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Matteo Messina Denaro: Der Mafiaboss, der einfach verschwand

Matteo Messina Denaro ist Mörder, Drahtzieher, angeblich der ganz große Boss der sizilianischen Mafia. Und er ist flüchtig – seit 24 Jahren. Über einen Schwerverbrecher, der einfach verschwand.

Die letzten Fotos von Matteo Messina Denaro stammen aus den 90ern.

Die letzten Fotos von Matteo Messina Denaro stammen aus den 90ern.

Dieser Artikel erschien zum ersten Mal am 18. Mai 2017. Am Dienstag wurde der Unternehmer Vito Nicastri in Sizilien verhaftet. Er steht im Verdacht, Messina Denaro zur Flucht verholfen und ihn finanziell unterstützt zu haben. Insgesamt wurden zwölf Personen in Haft genommen. Matteo Messina Denaro ist noch immer flüchtig. Aus aktuellem Anlass bieten wir den Artikel noch einmal an.

altert nicht. Seine Haare sind noch genauso voll wie vor 20 Jahren, das Gesicht zeichnet keine Falte mehr, die Brille trug er schon immer. Matteo Messina Denaro, 55 sieht im kollektiven Gedächtnis Italiens noch genauso aus wie irgendwann Anfang der 90er. Aus dieser Zeit stammen die letzten Fotos, die ihn zeigen. Seitdem nichts mehr. Kein Bild, kein Wort, keine Spur. 1993 tauchte Denaro unter. Und er tauchte nie wieder auf.

Messina Denaro trägt viele Namen. Einige nennen ihn " ", weil er neben schönen Frauen und schnellen Autos auch teure Uhren liebt. Andere nennen ihn "Diabolik", von "diavolo", Teufel, als Hommage an seine blutige Geschichte. Denaro, der Killer, der Drahtzieher, der angeblich ganz große Boss der sizilianischen Mafia "Cosa Nostra". "Mit meinen Opfern", soll Denaro einmal geprahlt haben, "lässt sich ein Friedhof füllen." Seinen ersten Mord soll er im zarten Alter von 18 Jahren begangen haben, mittlerweile werden ihm über 50 angelastet. Deshalb trägt Denaro noch einen weiteren Namen: "capo dei capi", Boss der Bosse.

Mafia-Anschläge in : Denaros Name fällt immer wieder

Der "Boss der Bosse", das waren früher andere. Doch Bernardo Provenzano – ein walzenartiger Killer und deshalb "Binnu, der Traktor" – wurde vor gut zehn Jahren verhaftet und ist jetzt tot. Salvatore "Toto" Riina – "die Bestie" – sitzt seit 1993 hinter schwedischen Gardinen. Den Traktor, die Bestie und Rolex, sie alle sollen mehrere blutige Verbrechen verbinden. Eines davon ist das Attentat von Capaci. Der Mordanschlag auf jenen Mann, dem heute noch nachgesagt wird, er hätte die Mafia Anfang der 90er zur Strecke bringen können.

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Ganz in der Nähe von Capaci, einer kleinen Gemeinde auf Sizilien, detonierten am späten Nachmittag des 23. Mai 1992 unter der Autobahn rund 500 Kilogramm Sprengstoff. Die Straße flog in die Luft und mit ihr Mafiajäger Giovanni Falcone, der mit Ehefrau Francesca und Sicherheitsschutz zum seinem Wochenendhaus nach Palermo unterwegs war. Provenzano und Riina galten schnell als Auftraggeber des Blutbads. Heute, 25 Jahre danach, taucht Messina Denaros Name in den Ermittlungsakten immer öfter auf. In diesen Tagen läuft auf Sizilien ein Prozess gegen ihn an. Es wird ein Verfahren in Abwesenheit des Angeklagten. Messina Denaro wird nicht kommen. 

Einer der meistgesuchten Schwerverbrecher der Welt

Anders als und Riina sah Denaro Haftanstalten nie von Innen. Weder in seiner Jugend, noch als er älter wurde. Als er 1993 ins Visier der Ermittler geriet, ergriff er die Flucht und schrieb an seine damalige Freundin: "Das ist eine große Schande, ich bin unschuldig. Mein Kreuzweg hat begonnen, ich habe ein reines Gewissen. Ich hoffe, dass Gott mir hilft." Den Brief hat die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Dienstag online veröffentlicht.

Computersimulation: So könnte Matteo Messina Denaro heute aussehen.

Computersimulation: So könnte Matteo Messina Denaro heute aussehen.

Aktuell gilt Matteo Messina Denaro als einer der meistgesuchten Schwerverbrecher der Welt, extrem gefährlich. Wie "Il Corriere della Sera" berichtet, gab der italienische Staat bisher Abermillionen Euro aus, um Denaro zu finden und dingfest zu machen. Rund 200 Beamte von Polizei und Carabinieri arbeiten an dem Fall, die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft von Palermo und Caltanissetta geleitet. Die Ermittler sind abgeschirmt, Informationsaustausch findet nur auf höchster Ebene statt, zu groß ist die Angst, ein Maulwurf könnte sich einnisten und die Ermittlungen zunichte zu machen.

Doch auch so ist die Bilanz nach 24 Jahren Fahndung bitter: Polizei und Carabinieri verhafteten Denaros Bruder, seine Schwester, seinen Schwager, seinen Neffen – praktisch die gesamte Verwandtschaft und oft kam es zu Verurteilungen. Doch während seine Familie im Gefängnis sitzt, hält es Matteo Messina Denaro ganz wie sein Vater: Francesco Messina Denaro, auch er Mafia-Boss, erwischten die Ermittler erst dann, als er 1998 einem Herzinfarkt erlag. 

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pg