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Anschlag auf Homosexuellenclub: Was trieb den Attentäter von Orlando - weiß seine Frau mehr?

Islamismus, Schwulenfeindlichkeit, Selbsthass: Die Suche nach einem Motiv des Attentäters von Orlando ist kompliziert. Während mehrere Opfer noch mit dem Tode ringen, hat das FBI auch Omar Mateens Frau ins Visier genommen.

Der Massenmörder von Orlando, Omar Mateen

Der Massenmörder von Orlando, Omar Mateen: Nach seinem Angriff auf den Nachtclub Pulse droht auch der Frau des Täters eine Strafanzeige.

In den USA setzen FBI und Justiz die mühsame Suche nach dem Motiv des Todesschützen von Orlando fort. Informationen dazu könnte möglicherweise die zweite Frau von Omar Seddique Mateen liefern. Sie wusste laut Berichten mehrerer US-Sender von Anschlagsplänen ihres Mannes und will versucht haben, ihn davon abzubringen.

Ehefrau fuhr Mateen zu Club in Orlando

Der Sender CBS meldet, die 30-Jährige habe gegenüber dem FBI erklärt, dass sie ihren Mann mindestens einmal ins Pulse gefahren habe. Demnach wollte er den Club, sein späteres Anschlagsziel, auskundschaften. Dem TV-Sender CNN zufolge sagte Mateens Frau dem FBI, ihr Mann habe über einen dschihadistischen Anschlag geredet, sie habe aber nicht gewusst, dass er den Nachtclub Pulse angreifen wollte.

Nach Angaben von CBS wurde die Frau von der Bundespolizei einem Lügendetektortest unterzogen. Sie soll sich kooperativ verhalten haben, dennoch stehe ihr möglicherweise eine Strafanzeige als Mittäterin bevor. So gebe es bislang keine Hinweise darauf, dass sie jemals die Polizei über die von ihr befüchtete Anschlagsplanung ihres Mannes informiert habe.

War auch Disneyworld ein mögliches Anschlagsziel?

Neben dem Pulse-Club hatte Omar Mateen offenbar auch Disneyworld in Orlando im Blick. Mateen sei in diesem Jahr mindestens zwei Mal in dem berühmten Vergnügungspark gewesen - im April und Anfang Juni, berichtet CBS unter Berufung auf Polizeikreise. Den Besuch im April habe seine Frau als Familienausflug bezeichnet. Die Ermittler gingen jedoch davon aus, dass er Disneyworld auskundschaften wollte. Vom 31. Mai bis zum 6. Juni wurde in dem Vergnügungspark und an anderen Orten in Orlando das Homosexuellenfest "Gay Days 2016" gefeiert.

Eine FBI-Sprecherin sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP zu den Berichten, dass Mateens Frau von dessen Anschlagsplanungen wusste: "Das würde ich nicht bestätigen. Wir werden nicht über im Fluss befindliche Angelegenheiten oder Teile der Ermittlungen sprechen."

Mateen hatte in der Nacht zum Sonntag im Schwulenclub Pulse 49 Menschen getötet und 53 verletzt. Derzeit werden noch 27 Menschen behandelt, meist an Schusswunden. Sechs Menschen ringen noch mit dem Tod, sagten Ärzte.

FBI ermittlelt auch wegen "homophobem Fanatismus"

Das FBI hatte am Montag ausgeschlossen, dass der Attentäter von einem terroristischen Terrornetzwerk Instruktionen erhielt. Mateen soll über das Internet extremistisch inspiriert worden sein. Er hatte sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat berufen. Der IS bezeichnete ihn seinerseits als "Soldaten des Kalifats".

Die Bundespolizei ermittelt aber auch wegen "homophobem Fanatismus'". US-Medien berichteten, der 29-Jährige sei vor der Tat häufiger selbst zu Gast in dem Club gewesen. Er soll demnach auch eine Dating-App für Schwule genutzt haben. Aus welchen Gründen Mateen vor der Tat dort war, ist offen.

Das FBI schließt weiterhin nicht aus, dass es Mittäter oder Helfershelfer gab. Das Bundeskriminalamt prüft Verbindungen des Vaters des Attentäters, Siddique Mateen, nach Deutschland.

mad / DPA / AFP
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