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Missbrauchsfall: Er wanderte aus, um sich an Kindern zu vergehen - jetzt muss er sich in seiner Heimat verantworten

In Großbritannien kündigt sich ein einmaliger juristisch Vorgang an. Ein Pädophiler muss sich für seine Taten verantworten, die er auf den Philippinen begangen haben soll. Der Mann ist im Vereinigten Königreich berüchtigt.

Douglas S. 2015 kurz vor seiner Auslieferung an Großbritannien

Douglas S. 2015 kurz vor seiner Auslieferung an Großbritannien

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Douglas S. kam 30 Jahre lang mit seinen Taten davon. Doch im Juli 2016 konnte ein britisches Gericht den damals 75-jährigen Pädophilen zu 24 Jahren Haft verurteilen. Ihm wurde der von mindestens fünf Jungen zwischen 1965 und 1980 nachgewiesen. An wie vielen Kindern er sich in Großbritannien tatsächlich vergriffen hat, ist unklar.

An diesem Dienstag steht er erneut vor dem Höchsten Gericht in London unter Anklage. Fünf junge Männer von den wollen Douglas S. zur Rechenschaft ziehen. Er soll sie während seines 30-jährigen Aufenthalts im Inselstaat vergewaltigt haben. Ein erster Verdacht wurde bereits vor zwei Jahren laut. Der Prozess ist ein juristisch einmaliger Vorgang. Nie zuvor habe ein britisches Gericht sich mit solchen Taten befasst, die im Ausland stattfanden, berichtet der Sender BBC. Die mutmaßlichen Opfer wollen per Videoschalte aus Manila ihre Aussagen vortragen.

Missbrauch-Berichte häuften sich in den 1990er Jahren

Schon in den 1970er Jahren hatte sich der Mann in der Boulevardpresse den Titel "Niederträchtigster Mann Britanniens" eingehandelt. Erste Gerüchte über Missbrauch wurden ruchbar. Das war für Douglas S. umso heikler, da er als Gründer der Organisation "Paedophile Information Exchange" den einvernehmlichen Sex zwischen Kindern und Erwachsenen propagierte. 1985 setzte er sich dann in die Philippinen ab, erst 2015 war das Land zu seiner Auslieferung bereit.

Für Douglas S. hat sich das Exil im Inselstaat gelohnt. Er brachte es dort mit seinem Lieferdienst zu einem gewissen Wohlstand, berichtet die britische Zeitung "Daily Mail". Doch auch in seiner neuen Heimat ließ er nicht von seinen pädophilen Neigungen ab. Laut den Recherchen des Senders BBC zog er bewusst in eine sehr arme Wohngegend. Schon damals hätten sich Familien darüber beschwert, dass Douglas S. ihre Kinder in sein Haus gelockt habe und sie sexuell missbrauchte. Doch die philippinischen Behörden blieben machtlos. Ermittlungen liefen ins Leere. Der Mann soll laut "Daily Mail" drohende Klagen von Mitte der 1990er Jahre mit Schweigegeldern abgewürgt haben.

Anwälte feiern allein den Prozess als Sieg für die Opfer

Vier Männer und ein Jugendlicher wollen sich damit aber nicht abfinden. Der jüngste unter ihnen soll zehn Jahre alt gewesen sein, als Douglas S. sich damals an ihm Vergriff. Gegenüber der erzählt eines der mutmaßlichen Opfer, es traue sich seit der Vergewaltigung nicht mehr aus dem Haus. Nachbarn würden es meiden. Ein Vater bekräftigt, er habe sich damals nicht von Douglas S. mit Geld zum Schweigen bringen lassen.

Ein beteiligter Rechtsanwalt feiert allein als Erfolg, dass der Prozess stattfindet. könnten nun auch in ihrer Heimat für Taten verantwortlich gemacht werden, die sie im Ausland begangen haben. Auch Opferverbände auf den Philippinen jubeln. Von Douglas S. ist zu der ganzen Sache nur wenig zu hören. Er wischte im Vorfeld der Verhandlungen alle Vorwürfe als "ausgemachte Lüge" beiseite.

Video: Kardinal Marx: Missbrauchs-Opfer haben Anspruch auf Gerechtigkeit
sos