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Zerstörtes Affenhaus abgesperrt: Krefelder Zoo nach Brand wieder geöffnet: "Wir befürchten Schaulustige"

Zwei Tage war der Zoo in Krefeld nach der Brandkatastrophe geschlossen, jetzt öffnet der Tierpark wieder. Allerdings sind Sicherheitsvorkehrungen nötig.

Viel Zeit für Pressearbeit hat der Krefelder Zoo derzeit nicht, zu viel Schlimmes ist zu Jahresbeginn passiert. Die Brandkatastrophe der Silvesternacht hat die Welt des Traditions-Tierparks aus den Angeln gehoben. Wer die Online-Präsenz des Zoos am Freitag Vormittag besuchte, stieß als erstes auf den Hinweis, dass dieser wegen des verheerenden Feuers "bis einschließlich 2. Januar geschlossen" bleibe.

Doch die News von der Schließung ist überholt – der Zoo hat seit Freitag früh um 9 Uhr wieder geöffnet, zwei Tage nach dem verheerenden Brand, bei dem mehr als 30 Tiere starben, darunter mehrere Menschenaffen.

Die Anteilnahme ist nach wie vor groß: Schon vor 9 Uhr warteten Besucher vor dem Gelände, berichtete ein dpa-Reporter. Und wie schon in den vergangenen Tagen entzündeten Menschen vor dem Eingang des Tierparks Kerzen als Zeichen von Trauer und Betroffenheit. Für die anhaltenden Beileids-Bekundungen will der Zoo ein Kondolenzbuch auslegen und eine provisorische Gedenkstätte einrichten, berichtet die dpa.

Krefelder Zoo hat abgebranntes Affenhaus stark gesichert

So ganz risikolos ist die Wiedereröffnung des Zoos so kurz nach der Brandkatastrophe nicht. Um einen Ansturm von Katastrophentouristen zu verhindern, wurde das Gelände um das niedergebrannte Affenhaus stark gesichert, wie die "Westdeutsche Zeitung (WZ)" online berichtete. Der betroffene Abschnitt sei weiträumig abgesperrt, damit die Tierpark-Besucher möglichst wenig von dem verbrannten Gebäude sehen können, sagte eine Sprecherin des Zoos dem Blatt. "Wir können verstehen, dass sicher viele von euch das Gebäude besuchen möchten, um Abschied zu nehmen; allerdings befürchten wir auch Schaulustige und bitten daher um Verständnis für diese Maßnahme", schrieb der Zoo auf seiner Facebook-Seite.

Am Tag zuvor habe man der Presse die Zerstörungen gezeigt, berichtete die "WZ". Von dem Affenhaus ist außen nur noch ein Metallgerippe übriggeblieben, die Gehege und die Scheiben sind komplett zerstört. Agenturmeldungen zufolge ist das völlig ausgebrannte Gebäude einsturzgefährdet.

Der Brand in der Neujahrsnacht war von schwebenden Lichtern mit offenem Feuer, sogenannten Himmelslaternen, ausgelöst worden. Drei Frauen hatten die illegalen Laternen entzündet und so das Feuer ungewollt ausgelöst, das sich rasend schnell ausbreitete. Sie hatten sich selbst bei der Polizei gemeldet und müssen sich voraussichtlich wegen fahrlässiger Brandstiftung verantworten.

Der Krefelder Zoo hat Mitleid mit den mutmaßlichen Verursacherinnen: "Unser Mitgefühl ist auch bei den drei Frauen", sagte die Zoosprecherin der dpa. Der "unglaublich tragische Unglücksfall" werde alle, auch die Frauen, ein Leben lang begleiten.

Das Entsetzen darüber, wie solch ein Silvesterritual eine so massive Tragödie auslösen kann, ist groß. Viele Menschen wollen jetzt helfen, es gibt eine große Spendenbereitschaft. Bis Mittwochmittag berichtete der Tierpark von mehr als 4000 Geldspenden, die von unterschiedlichen Menschen eingegangen seien. Wie hoch der Brandschaden ist, habe noch nicht ermittelt werden können, zitierte die Nachrichtenagentur AFP die Sprecherin des Zoos. In Presseberichten ist von einem vermuteten Millionenschaden die Rede. Jedoch sei der schlimmste Schaden immaterieller Natur, sagte die Sprecherin, da dem Feuer vom Aussterben bedrohte Tiere zum Opfer gefallen seien.

Zoo in Karlsruhe erinnert sich an seine eigene Brandkatastrophe

Anteilnahme und Unterstützung bekommt der Tierpark auch aus der Branche. Beim Zoo in Karlsruhe etwa löste der verheerende Brand böse Erinnerungen aus: Dort hatte sich vor fast zehn Jahren eine ähnliche Katastrophe ereignet: Bei einem Brand im Streichelgehege kamen alle Tiere zu Tode. Ursache sei damals ein Kurzschluss gewesen, sagte ein Zoo-Sprecher den "Badischen Neuesten Nachrichten". Die Elefanten im angrenzenden Bereich habe man gerade noch rechtzeitig retten können.

Unterstützung bot der Rostocker Zoo dem Tierpark in Krefeld an. "Wir werden schauen, inwieweit wir im Rahmen unserer Nachzucht mit Tieren, zum Beispiel Orang-Utans, helfen können", sagte Tierparkddirektor Udo Nagel der "Ostsee-Zeitung". Und die Rostocker Zookuratorin Antje Angeli sagte bei NDR 1 Radio MV, man könne bei der Planung für einen Neuanfang helfen. Beide Tierparks hätten bereits jetzt eine enge Zusammenarbeit. "Und hier im Zoo leben zwei Gorillas, die von Gorillas abstammen, die im Zoo in Krefeld gelebt haben."

Tierpark in Krefeld dankbar für Solidarität

So viel Anteilnahme tröstet die Verantwortlichen des Krefelder Zoos vielleicht ein wenig. "Wir bedanken uns auf diesem Weg für die überwältigende Welle an Mitgefühl und Hilfsangeboten, die uns auf allen Kanälen erreichen. Das trägt unsere Mitarbeiter. Wir danken auch für die Solidarität in den sozialen Netzwerken. Wir lesen alles, aber schaffen es noch nicht, darauf zu antworten“, schreibt der Zoo auf seiner Website – in derselben Meldung, in der es heißt, das Tierpark sei "bis einschließlich 2. Januar geschlossen". Dieser Teil der Meldung, die Danksagung, ist noch immer hochaktuell.

Quellen: Website des Krefelder Zoos, "Westdeutsche Zeitung", "Badische Neueste Nachrichten"

anb