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Brand im Krefelder Zoo Gorilla-Mann Massa erschossen: So kam es zu den dramatischen Ereignissen im Affenhaus

Die Feuerwehr im Einsatz am Krefelder Affenhaus
Die psychologische Belastung war "immens": die Feuerwehr im Einsatz beim Krefelder Affenhaus
© Alexander Forstreuter / dpa
Die Ereignisse der Brandnacht im Krefelder Affenhaus waren viel dramatischer als bisher bekannt. Ein schwer verletzter Gorilla musste erschossen werden, weil das Narkotikum, um ihn einzuschläfern, nicht wirkte.

Die Ereignisse beim Brand im Krefelder Affenhaus in der Silvesternacht waren viel dramatischer als bisher bekannt. Das geht aus einem Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministeriums hervor. Dort heißt es, dass Einsatzkräfte erst am Morgen, nachdem das Feuer gelöscht war, drei überlebende Menschenaffen entdeckten. Die drei Tiere, zwei weibliche Orang-Utans und das Gorillamännchen Massa, waren so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden sollten. Da das verabreichte Narkotikum bei Massa nicht wirkte, tötete ein Polizist das leidende Tier mit mehreren Schüssen aus einer Maschinenpistole. 

Es war der Tiefpunkt einer traurigen Feuernacht. Die Einsatzkräfte mussten erleben, wie mehr als 30 Affen qualvoll zu Tode kamen, darunter fünf Orang-Utans, zwei Gorillas und ein Schimpanse. Sie verbrannten teilweise bis zur Unkenntlichkeit.

Polizei: Das war sehr belastend für den Kollegen

Polizei und Zoo hatten sich unmittelbar nach der Katastrophe entschlossen, die Informationen über den Todesschuss zunächst geheimzuhalten, um "dem emotionalen Schutz der beteiligten Personen (Tierärztin, Tierpfleger, Polizei)" zu gewährleisten, wie es in der gemeinsamen Pressemitteilung von Zoo und Polizei heißt. 

Der Bericht des Innenministeriums betont, dass die Einsatzkräfte und Mitarbeiter des Zoos unter einer "immensen" psychischen Belastung standen. Einige Mitarbeiter wurden und werden psychologisch betreut. Der Polizist, der den Affen tötete, gehört dazu. "Das war sehr belastend für den Kollegen", sagte eine Sprecherin der Polizei in Krefeld dem stern. "Es war ja auch kein alltäglicher Einsatz", Dennoch sei der Kollege "voll dienstfähig" wie die Sprecherin betonte.

Wie es zu der Tötung der drei schwer verletzten Menschenaffen kam, zeichnet der Bericht nach. Um 0.42 Uhr ging die erste Meldung bei der Polizei ein. Als die Beamten am Affenhaus eintrafen, brannte es bereits vollständig ("Vollbrand") und die Feuerwehr beschränkte sich darauf, eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Die Rettung der Tiere sei zu diesem Zeitpunkt aussichtslos gewesen, heißt es. Weil dort freilaufende Gorillas untergebracht waren, stellten sich einige Beamte schussbereit mit Maschinenpistolen auf, um jedes Risiko bei den Löscharbeiten zu vermeiden.

Massa stirbt erst um 10.15 Uhr am Neujahrsmorgen

Gegen 1:30 in der Nacht traf die Tierärztin des Zoos mit einem Narkosegewehr ein. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Einsatzkräfte allerdings davon aus, dass kein Affe das Inferno überlebt hat. Eine knappe Stunde später erhielt die Polizei erste Hinweise auf die Fluglaternen, die den Brand verursacht haben.

Um 4:40 Uhr teilte die Feuerwehr mit, dass der Brand gelöscht ist. Den Einsatzkräften war es aber nicht möglich, das abgebrannte Affenhaus zu betreten. Nach zwei Stunden kamen entgegen aller Erwartung Geräusche aus dem Affenhaus. Mitarbeiter des Zoos teilten der Polizei mit, dass einige Tiere vielleicht überlebt hätten. Um sich Gewissheit zu verschaffen, betraten die Tierärztin und ein bewaffneter Polizist das Gebäude, um nach überlebenden Affen zu suchen. Zunächst entdeckten sie zwei Schimpansen, die tatsächlich gerettet werden konnten.

