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"Aus moralischen Gründen": Agrarminister Schmidt will "ab Sommer" aus Kükenschreddern aussteigen

Männliche Küken, die in deutschen Mastbetrieben heute oder in den nächsten Wochen schlüpfen, haben noch Pech – für die meisten ist das Leben sofort wieder vorbei. Ab Sommer aber soll Schluss sein mit dem Kükenschreddern in Deutschland. Zumindest schrittweise.

Das Schreddern männlicher Küken ist hierzulande erlaubt. Für Brütereien ist es günstiger, die Tiere zu töten als sie aufzuziehen

Das Schreddern männlicher Küken ist hierzulande erlaubt. Für Brütereien ist es günstiger, die Tiere zu töten als sie aufzuziehen

Es gibt wohl kaum eine Praxis, die die Grausamkeit der Massentierhaltung so deutlich illustriert wie das industrielle Töten männlicher Küken. Die Tiere sind aus Sicht der Industrie wertlos, denn Hähne legen keine Eier und werden auch nicht so fett. Deshalb werden sie industriell getötet. Tierschützer gehen davon aus, dass hierzulande jährlich bis zu 50 Millionen männliche Küken gleich nach dem Schlüpfen vergast oder in den Schredder geworfen werden.

Kükenschreddern aus wirtschaftlichen Gründen erlaubt

Einige Biobetriebe haben der Praxis inzwischen abgeschworen. Verboten ist sie nicht, obwohl es schon heftigen juristischen Streit darum gab. Und ein Verbot ist auch nicht in Sicht. 2016 erst hatte das Oberverwaltungsgericht Münster das Töten der Tiere gebilligt. Die Aufzucht der ausgebrüteten männlichen Küken sei für die Brütereien mit einem unverhältnismäßig großen Aufwand verbunden, so damals die Begründung.

Dennoch – das Ende dieser Praxis kommt offenbar langsam in Sicht: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt  sagte jetzt dem "Kölner Stadt-Anzeiger", er wolle das millionenfache Schreddern männlicher Küken ab diesem Sommer beenden. Hintergrund seiner Aussage ist eine Technik, mit der man das Geschlecht schon im Ei per Laser bestimmen kann und an der Forscher seit Längerem arbeiten. Ausgebrütet werden sollen dann nur noch die Eier mit den weiblichen Küken.

Einen Praxistest für die diese "Spektroskopie-Technologie" bezeichnetet der CSU-Politiker als "Einstieg in den Ausstieg". Er wolle das "aus moralischen Gründen völlig inakzeptable" Töten männlicher Küken "schnellstmöglich beenden."

Besonders eilig scheint er es aber weiterhin nicht zu haben – Schmidt nannte auch jetzt wieder kein konkretes Datum. Schon in früheren Interviews hatte ebenfalls immer wieder vage angekündigt, das Kükenschreddern werde eines Tages beendet.

 "Keine Ausrede" mehr für Brütereien 

Auch ein Gesetz ist nach wie vor nicht geplant. Schmidt betonte, es gebe hierzu keine EU-weite Regelung. Sobald die Spektralanalyse flächendeckend verfügbar sei, dürften Kostengründe für die Tötung männlicher Küken "keine Ausrede" für Brütereien mehr sein.

Und werden die Eier im Supermarkt dann teurer? Schmidt rechnet mit "kaum bemerkbaren Mehrkosten "für die Verbraucher. Der Einsatz von Spektroskopen koste die Betriebe einen niedrigen einstelligen Cent-Betrag.

Tierschützern dürfte die Aussage viel zu vage sein. Denn es liegt an den Brütereien, von selbst mit dem Massentöten aufzuhören, wenn sie die neue Technik einführen. So werden auch weiter Millionen von Küken hierzulande geschreddert. Ab Sommer aber vielleicht ein paar weniger.


Youtube-Wachtel Albert: Dieses niedliche Küken ist aus einem Supermarkt-Ei geschlüpft


anb
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?