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Orlando-Massaker: Attentäter Omar Mateen - homophob, aggressiv, rätselhaft

Was trieb Omar Mateen an, in einem Schwulen-Club in Orlando ein entsetzliches Massaker anzurichten? Berichte deuten viele Motive an: Homophobie, Islamismus, psychische Probleme. Und überraschend kam die Tat nicht unbedingt.

Orlando Attentäter Mateen ernst

Omar Mateen, der Orlando-Attentäter, wird von einem Arbeitskollegen als "ständig wütend" beschrieben

Es war vieles, aber in jedem Fall keine spontane Tat. Omar Mateen, 29, muss das Blutbad sorgfältig geplant haben. Rund 190 Kilometer Fahrdistanz liegen zwischen seiner Wohnung in Fort Pierce, Florida, und dem "Pulse", einem vor allem bei Schwulen angesagten Club in Orlando. Mateen fuhr mit einem Mietwagen vor. Wenige Tage zuvor hatte er zwei Waffen gekauft. Ein Sturmgewehr vom Typ AR-15 des Herstellers Colt, mit dem ein geübter Schütze in sehr kurzer Zeit sehr viele Kugeln abfeuern kann. Die Waffe ist berüchtigt, weil sie in zehn von 14 "mass shootings" mit mehr als drei Opfern zum Einsatz gekommen sein soll. Außerdem hatte er sich eine halbautomatische Pistole besorgt, Kaliber 9 Millimeter.

Mateen muss gegen zwei Uhr morgens eingetroffen sein, der Club war proppenvoll, auch die Tanzfläche. Nach seinen ersten Schüssen rief er die Notrufnummer 911 an und bekannte sich zu der Terrororganisation des Islamischen Staates (IS). Verschiedenen amerikanischen Medienberichten zufolge soll er auch die Brüder Zarnajew erwähnt haben, die 2013 im Zielleinlauf des Boston-Marathons zwei Bomben in Rucksäcken explodieren ließen. Der überlebende Bruder gab später an, die Tat habe dazu dienen sollen, den Islam zu verteidigen. Welchem Zweck sollte die Tat von Omar Mateen dienen?

Wie religiös war der Orlando-Attentäter?

 Ja, der Mann war Moslem. Gläubig? Vielleicht. Dem Iman seiner Moschee zufolge, erschien er viermal in der Woche zum Gebet. "Er kam immer als letzter und ging als erster", sagte Syed Shafeeq Rahman der "New York Times". Der  Vater des Attentäters, Siddique Mir Mateen, beschreibt seinen Sohn wiederum als nicht sehr religiös, weshalb er sich ein Motiv aus Glaubensgründen nicht vorstellen könne. Eltern allerdings gelten bei Experten als wenig geeignete Zeugen, wenn es um die Radikalisierung ihrer Kinder geht.

Orlando Attentäter Mateen Selfie

Orlando-Attentäter Omar Mateen konnte offenbar auch locker, wie hier auf einem Myspace-Foto



Sicher ist bislang: Omar Mateen war zweimal verheiratet. Beide Ehen scheiterten. Seine erste Frau, eine gebürtige Usbekin, beschrieb ihren Ex-Mann im US-Fernsehen als psychisch labil, krank und sehr gewalttätig. Regelmäßig habe er sie geschlagen, weil sie die Wäsche nicht gemacht habe oder aus anderen nichtigen Gründen. Er habe sie wie eine Geisel gehalten. Nach zwei Jahren wurden die beiden geschieden. Auch seine nächste Ehefrau hat ihn verlassen, Warum ist unbekannt, sie will sich nicht äußern.

Darin sind sich alle einig: Mateen war aggressiv

Geboren wurde Mateen 1986 in New York als Sohn afghanischer Einwanderer. Die Familie zieht nach Florida Es folgen College-Abschluss in Kriminaltechnologie und ein Job bei einem der größten Sicherheitsfirmen der USA: G4S. Das Unternehmen habe den Mitarbeiter nach eigener Aussage natürlich gründlich durchleuchtet, aber keine Auffälligkeiten festgestellt. Rein technisch mag das stimmen, nur: Sehr viele Menschen, die ihn gekannt haben, beschreiben Mateen als aggressiv. Fraglich, ob man mit dieser Eigenschaft geeignet ist, als Sicherheitsmann zu arbeiten. Dazu kommt, dass 2013 das FBI auf ihn aufmerksam wurde. Die US-Bundespolizei stellt fest, dass er mit seinen terroristischen Verbindungen geprahlt habe. Die folgenden Vernehmungen verlaufen ergebnislos, weitere Konsequenzen gibt es nicht. Ebenso wenig wie ein Jahr später, als das FBI eine Verbindung zwischen ihm und Moner Mohammad Abusalha, dem ersten amerikanischen Selbstmordattentäter in Syrien, entdeckt.

Das alles deutet natürlich nicht zwingend auf einen islamistischen Hintergrund hin, zumal Mateen anscheinend Homosexuelle gehasst haben soll. Sein Vater erzählte, wie sein Sohn beobachtet habe, wie sich ein schwules Pärchen auf der Straße geküsst habe, was ihn sehr wütend gemacht haben soll. "Schau Dir das an. Sie tun das und mein Sohn sieht zu", habe Omar Mateen gesagt. Homophob, so der Vater, sei Omar wohl gewesen. Völlig unklar ist auch, ob und welche Rolle eben jeder Siddique Mir Mateen gespielt hat. Ausweislich einiger Facebook-Videos ist er selbst eine etwas illustre Figur, scheint den Arrest afghanischer Politiker anordnen zu wollen und mit den radikalislamischen Taliban zu sympathisieren.

"Er war einfach immer wütend"

Noch ist es zu früh dafür, ein abschließendes Urteil über Omar Mateen zu fällen. Bislang deutet aber vieles darauf hin, dass der Mann einer dieser "einsamen Wölfe" war, psychisch angeschlagen, radikalisiert über das Internet, unberechenbar und mit Hang zur Gewalt. Sein ehemaliger Arbeitskollege David Gilroy, sagte über ihn: "Er war ein Rasssist und gab immer damit an, Menschen töten zu wollen. Er war einfach immer wütend, wütend auf die ganze Welt."


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nik/lk