Nach dem verheerenden Brand im Krefelder Zoo ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine 60 Jahre alte Krefelderin und ihre beiden erwachsenen Töchter. Die drei Frauen hätten sich selbst bei der Polizei gemeldet und dort angegeben, dass sie in der Silvesternacht fünf Himmelslaternen hätten aufsteigen lassen, sagten Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Man gehe davon aus, dass eine dieser Himmelsleuchten den Brand des Affenhauses verursacht habe. Dies werde aber derzeit noch genau geprüft, um andere Ursachen auszuschließen. Die anderen vier Leuchten habe man sichergestellt. Durch das Feuer war das Affenhaus abgebrannt, mehrere Menschenaffen starben. Kriminalhauptkommissar Gerd Hoppmann bezeichnete es als "sehr couragiert" und "hochanständig", dass sich die drei Frauen im Alter zwischen 60 und 30 Jahren selbst bei der Polizei gemeldet hätten. Es handele sich um "ganz normal bürgerliche Menschen". Die drei Frauen hätten die Himmelslaternen im Internet bestellt und dachten nach eigenen Angaben, dass es an Silvester erlaubt sei, sie steigen zu lassen. Tatsächlich sind sie aber in ganz Deutschland verboten. Gegen die drei Frauen wird nun wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Darauf steht ein Haft- oder Geldstrafe. "Für uns ist damit diese Tat weitgehend geklärt", sagte Hoppmann. Ein Feuerwehrsprecher sagte, man sei überrascht gewesen, wie schnell das Dach des Affenhauses gebrannt habe. Eine Sprinkler- oder Brandmeldeanlage habe es nicht gegeben, dies sei zum Zeitpunkt des Baus 1975 aber auch nicht vorgeschrieben gewesen. Eine Zoosprecherin sagte, das Haus sei völlig zerstört, die Überreste würden nach dem Ende der Ermittlungen abgerissen. Der Zoo werde voraussichtlich am Freitag wieder öffnen. Der Brandort werde mit Absperrungen versehen, um einen "Katastrophentourismus" so weit wie möglich zu verhindern. 2009 war in Siegen ein zehn Jahre alter Junge gestorben, weil ein Haus durch eine Himmelslaterne in Brand geraten war. Der Prozess gegen einen 23 Jahre alten Mann wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung wurde später gegen Auflagen eingestellt. Das Gericht sah nur eine geringe Schuld des Mannes, der den Lampion hatte aufsteigen lassen. Damals war das allerdings auch noch nicht verboten. Ein Brandsachverständiger sagte damals im Gericht, mit einer Himmelslaterne schicke man ein unkontrollierbar offenes Feuer in die Luft. Die leichten Papierhüllen könnten jederzeit in Brand geraten: Dann stürzen sie brennend als Fackel nach unten. Das ist ein wirkliches Höllenfeuer."
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Gegen 8:00 Uhr morgens fanden die Einsatzkräfte schließlich die drei schwer verletzten Tiere. Die Verbrennungen waren so stark, dass sie keine Überlebenschance hatten. Die Tierärztin schläferte die Orang-Utan-Weibchen mit einem Beruhigungsmittel ein. Bei Massa versagte das Narkotikum allerdings.

In Absprache mit allen Beteiligten entschloss man sich, Massa zu erschießen, um das Tier von seinem Leiden zu erlösen. Um 10.15 Uhr tötete ein Beamter nach Freigabe durch den Einsatzleiter Massa mit mehreren Salven aus der Maschinenpistole.

Quellen:  AFP, DPA, Bericht des NRW-Innenministeriums, Polizei Krefeld"RP online", "t-online"


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