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Anschlag auf Homosexuellenclub: Ex-Frau und -Mitschüler: Attentäter von Orlando war selbst schwul

Was waren die Motive von Omar Mateen? Zwei Tage nachdem der 29-Jährige im Homosexuellenclub Pulse in Orlando 49 Menschen tötete, häufen sich Hinweise darauf, dass er möglicherweise selbst schwul war.

Omar Mateen macht ein Selfie

"Manchmal war er so betrunken, dass er laut und aggressiv wurde": Omar Mateen war laut Augenzeugen selber häufig Gast in dem Schwulenclub Pulse in Orlando, in dem er 49 Menschen tötete.

Was trieb Omar Seddique Mateen dazu, von seinem Wohnort Port St. Lucie zum rund 170 Kilometer entfernten Homosexuellenclub Pulse zu fahren, um dort 49 Menschen niederzumetzeln? Zwei Tage nach dem blutigsten Schusswaffenattentat in der jüngeren Geschichte der USA ist das Motiv des 29-Jährigen noch immer unklar. Mateen hatte sich vor seiner Tat zum Islamischen Staat bekannt und wurde als äußerst schwulenfeindlich beschrieben. Doch nun mehren sich Hinweise darauf, dass der Attentäter selbst homosexuell gewesen sein könnte.

Ex-Mitschüler erzählt von gemeinsamen Barbesuchen

Er glaube, Mateen sei schwul gewesen, berichtete ein ehemaliger Klassenkamerad, der im Jahr 2006 mit dem Attentäter einen Polizeilehrgang am Indian River Community College besucht hatte, der "Palm Beach Post". Er habe mit ihm und anderen Mitschülern herumgehangen und manchmal hätten sie nach dem Unterricht Nachtclubs für Schwule besucht. Mateen habe ihn gefragt, ob er mit ihm romantisch ausgehen würde, er habe aber abgelehnt.

Der Mitschüler, der darum gebeten habe, dass sein Name nicht gennant werde, glaube, dass Mateen schwul war, damit aber nicht offen umgegangen sei, berichtet die Zeitung weiter. Der Attentäter sei irgendwie unangenehm gewesen und eine Weile hätte er den Klassenkameraden und den anderen aus der Freundesgruppe leid getan. "Er wollte sich einfach nur einfügen und niemand mochte ihn", zitiert die "Palm Beach Post" ihre anonyme Quelle. "Er war immer sozial ungeschickt."

Mateen "hatte schwule Neigungen"

Auch Omar Mateens Ex-Frau, Sitora Yusufiy, berichtete, dass ihr geschiedener Mann möglicherweise schwul war. Yusufiy lebt mittlerweile mit einem Brasilianer zusammen im US-Bundesstaat Colorado. Dort gab das Paar dem brasilianischen TV-Sender SBT Brasil ein Interview.

In dem Gespräch habe Yusufiy erzählt, dass Mateen homosexuelle Neigungen gehabt habe, berichtet SBT. Yusufiys Lebensgefährte sagt vor laufender Kamera über Mateen: "Er hatte schwule Neigungen." Yusufiy habe ihm gesagt, dass Mateens Vater ihn mehrfach als schwul bezeichnet habe.

Vater erklärt, nur Gott solle Homosexuelle bestrafen

postete laut "Vice News" am Montagmorgen ein mittlerweile gelöschtes Video, in dem er erklärte: "Die Bestrafung für Homosexualität ist Gottes Sache, und er wird über sie entscheiden, nicht Menschen." Was sein Sohn getan habe, habe ihn schockiert. Das Posting kann als Aufruf an Islamisten gesehen werden, sich nicht zum Richter über die im Islam weitgehend geächtete Homosexualität aufzuspielen. Es impliziert für viele Beobachter aber auch eine kritische Grundhaltung zu gleichgeschlechtlicher Partnerschaft.


Doch es gibt weitere Indizien dafür, dass der Attentäter schwul gewesen sein könnte. So war Mateen Medienberichten zufolge bereits seit etwa drei Jahren häufiger Besucher des Nachtclubs Pulse, in dem er seine Bluttat verübte. Mehrere Augenzeugen berichteten dem "Orlando Sentinel", sie hätten ihn mehrfach in dem Club gesehen.

"Manchmal saß er in der Ecke und trank alleine, und manchmal war er so betrunken, dass er laut und aggressiv wurde", sagte der Pulse-Gast Ty Smith der Zeitung. Er habe Mateen dort mindestens ein dutzend Mal gesehen. "Wir haben nicht viel mit ihm geredet, aber ich kann mich erinnern, dass er etwas über seinen Vater gesagt hat", berichtete Smith. "Er erzählte uns auch, dass er Frau und Kind hat." "Er ist seit mindestens drei Jahren in diese Bar gegangen", zitiert die "Canadian Press" Smiths Ehemann Chris Callen.

Attentäter von Orlando nutze Dating-App für Schwule

Andere Augenzeugen erklärten, Mateen habe auch eine bei Schwulen populäre Dating-App benutzt. Er habe etwa ein Jahr lang immer wieder über eine Dating-App für Schwule Kontakt mit Mateen gehabt, berichtete der Pulse-Stammgast Kevin West der "Los Angeles Times". Auch andere Männer sagten in US-Medien, sie hätten über diverse einschlägige Kontakt-Apps in Verbindung mit Mateen gestanden; dieser habe Bekanntschaften für Begegnungen gesucht.

Solche Handy-Apps wie etwa das sehr populäre "Grindr", das laut Zeugen auch von Mateen genutzt wurde, sind bei vielen schwulen Männern beliebt, um unkomplizierte Begegnungen - auch sexueller Natur - zu arrangieren.

FBI schildert wirre Motivlage

Den Berichten zufolge sind die Informationen auch Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen zur Motivlage. "Wir werden in die Zukunft schauen und in die Vergangenheit", versprach FBI-Direktor James Comey. "Kein Stein bleibt auf dem anderen." Er hatte nach ersten Erkenntnissen ausgeschlossen, dass der Attentäter von einem internationalen Terrornetzwerk Instruktionen erhalten hatte.

Comey schilderte eine sehr verworrene Motivlage des Attentäters. Der Schütze habe sich während der Attacke in drei kurzen Telefonaten sowohl zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bekannt als auch zu den Attentätern des Boston-Marathons und zur islamistischen Al-Nusra-Front. Vor einigen Jahren habe er gesagt, er sympathisiere mit der libanesischen Hisbollah-Miliz und mit Al-Kaida. Diese Organisationen rivalisieren aber, die Boston-Attentäter wiederum haben mit dem IS nichts zu tun.


mad, mit DPA/AFP