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Prozess gegen Syrer Erst Entführer, dann Flüchtling, jetzt in Stuttgart vor Gericht

SEK
Suliman al-S. wurde im Januar von einem Mobilen Einsatzkommando der Polizei festgenommen (Symbolfoto)
© Thomas Warnack/DPA
Ein UN-Mitarbeiter wird in Syrien von Islamisten entführt. Er kommt frei - und erkennt später einen seiner Bewacher. Es ist Suliman al-S., der Mann mit der Selbstmordgranate. Nun steht er in Stuttgart vor Gericht.

Die Festnahme war spektakulär, in Backnang bei Stuttgart, Januar 2016. Hier hatte der syrische Flüchtling und anerkannte Asylbewerber Suliman al-S. über Monate Deutsch gelernt. Hier, im Rems-Murr-Kreis, hatte er eine neue Heimat gefunden mit Hilfe eines Freundes, den er noch aus Syrien kannte.

Doch auch ihn, Suliman al-S., kannte noch jemand aus Syrien: Carl Campeau, 52, UN-Mitarbeiter und kanadischer Staatsbürger. Campeau war im Februar 2013 in Syrien von Islamisten entführt und für acht Monate in einem Vorort von Damaskus gefangen gehalten worden. Einer seiner Bewacher dort war Suliman al-S. Das sagte Campeau dem ARD-Magazin "Panorama" und dem stern.

Am Donnerstag wird Suliman al-S. in Stuttgart-Stammheim der Prozess gemacht. Der Generalbundesanwalt klagt an. Es geht um "erpresserischen Menschenraub", um "mitgliedschaftliche Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung im Ausland" und um "Kriegsverbrechen". Der Angeklagte war demnach Mitglied der Al-Nusra-Front, der Syrien-Filiale von Al-Qaida. Ansonsten war bislang wenig über den Fall bekannt.

Sein Kampfname: Abu Adam

Nach Informationen vom stern und "Panorama" untermauert die Generalbundesanwaltschaft ihre Anklage nicht nur mit der Aussage des UN-Mitarbeiters Carl Campeau, der den Angeklagten in seiner Zeit als Geisel als "Abu Adam" kennenlernte, als den Bewacher, der immer eine Selbstmordgranate trug. Campeau ist in dem Verfahren nun als Zeuge geladen. Die Ermittler stießen in sozialen Medien auf Einträge, in denen Suliman al-S. als "Abu Adam" angesprochen wird - von unterschiedlichen Personen.

Suliman al-S. verließ Syrien im Spätsommer 2013, noch bevor die Geisel Carl Campeau sich befreien und den Al-Nusra-Kämpfern entkommen konnte. Mehr als ein Jahr später, im August 2014, erreichte al-S. von Libyen aus mit einem Motorboot Italien und wenig später per Zug Deutschland. 

Er lernte diszipliniert Deutsch

Suliman al-S. lebte zuerst in einer Flüchtlingsunterkunft bei Kaiserslautern und zog im März 2015 in den Rems-Murr-Kreis. Er besuchte Deutschkurse und fiel dort als disziplinierter Schüler auf. Außerdem versuchte er, seinen Vater und seine drei Schwestern nach Deutschland zu holen, was ihm im August 2015 auch gelang. Al-S. hat sich in seiner Vernehmung nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Der stern berichtet in seiner neuen, heute erschienenen Ausgabe ausführlich über den Fall Abu Adam. Der Report von "Panorama" ist heute ab 21.45 Uhr in der ARD zu sehen.


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