die Großkirchen haben sich klar dagegen ausgesprochen. In einer Erklärung der Evangelischen Kirche Deutschlands von 2016 heißt es, Christen seien "nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen". Diese würde "dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels" widersprechen. Die Katholische Kirche vertritt eine ähnliche Position.

Quellen: "Jerusalem Post" / "NewJersey.com" / Evangelische Kirche Deutschlands

epp

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