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Oktoberfest-Ersatz Trotz steigender Corona-Infektionen: München feiert "Wirtshaus Wiesn"

München feiert die "Wiesn light"
München feiert die "Wiesn light" - Alkohol ist auf der Theresienwiese zu Corona-Zeiten allerdings verboten
© Peter Kneffel / DPA
Das Oktoberfest ist abgesagt, aber ganz wollen die Münchner nicht auf ihre Wiesn verzichten. Am Wochenende findet die sogenannte "Wirtshaus Wiesn" statt - trotz steigender Corona-Infektionen in der bayerischen Landeshauptstadt.

Am Freitag hat München die kritische Marke von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner überschritten, dennoch startet am Samstag die sogenannte "Wirtshaus Wiesn". Als Ersatz für das abgesagte Oktoberfest wollen Wirte ab Samstag in mehr als 50 Wirtshäusern mit Bier, Hendl und Musik etwas Volksfeststimmung schaffen. Stets unter Einhaltung der Coronaregeln wird betont. Ob das klappt, ist fraglich.

"Achten Sie bitte stets auf die Einhaltung Ihres Schutz- und Hygienekonzepts, Maskenpflicht, Abstandsgebot und alle Vorgaben der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung", ermahnte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Gastwirte: "Sie haben es vor allem auch selbst in der Hand, weitere Einschränkungen durch die notwendige Sensibilität und Achtsamkeit zu verhindern."

Zwar gilt aus Angst um mögliche wilde Wiesn-Sausen auf der Theresienwiese ein Alkoholverbot. Aber zahlreiche Feierwillige haben sich im Vorfeld bereits via Social Media zu Partys auf der Theresienwiese verabredet. Die Stadtspitze richtete einen eindringlichen Appell an die Münchner, dem Wiesn-Areal fernzubleiben.

Alkoholverbot auf der Theresienwiese

"Geht in das Wirtshaus eurer Wahl, egal ob zuhause oder in München, geht nicht auf die Wiesn, feiert im Wirtshaus, das ist einfach besser", appellierte der Münchner Wirtschaftsreferent und städtische Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner im Bayerischen Rundfunk. Wer beim Konsum oder Verkauf von Alkohol auf der Theresienwiese erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Die Münchner Gastronomen knüpfen mit der "Wirtshaus Wiesn" an das allererste Oktoberfest im Jahr 1810 an. Denn damals wurde zwar auf der Theresienwiese eine königliche Hochzeit mit Pferderennen gefeiert. Gegessen, getrunken und gesungen wurde in den umliegenden Wirtshäusern, wie die Stadt erläuterte.

Lautstarke Kritik an "Wirtshaus Wiesn"

Trotzdem mehren sich kritische Stimmen. Auf Twitter wird unter anderem angemerkt, dass ältere Schüler infolge der steigenden Corona-Infektionen am Montag in München mit Maske in der Schule sitzen müssten, am Wochenende aber in den Wirtshäusern gefeiert werde. "Die Kinder müssen sich einschränken, die doofe 'Wirtshaus Wiesn' darf stattfinden", schrieb ein Nutzer. Ein anderer fand es "unverantwortlich", die Veranstaltung in der aktuellen Situation nicht abzusagen. 

Auch Ärzte haben sich bereits skeptisch geäußert. "Angesichts steigender Zahlen an Neuinfektionen mit Covid-19 sehe ich eine 'Wiesn light' eher skeptisch bis sorgenvoll", sagte der Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing, Clemens Wendtner vor wenigen Tagen.

München hatte am Freitag mit 50,7 den Grenzwert überschritten, ab dem verstärkte Infektionsschutzmaßnahmen vorgesehen sind. Anfang der Woche will sich ein Krisenstab treffen. Oberbürgermeister Reiter sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Ich glaube nicht, dass wir weitergehende Maßnahmen schon am Montag treffen werden. Sondern da müsste schon der Wert entweder deutlicher steigen oder über längere Zeit über 50 bleiben. Das werden wir erst Mitte der nächsten Woche, Ende der nächsten Woche sehen." Dann würden die nächsten Entscheidungen getroffen. 

jum/DPA

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